- 18.06.1999, 11:33:15
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Greenpeace warnt: Kontrollen ignorieren gefährliche Umweltgifte in Futtermitteln
"Nur umfassende Analysen schützen vor weiteren Giftskandalen"
Wien (OTS) - Greenpeace wandte sich heute in offenen Briefen an
Landwirtschaftsminister Molterer und Konsumentenschutzministerin
Prammer mit der dringenden Aufforderung endlich umfassende
Umweltgift-Analysen in Futter- und Lebensmitteln zu veranlassen.
Greenpeace warnte davor, daß neben den allseits bekannten Dauergiften
Dioxin und PCBs (polychlorierte Biphenyle) noch eine Reihe anderer
gefährlicher Schadstoffe in Umwelt und Nahrungskette nachweisbar
sind, die vom derzeitigen Analysenplan vollständig ignoriert werden.
Dazu zählen insbesonders eine Reihe von chemischen Flammhemmern wie
Chlorparaffine und polybromierte Biphenyle (PBBs).
"Es ist unververantwortlich, daß nicht alle wichtigen Dauergifte
regelmäßig analysiert werden. Bis zum Auffliegen des belgischen
Dioxinskandals wurden von den österreichischen Behörden überhaupt
keine routinemäßigen Tests auf langlebige Umweltgifte durchgeführt.
Nun tut Minister Molterer so als gäbe es nur Dioxin und PCBs als
Schadstoffe in Futtermitteln," kritisiert Greenpeace-Chemiker Dr.
Thomas Belazzi. "Greenpeace fordert, daß solche umfassenden Tests
sofort in Auftrag gegeben werden."
Chemische Flammhemmer werden in verschiedenen Elektronikprodukten
wie Computern, Telefonen, Fernseh- und Haushaltsgeräten und Autos zur
Verringerung der Brennbarkeit des Kunststoffs eingesetzt. Es handelt
sich dabei um Chlorverbindungen (insbes. Chlorparaffine) und
bromierte Flammschutzmittel wie polybromierte Biphenyle (PBBs). Diese
sind - wie Dioxin und PCBs- gesundheits- und umweltschädliche
Chemikalien. Sie reichern sich als stark fettlösliche Chemikalien
über die Nahrungskette an und sind schwer abbaubar. Sie können Krebs
auslösen, das Hormonsystem schädigen und Hirnschäden verursachen. Sie
sind in Flußsedimenten, Hausstaub, Meerestieren bis zur menschlichen
Muttermilch (und dort in steigenden Konzentrationen) nachweisbar. In
den USA gab es in den 70er Jahren bereits einmal einen
PBB-Futtermittelskandal, wo dann u. a. 1,5 Millionen vergiftete
Hühner "entsorgt" werden mußten. Jene Konsumenten, die damals die
PBB-verseuchten Lebensmittel aßen, leiden heute unter stark erhöhten
Krebsraten.
"Die Behörde darf die Greenpeace-Warnungen nicht weiter ignorieren
und eine umfassende Untersuchung von Futtermitteln und Lebensmitteln
verweigern," betonte Belazzi. "Diese gefährlichen chemischen
Dauergifte sind überall nachweisbar. Die Behörde muß mit regelmäßigen
Überprüfungen den Schutz der Konsumenten sicherstellen. Es darf auf
keinen Fall zu einem weiteren Giftskandal kommen!"
Rückfragehinweis: Dr. Thomas Belazzi, Chemie-Experte,
Greenpeace Österreich,
Tel: 01/ 5454580-40
Weitere Informationen sind auch im Internet
abrufbar:
www.greenpeace.at/vb/toxics/pops/pops.htm
Matthias Schickhofer
Greenpeace Austria, Communications Director
Siebenbrunnengasse 44, A-1050 Wien
E-mail:matthias.schickhofer@at.greenpeace.org
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