• 17.06.1999, 11:19:50
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  • OTS0136

"Made in Vienna" - Qualitätsmarke mit Chancen=

1. Wiener Stadtgespräch: Stadt muß ihr Wissenschaftspotential besser nutzen und Qualitäten klarer vermarkten

Wien, (OTS) Faktoren für den Erfolg Wiens und seiner
Wirtschaft im Wettbewerb der europäischen Metropolen standen im
Mittelpunkt des 1. Wiener Stadtgespräches im Millennium Tower am
Mittwoch abend. Die Steuersituation für Unternehmer, gut
ausgebildete Arbeitskräfte und Lebensqualität seien Grund für die
Wettbewerbsfähigkeit der Stadt. "Als Wirtschaftsstandort wird es
für Wien in Zukunft entscheidend sein, daß wir unsere
unbestrittenen Stärken bündeln. Wir müssen die harten und weichen
Standortfaktoren strategisch gezielter einsetzen", erklärte
Vizebürgermeister Ddr. Bernhard Görg. Der Strategieplan der
Stadtregierung, der im Rahmen des Wiener Stadtdialogs öffentlich
diskutiert wird, sei dazu ein "ideales Instrument".
Gesprächspartner, ÖIAG-Privatisierungsleiterin Wilhelmine
Goldmann, Ericsson-Generaldirektor Rolf Nordström, der Moderator
des Berliner Stadtforum, Rudolf Schäfer, und der in Wien und
Aachen lehrende Städtebauer Kunibert Wachten sahen in der
Förderung von Forschung und Innovationstransfer von Universitäten
zu Unternehmen, der Integration Wiens in leistungsfähige
Verkehrsnetze und einer Regionalentwicklung mit hohem
Qualitätsanspruch ausschlaggebende Faktoren für zukünftige weitere
Erfolge der "Marke Wien". "Made in Vienna" verkörpere Qualität,
der sich die Stadt stärker bewußt werden müsse und sei Auftrag,
vorhandene Potentiale offensiv zu nutzen und weiterzuentwickeln.

Die Stadt müsse das an den großen Universitäten der Stadt
konzentrierte wissenschaftliches Potential verstärkt für die
Gründung innovativer Firmen nützen, so Wilhelmine Goldmann. Am
Beispiel des Münchener Booms, der der Stadtregion allein 10.000
High-Tech Arbeitsplätze eingebracht zeige sich, wie Engagement der
öffentlichen Hand auf Regional- und Stadtebene "blühende Regionen"
hervorbringen könne. Dazu sei nicht nur privates Kapital, sondern
auch ein massives Engagement mit öffentlichen Geldmitteln
notwendig. Bayern habe allein in den Biotechnologie-Sektor 2,8
Mrd. Schilling investiert, finanziert durch Gewinne aus der
Privatisierung der E-Wirtschaft. Anknüpfen an Traditionen sei das
Geheimnis der Cluster-Bildung. Wien habe hier im Bereich Design
und Architektur die Chance, Tradition mit neuen High-Tech-Ansätzen
zu verbinden.

Wien sei nicht nur anders, sondern müsse auch anders bleiben,
unterstrich Rolf Nordström die Notwendigkeit, die Besonderheiten
eines Standortes als einzigartig zu vermarkten. Für Ericsson sei
es wichtig, am Standort Wien durch seine Kooperation mit der
Technischen Universität Zugang zu wissenschaftlicher Kompetenz zu
haben. Die Lohnkosten seien zwar hoch, würden aber durch die gute
Produktivität aufgewogen. Wien brauche jedoch mehr
"Differenzierungskraft im Wettbewerb", "klare
Marketingaktivitäten" und eine gute Verkehrsinfrastruktur als
Verkaufsargument für Investoren.

Ähnliche Probleme und strategische Lösungsansätze verbinden
aus der Sicht von Rudolf Schäfer die beiden Metropolen Berlin und
Wien. Besonderheiten der jungen deutschen Hauptstadt könnten Wien
als "Checklist" für strategische Überlegungen dienen, so etwa die
"haarigen" strukturellen Konsequenzen aus der gescheiterten
Fusionierung zwischen Berlin und Brandenburg für die
Regionalentwicklung oder die "mentale Problematik" Berlins, leider
nur bedingt "Unternehmerstadt" gewesen zu sein. Nach der
Modernisierung der wirtschaftlichen "Hardware" müsse jetzt die
"mentale Software", spricht Unternehmensgeist, angegangen werden.
Die Markendebatte umfasse in Berlin auch das Umland. Berlin
versuche sich als "Global City in einem Park von Städten" zu
positionieren, die mit den Universitäten der Region einen
attraktiven "globalen Campus" bilde.

Gute Architektur, Landschaftskunst und Kultur bieten
Stadtregionen die Chance, Strukturwandel "ein Gesicht zu geben"
und seien dadurch ein wichtiger weicher Standortfaktor, so
Kunibert Wachten in Anlehnung an die Beispiele Bilbao, Frankfurt
und Ruhrgebiet. Wien verfüge hier über hohe Qualität und stehe vor
der Herausforderung, in der Stadtgestaltung die Waage zu halten
zwischen alten Spezialitäten, neuen Impulsen und "Störfeuern".

In einem Spannungsbogen zwischen Technologie und Architektur
sah auch Bernhard Görg die Herausforderung für die Strategien der
Stadtregierung. "Wien muß Dynamik aufbauen und Ästhetik erhalten
und verstärken. Dann wird die Stadt ein Paradies für
Wettbewerbsfähigkeit." Mit den Projekten des Strategieplanes
verpflichte sich die Stadtregierung auch zur Umsetzung ihrer
Absichten. Für Projekte, die im Kompetenzbereich der
Stadtregierung liegen, sei das dafür notwendige Geld auch bereits
vorhanden. Eine der "Schlüsselqualifikationen" Wiens für die
Zukunft sei dabei, "mit suboptimalen Bedingungen optimal fertig zu
werden". (Schluß) red

Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz: www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink/

Europaforum Wien-Projektbüro Wiener Stadtdialog
Mag. Gabriele Juen
Tel.: 585 85 10-24

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