Verzetnitsch für einkommenabhängiges Karenzgeld

Frauen nicht in Teilzeit drängen

Wien (ÖGB). "Chancengleichheit realisieren heißt das Ziel; die Qualifikation entscheidet" unterstrich heute ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch bei einem Round Table des 13. ÖGB-Frauenkongresses
mit dem Motto "Frauenkompetenz statt Männerwirtschaft" im Austria Center Vienna.++++

Um Chancengleichheit zu realisieren, sei die Arbeitsbewertung der wichtigste Schritt. Es sei GewerkschafterInnen zu verdanken, dass
es in keinen Kollektivverträgen mehr Frauenlohngruppen gibt. Eine Studie werde derzeit zum Thema "Arbeitsbewertung" vom Sozialministerium ausgearbeitet. Chancengleichheit für Frauen müsse in erster Linie die Entwicklung des Einkommens und der Beschäftigung - Vollzeit statt Teilzeit - ins Visier nehmen. Teilzeit sei für Frauen die "falsche Richtung", unterstrich der ÖGB-Präsident, Vollzeitarbeitsplätze dürften nicht zum Auslaufmodell werden.

Bei der Frage des Karenzgeldes betonte Verzetnitsch, dass ein einkommenabhängiges Karenzgeld auch mehr Anreiz für Männer sein könnte, in Karenz zu gehen.

Frauenthemen seien auch Europathemen, und er, Verzetnitsch, kämpfe auch auf europäischer Ebene um Gleichberechtigung auf allen
Ebenen. Es sei "Wahnsinn", den Schutz des Investors höher zu
werten als soziale Mindeststandards für europäische ArbeitnehmerInnen.

Gleichstellung in der Gesellschaft betreffe nicht nur Frauen und Männer sondern auch die Gruppe der ArbeitnehmerInnen: Eine der wesentlichsten Forderungen der Gewerkschaften ist die "Aktion Fairness" - die noch 1999 umgesetzt werden soll.

Frauenministerin Barbara Prammer betonte die Notwendigkeit der Frauenquote, denn "wenn eine bestimmte Gruppe nicht sichtbar ihre eigenen Anliegen selbst - und aus eigener Betroffenheit heraus -vertreten kann, werden diese Anliegen auch nicht erkannt." Gerade auch in den Gewerkschaften seien Frauenquoten daher anzustreben, betonte Prammer.

Prammer: "Frauen sind kompetent, sie müssen nur Chancen erhalten, ihre Kompetenz auch umzusetzen. Gender Mainstreaming, also Frauenpolitik in allen politischen Bereichen, müsse nun explizit realisiert werden; nicht nur Probleme aufzeigen, sondern de facto einfordern ist das Ziel." Daher sei es "unglaublich wichtig", auch auf europäischer Ebene eine gemeinsame Gleichstellungspolitik durchzuführen.

BAK-Präsident Herbert Tumpel betonte, Politik mit Frauen sei wichtig, nicht nur für Frauen. "Für Erfolge in der Gesellschaft brauchen wir Gleichheit zwischen Frauen und Männern." Tumpel
warnte vor "modernen Arbeitsmodellen" wie geringfügige Beschäftigung und Scheinselbständigkeit, denn gerade in diese Bereiche werden Frauen zunehmend gedrängt. (bfm)

ÖGB, 8. Juni 1999 Nr. 264

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Birgit Flenreiss-Mäder
Tel. (01) 534 44/480 Dw. oder 0664/356 64 03
Fax.: (01) 533 52 93

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB