Nigerianischer Drogenhändler-Ring: FORMAT veröffentlicht erste Verhörprotokolle

Teilgeständnis eines mutmaßlichen Bosses: 'Wissentlich 800.000 Schilling Drogengelder ins Ausland transferiert' - Verteidiger kontert: 'Die Suppe ist dünn.'

Wien (OTS) - Charles O., einer der beiden mutmaßlichen Köpfe des nigerianischen Dealerrings, der vorvergangene Woche zerschlagen wurde, hat ein erstes Teilgeständnis abgelegt. Das geht aus Vernehmungsprotokollen hervor, die das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe veröffentlicht.

Bei den Einvernahmen konfrontierten die Ermittler den 39jährigen Schriftsteller mit 26 Überweisungsbelegen über insgesamt 800.000 Schilling, die O. im Laufe des vergangenen Jahres unterzeichnet hat. Charles O. soll das Geld für das Drogenkartell beiseite geschafft und dafür Provisionen kassiert haben.

Auszug aus der Niederschrift der Bundespolizeidirektion Wien: 'Nach Vorhalt des Observationsberichts vom 23.04.1999 betreffend Wohnung G.-Straße und anschließender Geldüberweisung via Western Union gesteht O., daß er für die Drogendealer Robinson, Emeka, West und Sunny wissentlich Drogengelder in der Höhe von insgesamt 800.000,-ins Ausland transferiert hat.'

Andreas Fehringer, der Verteidiger des Verdächtigen, kontert: 'Für einen großen Boß scheint mir das ein bißchen wenig. O. hat die Überweisungen für Landsleute getätigt, die kein Konto in Österreich haben und ihren Angehörigen Geld schicken wollten.' Fehringer weiter:
'Die Suppe ist dünn. Mein Mandant ist durch unglückliche Umstände in den Verdacht geraten, der Kopf des Kartells zu sein.'

Bei den Einvernahmen gibt O. an, die angebliche Zentrale des Drogenhändlerrings - ein China-Restaurant am Rande der Wiener Innenstadt - nur drei bis vier mal zum Essen und Flugblatt-Verteilen betreten zu haben. Die Ermittler stützen sich bei ihren Vorwürfen gegen den Verdächtigen auf Bild- und Tonaufzeichnungen aus dem Lokal.

Protokolle der 'Sondermaßnahme vom 4.3.1999, in der Zeit von 20.12.46 bis 20.23.46 Uhr' sollen beweisen, daß O. seinen Dealern für die Teilnahme an der Mahnwache für den erstickten Schubhäftling Marcus Omofuma 'freigegeben' hat. Auszug aus den Vernehmungen: 'Sie (Charles O., Anm.) erwähnten in dieser Passage, von einem Brown gefragt, ob die Schwarzafrikaner an diesem Tag, an dem die Demo stattfinden soll, freihaben, worauf Sie antworteten, daß alle Schwarzafrikaner frei haben und nicht arbeiten müßten. Antwort: Ich habe das allgemein gemeint und war dies nicht auf den Drogenhandel bezogen. Es war reine Propaganda für diese Demo.'

Dadurch sieht sich wiederum der Verteidiger von O. bestätigt: 'Die Aufforderung meines Mandaten war politisch gemeint. Nach meiner Information kann auf jeden Fall nicht darauf geschlossen werden, daß O. mit den Schwarzafrikaner im China-Restaurant in irgendeiner geschäftlichen Beziehung gestanden ist.'

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