WUA: Miniermotte wird auch durch natürliche Feinde dezimiert

Wien, (OTS) Jahr für Jahr erhitzt ein kleiner Schmetterling die Gemüter der Wiener - Cameraria ohridella, die Kastanienminiermotte. Wenn bereits im August braune Blätter von
den Kastanienbäumen fallen, wird der Ruf nach Gegenmaßnahmen laut. Die Diskussion der Auswirkungen des Spritzmittels ist aber
durchaus kontroversiell: Befürworter unterstreichen die
verminderte Lebensdauer und das traurige Bild, das unbehandelte Bäume zeigen, Gegner verweisen auf die Auswirkungen des
Insektizids auf andere Insekten und auf die Umwelt generell. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten aber, daß die Miniermotte von ihren natürlichen Feinden nach sieben bis zehn Jahren entsprechend dezimiert werde Blätter der Kastanienbäume wieder bis in den Oktober grün blieben. Darauf weist die Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) in einem Bericht in ihrer Publikation
"WUA News" hin.****

Bei den Spritzungen wird auch in Wien der Häutungshemmer Dimilin eingesetzt, der alle Insekten, die ein Raupen- oder Madenstadium durchmachen, daran hindert, sich zu einem fortpflanzungsfähigen Individuum zu entwickeln. Es werden demnach nicht nur "selektiv" Miniermottenlarven getötet, sondern alle
nicht voll entwickelten Insekten auf dem Kastanienbaum. Bei nicht sachgemäßer Anwendung des Präparates geschieht dies durch Abdrift auch in der Umgebung des Baumes.

Grundsätzlich ist eine Ausrottung der Miniermotte mit chemischen Mitteln wegen der enormen Vermehrungsrate dieser
Insekten nicht möglich. Dimilin kann die Mottenschwärme zwar dezimieren, die Ausbreitung über das gesamte mittlere und südliche Europa aber nicht verhindern.

Kastanien werden - wie alle Bäume - besonders in der Stadt
von mehreren Streßfaktoren beeinträchtigt, vor allem Trockenheit, Bodenverdichtung, Abgase, Ozon und mechanische Schäden durch Kraftfahrzeuge verringern ihre Lebenserwartung. Wenn nun durch die Miniermotte eine zusätzliche Belastung für den Baum entsteht, ist schwer abzuschätzen, welcher Anteil der Vitalitätsverminderung auf ihr Konto geht. Kastanienbäume auf günstigen Standorten haben die letzten Jahre auch ohne Spritzungen gut überstanden.

Vom Balkan, aus Südmähren und aus Tirol gibt es Hinweise darauf, so die WUA, daß die Miniermotte von ihren natürlichen Feinden nach 7-10 Jahren so dezimiert wird, daß die Blätter der Kastanienbäume wieder bis in den Oktober grün bleiben. Die bei uns vorkommenden Parasiten der Miniermotte brauchen offensichtlich
noch etwas Zeit, um sich an den neuen Wirt zu gewöhnen. Das ist nichts Ungewöhnliches, da die Kastanie bisher kaum von Raupen genutzt wurde und Raupen, die an Kastanien fressen, natürlich andere Inhaltsstoffe aufweisen, als solche an anderen Blättern. Es ist also zu erwarten, daß sich in den nächsten Jahren ein Gleichgewicht zwischen der Miniermotte und ihren Gegenspielern einstellen wird, weshalb abzuwägen ist, ob der Schaden durch früh verwelkte Blätter den Eingriff in den Naturhaushalt rechtfertigt.

Durch den verfrühten Laubfall und das braune Laub werden vor allem touristische Einrichtungen und Gastgärten beeinträchtigt. In diesen speziellen Fällen ist eine fachmännische Spritzung der Kastanienbäume gerechtfertigt, wenn keine Abdrift zu erwarten ist. Großflächige Spritzungen sind aus biologischer Sicht aus oben dargelegten Gründen jedoch abzulehnen.

"Zusammenfassend ist zu sagen, daß wir jede Möglichkeit nutzen müssen, den Kastanienbäumen bessere Lebensbedingungen zu bieten", stellt Dipl.-Ing. Wilfried Doppler von der WUA dazu fest. Besonders die ausreichende Bewässerung in Trockenzeiten kann die Lebensdauer der Bäume verlängern, auch das Entfernen des befallenen Laubes vom Boden ist durchaus hilfreich. Der Einsatz
von Spritzmitteln sei nur als letztes Mittel in begründeten Ausnahmefällen zu verantworten. (Schluß) wua

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