Berufskraftfahrer: Opfer nicht zu Tätern machen

Frächter zahlen Hungerlöhne für die Fahrer

Wien (HTV/ÖGB). "Die Frächter wollen die Opfer nun zu Tätern machen", kommentiert Georg Eberl, Bundesfachsekretär der Sektion Transport in der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV),
die angekündigte "Sympathieoffensive" des Fachverbandes Güterbeförderung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Dafür wollen die Frächter 20 Millionen Schilling springen lassen, gleichzeitig zahlen sie den Fahrern Hungerlöhne", so Eberl. ++++

"Zuerst treiben sie die Fahrer in einen manchmal sogar tödlichen Wettlauf mit der Zeit und dann zeigen die Frächter noch mit dem Finger auf sie. Das ist nichts anderes, als die Opfer zu Tätern machen", kritisiert Eberl. Der Gewerkschafter bezeichnet es als menschenverachtend, wenn der Fachverbandsvorsteher Adolf Moser in einer Pressekonferenz erklärt, dass sich die Fahrer nicht wie "die Wilden" aufführen sollen und die Arbeitszeiten einhalten sollten. Eberl: "Die Täter sind nachweislich die Frächter. Es kommt doch nicht von ungefähr, dass wir praktisch jeden Prozess am Arbeitsgericht gewinnen".

Die Berufskraftfahrer werden von ihren Arbeitgebern täglich derart unter Druck gesetzt, dass die vorgegebene Zeit für die Routen nur bei Verletzung der Vorschriften eingehalten werden kann. Eberl:
"Für eine Image-Kampagne haben sie 20 Millionen Schilling; den Fahrern wollen sie aber nur 79,50 Schilling die Stunde bezahlen
und dann halten sie die Fahrer auch noch wie Sklaven". Der Gewerkschaft liegen, so der Bundesfachsekretär, genügend Beweise vor, dass Frächter mit verschiedenen Tricks zwingen, die Arbeitszeitregelungen zu umgehen und bei Nichterfüllung der praktisch nicht einzuhaltenden Vorgaben mit Kündigung drohen".

Eberl rät Moser, sich bei seinem Fachverbandgeschäftsführer Rudolf Bauer über die Sitten der Frächter zu erkundigen. Dieser habe erst Dienstag wörtlich erklärt: "Defensives Fahren ist praktisch nicht immer leicht durchführbar, vielfach werden die Fahrer von den Unternehmen unter Druck gesetzt". Eberl: "Wenn das nicht die Bestätigung unserer Kritik ist, was dann?".

"Die Frächter gefährden mit ihren Methoden aber nicht nur die Fahrer, sondern immer wieder auch andere Verkehrsteilnehmer.
Dieser Skandal gehört endlich abgestellt", fordert Eberl, der sich gerade von der Exekutive mehr Unterstützung für die Fahrer im Kampf gegen die Frächtermethoden wünscht. Der Gewerkschafter fordert den Fachverband, auch auf endlich ein vernünftiges Angebot bei den Kollektivvertragsverhandlungen zu machen. Eberl: "Mit
79,50 Schilling brutto die Stunde haben die Fahrer einen
Hungerlohn. Einen Schilling mehr ist ein Schandangebot. So treibt man die Fahrer erst recht dazu, die Arbeitszeitregelungen zu umgehen, damit sie wenigstens einen Lohn bekommen, von dem sie
auch leben können". (ff)

ÖGB, 9. Juni 1999 Nr. 270

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