Ehrenamtliche Tätigkeit von Menschen über 50 - URBAN-Projekt Senior Plus stellt Studie vor und lädt am 22. 6. 1999, 18.30 Uhr zu Expertenrunde

Wien (OTS) - Unter dem Titel "Soziale Integration und Aktivitätspotentiale älterer Bewohnerinnen und Bewohner der Wiener Gürtelregion" befragte das URBAN-Projekt Senior Plus über 50-Jährige zum Thema ehrenamtliche Tätigkeiten. Die Studie wird am Dienstag, 22. Juni, 18.30 Uhr bei Senior Plus (Reindorfgasse 22, 1150 Wien) von Projektleiter und Studienautor Dr. Christoph Reinprecht der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Expertenrunde diskutiert in diesem Rahmen die Chancen und Grenzen freiwilliger Bürgerarbeit, darunter Univ.Prof. Dr. Christoph Badelt, Leiter der Abt. f. Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität, und Dr. Erika Winkler, stellv. Leiterin des Kompetenzzentrums für Senioren- und Bevölkerungspolitik im Familienminsterium.

In einer repräsentativen Stichprobe (313 Männer und Frauen, der Anteil der Pensionisten betrug 50%, der Anteil von MigrantInnen 37%) wurde die über 50jährige Bevölkerung in der URBAN-Region über ihre Haltung zu ehrenamtlicher Tätigkeit außerhalb der Familie befragt. Erhoben wurde auch, unter welchen Bedingungen man ein Ehrenamt ausüben würde und welche Form der Anerkennung gewünscht sei.

Die Wichtigkeit ehrenamtlichen Engagements außerhalb der Familie wird von zwei Drittel der Befragten betont , darunter deutlich mehr Frauen sowie Personen, die sich dem konservativen Weltbild zuordnen. Knapp die Hälfte der Befragten (46%) wäre zu ehrenamtlicher Tätigkeit motivierbar - auch hier überwiegen Frauen, sowie Personen, die jünger als 60 Jahre alt sind und solche, die noch im Berufsleben stehen und höher gebildet sind. Rund 30% gaben an, oft oder gelegentlich eine "unbezahlte Tätigkeit" auszuführen, wobei Nachbarschaftshilfe (Betreuung von Kindern und kranken Nachbarn) von über 40% am häufigsten genannt wird. Das klassische Ehrenamt - Betreuung von alten, gebrechlichen und einsamen Menschen oder karitative Tätigkeiten - wird seltener genannt (bis 20%). "Am häufigsten werden freiwillige Tätigkeiten in der informellen, nicht-organisierten Nachbarschaftshilfe realisiert, organisierten und öffentlichen Aktivitäten kommt eine geringe Bedeutung zu", stellt Studienautor Christoph Reinprecht fest. Traditionell ist die Rollenverteilung:
Während Frauen überdurchschittlich viel Betreuungsarbeit leisten, sind Männer vor allem für organisatorische Tätigkeiten aktivierbar oder wenn es um die Vermittlung von beruflichem Wissen und Fertigkeiten geht.

Traditionelle Motive mobilisieren über 50jährige zu ehrenamtlicher Tätigkeit

Bei der Frage nach den Motiven, sich ehrenamtlich zu betätigen, wird der altruistische Aspekt "Mitleid mit den Schwachen" (42 %) nach dem sozialen Aspekt "Kontakt mit anderen Menschen" (55%) genannt. Dr. Christoph Reinprecht: "Soziales Engagement beruht stets auch auf ich-bezogenen, 'egoistischen' Motiven. Soziale Teilhabe ist bei den über 50jährigen mit traditionellen Vorstellungen von Mitgefühl und Lebenserfüllung verbunden." Eine geringe Rolle spielen Motive wie "etwas Neues machen" (15%) oder "nicht alle Aufgaben dem Staat überantworten (9%).

Synchron zur altruistischen Haltung wird die Frage nach der Honorierung beantwortet: 44% der Befragten meinen, ein Ehrenamt sollte nicht abgegolten werden. Die Mehrheit hält allerdings eine Abgeltung für wichtig, in Form von Aufwandsentschädigungen (36%), Vergünstigungen (21%) aber auch sozialer Anerkennung (14%).

Die Studie wurde von Dr. Christoph Reinprecht, Institut für Soziologie und Projektleiter von Senior Plus, konzipiert. Beauftragt mit der Feldarbeit war das IFES-Insitut im Zeitraum Ende April bis Anfang Juni.

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