Think-tank für die Stadt von morgen

Stadtforum Wien startet Denk-und Debattenarbeit zum Strategieplan der Stadtregierung

Wien, (OTS) Mit freiem Blick über die Dächer der Stadt und Diskussion über das künftige Stadtleben darunter eröffnete gestern, Donnerstag, das 1. Stadtforum Wien im Ringturm den
"Wiener Stadtdialog" zum Strategieplan der Stadtregierung. Als "konzentrierte und systematische Work in progress" an den Zukunftsfragen für die Stadt, bei der "das goldene Wiener Hirn gleichrangig mit dem goldenen Wiener Herz" gepflegt werden soll, präsentierte Vizebürgermeister Bernhard Görg den Strategieplan als gemeinsames Projekt aller Ressorts der Stadtregierung. Die Einbindung der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen des Wiener Stadtdialoges solle "Leben in das Papier bringen" und sei Teil der Strategie. Als Think-tank von Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien soll das Stadtforum Wien der Stadtregierung bis Ende des Jahres Anregungen und kritische Reflexion zum Strategieplan liefern.****

Die KonsulentInnengruppe des Stadtforum Wien, bestehend aus
den ExpertInnen Jens Dangschat, Heidemarie Schrodt, Michael
Schrott, Herbert Unterköfler und Michael Wagner-Pinter, präsentierten bei der gestrigen Auftaktsitzung erste Einschätzungen zum vorliegenden Entwurf.
Der Standort Wien werde aufgrund der geplanten EU-Erweiterung und der zunehmenden Deindustrialisierung in Städten eine
"Umdefinition" erfahren, so Herbert Unterköfler, Geschäftsführer der Neumann Management Consulting. Die zunehmende Abwanderung alteingesessener Betriebe ins Umland könnte zu einer dramatischen Zuspitzung am Arbeitsmarkt führen. Die Stadt könne dem durch Infrastrukturprojekte und durch eine verbesserte Nutzung ihrer
Fonds gegensteuern. Gleichzeitig müsse die Verwaltung noch stärker den Servicegedanken eines Dienstleisters aufnehmen.
Heidemarie Schrodt, Direktorin des Bundesgymnasium Rahlgasse, die
im Rahmen des Stadtforum die Themenbereiche Bildung, Frauen und Jugend übernommen hat, sieht im Strategieplan einen "innovativen Zugang" zu Stadtentwicklung, weil er sie als "Aufgabe des gesamten Systems Stadt begreife". Obwohl Frauen in der Stadtplanung präsent und "mitgedacht" seien, kämen Fraueninteressen im Strategieplanentwurf trotz positiver Projekte wie der geschlechtssensiblen Schaffung von Freiräumen bislang etwas "verschämt" vor. "Es ist notwendig, daß Frauenanliegen zum Querschnitthema werden."

Für Michael Wagner-Pinter, Geschäftsführer der Synthesis-Forschungsgesellschaft, erfüllt der Entwurf der Stradtregierung "bei nüchterner Betrachtung" drei Grunderfordernisse an einen
guten Strategieplan: Er gehe von einem "Konzept verteilter Intelligenz" in der Stadt aus, benenne strategische Bündnispartner und orientiere sich an Leitprojekten für seine Umsetzung. Wagner-Pinter äußerte sich skeptisch über die Erfolgschancen der inner-und transregionalen Zusammenarbeit, wenn nicht in der Strategie deutlich gemacht werde, daß es in der Region insgesamt zu einem Vor- und Nachteilsausgleich zwischen allen Partnern kommen werde. Der an der Technischen Universität Wien lehrende Soziologe Jens Dangschat sieht im Strategieplan trotz Widersprüchlichkeiten "eine gute Arbeitsgrundlage" für das Stadtforum. Wien müsse sich bewußt werden, daß trotz der derzeit guten wirtschaftlichen Lage soziale Polarisierung und Entsolidarisierung zunehmen werden. Insbesondere müsse die umfassende Integrationspolitik gestärkt werden. Dazu gebe es in Wien noch günstige Rahmenbedingungen und Ressourcen,
die vielen europäischen Städten längst nicht mehr zur Verfügung stünden.

Eine Stadt höre nicht an ihrer Grenze auf, die Kooperation
mit dem Umland und auch die Frage, ob Stadtgrenzen in alle
Ewigkeit "heilig" seien, sollten im Strategieplan angesprochen werden, so der ORF-Redakteur und langjährige Diagonal-Stadtportraitist Michael Schrott in seinem Kommentar. Der Strategieplan sei in manchen Bereichen "sicher zu weich", insbesondere in der Stadtaußenpolitik müsse die mediale Vermarktung der Stadt im Ausland überdacht werden. Es sei "schlimm", daß Londons Verantwortliche für den Umbau der Tate-Gallery noch nie vom Wiener Museumsquartier gehört hätten.
In seiner Replik betonte Vizebürgermeister Görg, es sei der Stadtregierung ernst, sich im Rahmen des "Wiener Stadtdialoges"
mit "Kritik auseinanderzusetzen" und sinnvolle Vorschläge in den Strategieplan einzubeziehen. Ein Strategieplan baue auf der Expertise von Fachleuten auf, müsse aber letztlich ein von der Politik getragenes Produkt sein, das daher klarerweise Kompromisse enthalte.

Über 90 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Verwaltung nahmen an der gestrigen ersten von zehn geplanten Sitzungen des Stadtforum Wien teil. Ein ausführlicher Bericht zum Stadtforum wird in den nächsten Tagen auf der Homepage des Wiener Stadtdialoges unter www.stadtdialog.at abrufbar sein. (Schluß) red

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