ÖH: "Nicht genügend" für Bundesregierung

Gesetz unausgegoren und unausgereift

Wien (OTS) - Der vorliegende Entwurf zur Einführung eines Baccalaureats in Österreich, der heute im Ministerrat beschlossen werden soll, dokumentiert das bildungspolitische Versagen der Bundesregierung', kritisiert ÖH-Chef Gattringer die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP. "Der Entwurf ist vollkommen unausgegoren, die Erreichung keines einzigen bildungspolitischen Ziels ist damit garantiert' so der ÖH-Vorsitzende Gattringer.

Gattringer spricht sich vehement gegen Knock-out-Prüfungen aus. Der vorliegende Entwurf sieht eine einjährige Berufstätigkeit als Zulassungsvoraussetzung für das Masterstudium vor. Die Scheinheiligkeit der Argumentation ist aus Sicht der ÖH offensichtlich: "Das Masterstudium soll eine wissenschaftliche Vertiefung darstellen, dafür ist aber eine - nicht einmal einschlägige - Berufstätigkeit sogar kontraproduktiv, weil die akademische Ausbildung unterbrochen wird", so Gattringer. Auf der anderen Seite hätten die Baccalureauts, die ins Berufsleben eingetreten sind, ohnehin eine geringe Motivation zum weiteren Studium. Tatsächlich würde eben eine einfache Möglichkeit gesucht, die Studierendenzahlen nach sechs Semestern zu halbieren. Das angegebene Ziel zur Senkung der Drop-out-Rate werde jedenfalls wenig erfüllt werden. Die Gründe für Studienabbruch liegen laut ÖH woanders. "Die meisten Drop outs absolvieren gar keine oder nur wenige Prüfungen im Studium. Die Anzahl der Studierenden, die derzeit beim Abbruch genügend Prüfungen für ein sechssemestriges Studium hätten, ist ohne Zweifel zu vernachlässigen" argumentiert der Bundes-öH Vorsitzende. Besonders verlogen sei die Argumentation, daß man durch das Baccalaureatstudium ein besseres Betreuungsverhältnis schaffen wolle, denn dazu sei kein neuer akademischer Grad notwendig. Allerdings wurde von Seiten des Ministeriums verschwiegen, daß sich die Unis zusätzliche Übungen nur dann leisten können, wenn die Studierendenzahlen sinken. Gattringer vermutet deshalb hinter der Einführung des Bakkalaureats, eine verdeckte Zugangsbeschränkungen zu den heimischen Hochschulen. Für die angestrebte Internationalisierung sei die Einführung eines neuen Titels zu wenig, hier sei vorrangig zu klären, ob die jeweiligen neuen Studienpläne auch international anerkannt werden, diese Überprüfung fehle aber. Genauso wenig sei derzeit geklärt ob ein Baccalaureatstudium am Arbeitsmarkt akzeptiert werde. Für Gattringer sei jedoch klar, daß diese entscheidende Frage noch vor der Erlassung eines neuen Gesetzes zu klären sei, die Bundesregierung verweigere dies jedoch.

"Dieses Gesetz wirft nur neue Probleme auf, anstatt Verbesserungen für Studierende mit sich zu bringen, und ist deshalb für die ÖH vollkommen inakzeptabel. Die Regierung muß endlich in eine Diskussion mit den Studierenden eintreten, anstatt eine inhaltliche Auseinandersetzung zu meiden. So ist es derzeit nicht möglich, einen Termin beim zuständigen Minister Einem zu bekommen, um die Vor- und Nachteile des vorliegenden Entwurfes zu diskutieren. Wer so arbeitet braucht sich nicht wundern, daß er das Vertrauen der Studierenden verliert”, ist Gattringer über die Vorgangsweise von Minister Einem schwer enttäuscht.

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