Gesundheitspolitik europäisch

Bad Hofgastein (OTS) - Unter dem Motto "Eine bessere Zukunft für Gesundheit in Europa" wird vom 6.-9. Oktober das diesjährige European Health Forum Gastein stattfinden. Das gaben die Veranstalter im salzburgerischen Bad Hofgastein bekannt. Das zum zweiten mal stattfindende Forum ist dabei, zum führenden Treffen europäischer Gesundheitspolitiker zu werden. Das Forum widmet sich in diesem Jahr den sozialen Aspekten der Gesundheitsversorgung und den Auswirkungen neuer Technologien auf das Gesundheitswesen.

An der Veranstaltung, die mit Unterstützung der WHO und der Europäischen Kommission stattfindet, werden mehrere europäische Gesundheitsminister sowie hochrangige Vertreter aus dem Gesundheitsbereich teilnehmen. In den insgesamt sechs Foren geht es um Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, gleichen Zugang zu Leistungen der Gesundheitssysteme, Gesundheitsvorsorge, Informationstechnologien, sowie um Forschung zu seltenen Krankheiten und in der Biomedizin.

"In Europa kann niemand mehr Gesundheitspolitik im nationalen Schneckenhaus machen. Wenn wir den hohen Standard der europäischen Systeme halten wollen, sind wir verstärkt auf Austausch angewiesen. Das Gasteiner Forum bringt gezielt Menschen aus dem Gesundheitsbereich in ganz Europa zusammen. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, um frei von protokollarischen Zwängen die anstehenden Probleme zu diskutieren", sagte der Präsident des Forums, der österreichische Gesundheitspolitiker Dr. Günter Leiner. Die Veranstalter wollen allerdings, daß bei dem Treffen auch Ergebnisse produziert werden. Mit einem "Gasteiner Papier", das auf dem Forum erarbeitet werden soll, wollen sie den europäischen Gesundheitspolitikern Empfehlungen für die Weichenstellungen der kommenden Jahre geben.

Das Gasteiner Forum soll Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und von Nichtregierungsorganisationen, wie etwa Patientengruppen, in einen Dialog über die Herausforderungen an die europäischen Gesundheitssysteme bringen. Im vergangenen Jahr nahmen am Forum rund 230 Fachleute teil. In diesem Jahr wurden verstärkt soziale Gruppen und Gesundheitspolitiker aus Süd- und Osteuropa eingeladen, so daß mit einem wesentlich breiteren Teilnehmerspektrum zu rechnen ist.

Interview mit Dr. Günther Leiner

Abgeordneter zum Nationalrat, Österreich; Präsident des Internationalen Forum Gastein. Gesundheitspolitik ist vorwiegend eine nationale Aufgabe. Welchen Sinn hat dann ein europäisches Forum für Gesundheitspolitik?

Auch Gesundheitspolitik kann man heute nicht mehr einfach im nationalen Schneckenhaus betreiben. Dazu sind mittlerweile die internationalen Verflechtungen der Wirtschaft zu groß. Das gilt im Europa des gemeinsamen Marktes ganz besonders. Nationale Entscheidungen können sich schnell als untragbar erweisen, wenn man die Auswirkungen auf die Nachbarstaaten nicht berücksichtigt. Auf der anderen Seite ist das Gesundheitswesen ein Sektor, in dem die wesentlichen Entscheidungen über Verhandlungen getroffen werden. Deshalb brauchen wir auf europäischer Ebene einen Rahmen, in dem sich sowohl Vertreter der verschiedenen politischen Ebenen, als auch die verschiedenen Interessengruppen im Gesundheitsbereich also Politik, Wissenschaft, Industrie und Nichtregierungsorganisationen austauschen können. Diesen Rahmen will das Forum bieten.

Wollen Sie mit dem Forum eine stärkere Harmonisierung auf europäischer Ebene fördern?

Grundsätzlich glaube ich, daß das Gesundheitswesen am effizientesten auf nationaler, wenn nicht sogar auf regionaler Ebene geregelt wird. Nur so kann man den Anspruch auf Patientennähe wirklich einlösen. Oder soll man Heimpflege nach einheitlichen europäischen Standards organisieren? Es gibt aber Bereiche, in denen europäische Lösungen besser sind. Ein Beispiel ist die Forschung zu seltenen Krankheiten. Wenn hier nicht von allen Mitgliedsstaaten die Kosten der Forschung getragen würden, dann würden in diesem Bereich wahrscheinlich überhaupt keine Behandlungsverfahren entwickelt, weil es für die einzelnen Staaten schlicht zu teuer ist. Überhaupt würde die Forschung sicherlich bessere Ergebnisse erzielen, wenn die europäischen Wissenschaftler besser zusammenarbeiteten. Oder nehmen Sie den Markt für Medikamente. Da kann das EU Wettbewerbsrecht kostentreibende Absprachen zwischen Pharmaherstellern verhindern.

Das läßt sich auf nationaler Ebene nur schwer durchsetzen. Das Forum steht in diesem Jahr unter dem Motto "eine bessere Zukunft für Gesundheit in Europa". Ist das nicht ein sehr hoher Anspruch?

Wir können natürlich nicht alle Fragen auf einmal behandeln. Deshalb haben wir dieses Jahr zwei, wie ich meine zentrale, Probleme ausgewählt, die wir diskutieren wollen. Das sind einmal die sozialen Aspekten des Gesundheitswesens, dazu gehören Qualitätssicherung und der Zugang zu Gesundheitsleistungen für alle sozialen Gruppen, und Vorsorge. Der zweite Schwerpunkt sind die Auswirkungen neuer Technologien, vor allem der Informationstechnologien und der Biotechnologie, auf den Gesundheitssektor. Zu diesen Themenfeldern bieten wir jeweils drei Foren an.

Sie wollen auf dem Forum im Oktober ein "Gasteiner Papier" erarbeiten. An wen wendet sich dieses Papier?

Hier geht es vor allem darum, einen Katalog von Empfehlungen für die europäischen Institutionen, in erster Linie für Kommission und Parlament, aufzustellen. Darin wollen wir anregen, welche Probleme und Themenbereiche unserer Ansicht nach die EU angehen soll und welche Probleme besser auf nationaler Ebene zu lösen sind. Ich denke, daß das Forum aufgrund seines Teilnehmerspektrums in der Lage ist, einen von breiter Basis getragenen Vorschlag vorzulegen. Dr. Günther Leiner (59), Österreich, ist Präsident des Internationalen Forum Gastein. Er ist Internist, Primarius (Chefarzt) am Institut für Rheumatologie, Rehabilitation und Ganzheitsmedizin in Bad Gastein; Abgeordneter zum Nationalrat, Österreichische Volkspartei.

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