"Die Fackel" von Karl Kraus im Jüdischen Museum

Wien, (OTS) Das Jüdische Museum der Stadt Wien zeigt vom 23. Juni bis 1. November 1999 die Ausstellung "Was wir umbringen" -
"Die Fackel" von Karl Kraus. Kraus, eine der bewundertsten und umstrittensten Figuren der Literatur- und Pressegeschichte schuf
mit seiner "Fackel" eine singuläre Erscheinung im Pressewesen
nicht nur Österreichs. In der Ausstellung werden Biografie und Arbeitsweise von Karl Kraus ebenso dargestellt, wie sein jüdisches und nichtjüdisches Umfeld sowie der komplizierte Herstellungsprozeß der "Fackel". Zahlreiche der ausgestellten Dokumente, Originalhandschriften und persönlichen Erinnerungsstücke werden dank der großzügigen Leihgaben aus dem In- und Ausland erstmals gezeigt.****

"Die Fackel" war 1899 etwas völlig Neues in der Medienlandschaft der damaligen Zeit: eine mutige Zeitschrift, die die Dinge beim Namen nannte, provokant, aggressiv und satirisch Stellung bezog und die anderen Meiden der damaligen Zeit erbarmungslos aufs Korn nahm. Im Mittelpunkt der Kritik fanden
sich Journalisten und Schriftsteller, korrupte Beamte, der Adel,
das reich gewordene Bürgertum, deren Machtstreben, Verlogenheit
und Doppelzüngigkeit Kraus scharfsichtig beobachtete und anprangerte. Der zeitgenössische Erfolg der "Fackel" lag nicht zuletzt in ihren Qualitäten als unabhängiges Oppositionsblatt. Vor den Augen des heutigen Lesers entsteht bei der Lektüre ein pointiertes Bild der österreichischen Gesellschaft von der Donaumonarchie über die Erste Republik bis zum Ständestaat.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum läßt anhand einer Vielzahl an Briefen, Karikaturen, Plakaten, Korrekturfahnen, Skizzen, Zeitungen, Theaterzetteln und Büchern den geistigen und personellen Kosmos der "Fackel" erstehen: ihre Themen und Auseinandersetzungen, ihre Mitarbeiter, ihr Publikum und ihre Feinde, den Produktionsprozeß und ihr Anderssein. Zahlreiche wenig bekannte Fotografien veranschaulichen auch ein gewichtiges Stück Wiener Stadtgeschichte, die durch einen Film und Tondokumente mit Karl Kraus, angereichert mit Beispielen aus der Welt von Musik und Theater, die seine Wertschätzungen genossen, lebendig wird. Viele Fotografien und Dokumente werden erstmals zu sehen sein - dank der großzügigen Unterstützung von Leihgebern wie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, der Österreichischen Nationalbibliothek, dem Brenner-Archiv, dem Historischen Museum der Stadt Wien und zahlreichen privaten Sammlern.

Parallel zur Ausstellung erscheint im Mandelbaum Verlag Wien ein Begleitbuch zur Ausstellung mit ca. 190 Seiten und über 300 Abbildungen (Fotos, Zeichnungen, Dokumenten), darunter etliche bislang unveröffentlichte Bilder aus einem neu entdeckten Teilnachlaß, der in der Wiener Stadt- und Landebibliothek aufbewahrt wird. Herausgeber wird das Buch von Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos und Marcus G. Patka, an weiteren Autoren konnten die renommierten Kraus-Spezialisten Hermann Böhm, Kurt Krolop, Leo A. Lensing und Sigurd P. Scheichl gewonnen werden. Die Kapitel entsprechen den jeweiligen Abschnitten der Ausstellung,
etwa ein Drittel der Exponate können abgebildet werden. Der
Katalog erscheint anläßlich der Eröffnung und kostete 348 Schilling.

Das Jüdische Museum ist Sonntag bis Freitag von 10 bis 18
Uhr, an Donnerstagen von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Kostenlose Führungen in deutscher Sprache; sonntags um 12 Uhr und um 15 Uhr und donnerstags um 18.30 Uhr. Durch die ständigen Ausstellungen
des Museums gibt es jeden Sonntag um 16 Uhr eine Führung.
Eintritt: 70 Schilling/40 Schilling ermäßigt. Anmeldung für Sonderführungen: Tel.: 535 04 31. (Schluß) gab/bs

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