Kompetenz der Feuerwehren nützen!

. Presseaussendung des Fachausschusses Freiwillige Feuerwehren, Österreichischer Bundesfeuerwehrverband

Wien (OTS)- Die höchsten Repräsentanten der Freiwilligen Feuerwehren fordern:

Kompetenz der Feuerwehren nützen!

Die Brandkatastrophe im Tauerntunnel war zentrales Thema der Tagung des Fachausschusses Freiwillige Feuerwehren (FAFF) am 7. und 8. Juni 1999 in Emmersdorf (NÖ).

Der Fachaussschuß Freiwillige Feuerwehren des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes (ÖBFV) vertritt österreichweit die Interessen der Freiwilligen Feuerwehren.

Zum Ereignis im Tauerntunnel trifft der Fachausschuß folgende Feststellungen:

* Bei der Brandkatastrophe haben gut ausgerüstete freiwillige Feuerwehrleute bestens organisierte und vollprofessionelle Hilfe geleistet. Nur dadurch war es möglich, Menschenleben zu retten und weitere Opfer zu vermeiden.

* Die professionelle Vorgangsweise der Feuerwehr ermöglichte es, den verheerenden Tunnelbrand binnen 12 Stunden zu löschen - was beim Mont Blanc-Tunnel bekanntlich einige Tage in Anspruch nahm.

* Die im Tauerntunnel vorgeschriebenen und vorhandenen Sicherheitseinreichtungen wie z.B. Löschwasserversorgung, Lüftungsanlage, Notrufnischen oder Monitore haben einwandfrei funktioniert.

Aus den Erkenntnissen des Ereignisses erhebt der Fachausschuß folgende Forderungen:

* Die Feuerwehren verlangen, bei der Erstellung bzw. Überarbeitung von Tunnelrichtlinien von Anfang an miteingebunden zu werden. Nur die Feuerwehr ist in der Lage, Erfahrung und Fachwissen bei der Bewältigung von Schadensereignissen wie im Tauerntunnel einzubringen.

* Alle möglichen Voraussetzungen zur Selbstrettung der Tunnelbenützer sind auszuschöpfen, wie z.B. Fluchtwege, Fluchtwegskennzeichnungen etc.

* Aus Gründen der Sicherheit für die eigenen Einsatzkräfte fordert der Fachausschuß Freiwillige Feuerwehr grundsätzlich zweiröhrige Straßentunnels. Einerseits könnten die Tunnelbenützer dabei in kurzen Abständen durch entsprechende Fluchtstollen und Querschläge in die sichere

zweite Tunnelröhre flüchten, andererseits ermöglicht die zweite Röhre den Einsatzkräften im gesicherten Bereich des nicht vom Schadensereignis betroffenen Tunnels möglichst nahe an den Einsatzort vorzurücken. Dies bedeutet für die Einsatzkräfte nicht nur einen Sicherheits- sondern auch einen enormen Zeitgewinn, der vor allem bei der Personenrettung von entscheidender Bedeutung ist. Die Forderung der Feuerwehren nach zweiröhrigen Tunnels ist nicht neu, im konkreten Fall Tauerntunnel wurde dies bereits nachweislich vor mehr als einem Jahrzehnt erhoben.

* Wo einröhrige Tunnels bestehen bleiben, müssen alle 500 Meter zumindest Sicherheitsnischen eingebaut werden, die Flüchtenden einen sicheren Aufenthalt über eine längere Dauer selbst bei einem Brandgeschehen ermöglichen. Ausdrücklich muß darauf hingewiesen werden, daß die Notrufnischen im Tauerntunnel nicht als Sicherheitsnischen ausgeführt waren, und das Überleben von drei Personen in diesen Nischen als Glücksfall bezeichnet werden muß.

* Tunnelbauwerke müssen über ein geeignetes Lüftungssystem verfügen. Gerade der Einsatz im Tauerntunnel hat gezeigt, wie wichtig die Funktionsfähigkeit der Lüftungsanlage war und wie wertvoll deren Wirkung gewesen ist.

* Der Einsatz "Tauerntunnel" begann für die Freiwilligen Feuerwehren am Samstag, den 29. Mai 1999 um 05.00 Uhr und endete erst am Freitag, den 4. Juni 99 um 24.00 Uhr mit dem Abschluß der Umpumparbeiten des Ladegutes eines ausgebrannten Gefahrguttankwagens.

Dieser 161stündige Dauereinsatz der Feuerwehr zeigt einmal mehr die grundsätzliche arbeits- bzw. dienstrechtliche Problematik für die Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren auf. Der FAFF fordert daher vehement die sofortige Aufnahme von Gesprächen mit Bund, Ländern, Gemeinden sowie den Sozialpartnern zur raschen Regelung von Dienstfreistellungen für Feuerwehrmitglieder bei Einsatzleistungen und vorgeschriebenen Ausbildungen im Rahmen der gesetzlichen Aufträge.

Nach Vorstellung des FAFF ist eine Regelung erforderlich, die nicht zu Lasten der Arbeitgeber gehen darf. Denkbar wäre eine Art Bonussystem, wie es derzeit bereits in Frankreich praktiziert wird. Dabei werden jene Arbeitgeber begünstigt, die Feuerwehrleute beschäftigen und für Einsatz und Ausbildungen freistellen.

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