ÖGB-Frauenkonferenz: Zeit der Abrechnung

Frauenleistungen unterschätzt

Wien (ÖGB). Mascha Madörin, Schweizer Ökonomin, kritisierte in ihrem Referat "Frauenkompetenz statt Männerwirtschaft" am 13. ÖGB-Frauenkongress, dass die Leistungen von Frauen nicht ausreichend
vom Staat anerkannt werden. Madörin: "Frauen leisten einen
riesigen Teil der Gratisarbeit - in Österreich beispielsweise in Stunden gerechnet mehr als bezahlte Erwerbsarbeit. Diese
Leistungen zählen jedoch nicht als ‚Humaninvestition‘ und werden weder von Staat noch Wirtschaft und Gesellschaft wirklich anerkannt."++++

Auch investiere der Staat meist mehr an finanziellen Leistungen in Männerarbeitsplätze, die Wirtschaftspolitik des Staates sei in erster Linie auf Männer ausgerichtet. Auch für Unternehmen seien soziale Investitionen für Frauen "prinzipiell zu teuer". Negativ sei weiters, dass sich weder Staat noch Privatwirtschaft noch Männer im Allgemeinen für Frauenanliegen zuständig fühlen.

Aus ökonomischer Sicht, so Madörin, werde der vorhandene Reichtum männerlastig verteilt. In der Schweiz und in Österreich sei Gratisarbeit der Frauen im Haushalt die größte "Wirtschaftsbranche" überhaupt. In der Schweiz beispielsweise sei die Gratisarbeit in Parteien, Gewerkschaften und bei der Betreuung von Alten und Jugendlichen stundenmäßig so gross wie die Metall-und Uhrenindustrie. Es sei, so Madörin, endlich notwendig, dass
die wohlfahrtsökonomische Debatte neu geführt werde. Obwohl Frauen massiv am gesellschaftlichen Reichtum beteiligt sind, berücksichtigt der Staat dies in seinen ökonomischen Ausgaben nicht; oft gibt es sogar massive Streichungen im sozialen Bereich, wo Frauen betroffen sind. Die Kompetenz der Frauen müsse eine
Frage der Leistungen der Frauen sein. Madörin: "Es ist höchste Zeit abzurechnen, und Gewerkschaftspolitik ist ein wichtiger Teil dazu, damit auch Sozialdebatten in Zukunft wieder eine andere Dimension bekommen." (bfm)

ÖGB, 9. Juni 1999 Nr. 273

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