Industrie drängt auf Kammerreform

Wien (OTS) - . Die Kritik an der Wirtschaftskammer wird immer lauter. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin Format in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Demnach dränge eine Gruppe prominenter Industrieller und Manager auf eine rasche und umfassende Reform der Kammer.

Format zitiert Mayr-Melnhof-Chef Michael Gröller. "Wir haben genug davon, ein System am Leben zu erhalten, das uns viel kostet und nichts bringt."

Kern der Kritik der Industrie: Die Wirtschaftskammer-Organisation, die jährlich aus der Grundumlage und den Kammerumlagen 1 und 2 insgesamt 6,7 Milliarden Schilling an Zwangsbeiträgen einstreift, betreibe einen aufgeblähten Apparat, arbeite nicht effizient und vertrete zudem nicht die Interessen der Industrie. MM-Mann Gröller:
"Die Kammer ist die Vertretung des Gewerbes und nicht der Industrie. Wir Industrieunternehmen zahlen und die anderen leben davon.³

Auch Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl geht mit dem Preis/Leistungs-Verhältnis der Kammer hart ins Gericht: Das ist doch bitte glatter Wahnsinn. Die Kammer bringt uns denkbar wenig."

OMV-Chef Richard Schenz regt laut Format an, die Kammer auf ihre Effizienz zu durchleuchten. "Man muß sich wirklich fragen, ob es notwendig ist, daß zehn Landesorganisationen bestehen. Wir hatten in der OMV auch einmal neun Landesdirektionen. Heute haben wir keine mehr."

Obwohl die Industrie und die Banken gemessen an der Mitgliederzahl die zwei kleinsten Sektionen der Kammer stellen, zahlen die Mitglieder vergleichsweise exorbitante Beiträge. So müsse etwa VA-Stahl jährlich 60 Millionen Schilling abführen, VA-Tech und OMV jeweils 50 Milionen, Böhler-Uddeholm 17 Millionen. In Summe, so Format, zahlten die ehemaligen Verstaatlichten-Töchter jährlich eine satte Viertelmilliarde Schilling in die Kassen der Kämmerer ein.

Wirtschaftskammer-Präsident Leopold Maderthaner nimmt den Aufstand noch gelassen. Gegenüber Format sagte Maderthaner: "Ich sehe keine Bedrohung. Wi= r verhandeln gerade in konstruktiven Gesprächen, wie wir die Industrie entlasten können.³ Nachsatz: "Aber eines stimmt nicht: Daß nämlich diese Unternehmen keine Leistungen von uns erhalten. Sie sind die größten Nutzer unserer Außenhandelsstellen."

Auch Kammer-Vizepräsident René Alfons Haiden relativiert: "Die Industrie bekommt von uns sogar sehr viel Service. Die Außenhandelsorganisation kommt ausschließlich ihr zugute. Handelsbetriebe, Handwerker und Banken exportieren ja nix." Dennoch gesteht auch Haiden ein, daß eine Strukturreform unumgänglich ist. "Ich bin Quereinsteiger und nicht in der Kammerilla groß geworden. Über eine Reform der Struktur kann und wird man reden müssen." Er, Haiden, sehe das jedenfalls "äußerst entspannt."

Die offen zur Schau getragene Ruhe und Gelassenheit könnte den Kämmerern laut Format schon bald auf den Kopf fallen. Ende März nächsten Jahres, so das Magazin, werde in der Wirtschaftskammer gewählt. Sollte die Reform bis dahin nicht unter Dach und Fach sein, sind die Industriellen wild entschlossen, durch die Institutionen zu marschieren. Sie wollen mit der Industriellenvereinigung als Plattform bei den Kammerwahlen antreten und die versteinerte Institution von innen sprengen. Rädelsführer Raidl: "Dann werden die Herren Funktionäre hinweggefegt."

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