Korrektur zu OTS 275 vom 31.5.1999: Anrainer fordern sofortigen Projektstop zum Lainzer Tunnel

"Schluß mit dem Sicherheits-Hasard!"

Wien (OTS) - Im 2. Absatz muß es richtig heißen: ".... auf Straßentunnel beschränkt und Tunnelbauwerke der Bahn ausklammert".

- und im letzten Absatz: "... des kostenexplodierenden Projekts Lainzer Tunnel ..."

korrigierte Fassung:

Verkehr/Bahn/Sicherheit
Anrainer fordern sofortigen Projektstop zum Lainzer Tunnel

Utl.: "Schluß mit dem Sicherheits-Hasard!" =

Wien (OTS) - Das jüngste Flammen- und Giftgasinferno im Tauerntunnel hat uns erneut die ganze Ohnmacht der Rettungsmannschaften gegenüber einer Brandkatastrophe in einröhrigen Tunnel - egal ob Straße oder Schiene - vor Augen geführt. Endgültig widerlegt sind damit auch verharmlosende Prognosen betreffend die Wahrscheinlichkeit derartiger Ereignisse. Denn niemand wird jetzt noch einen Tunnelbrand mit zahlreichen Toten und Schwerverletzten ins Reich der Phantasie verweisen, solange nicht wirklich alles zur Risikominimierung getan ist.

In diesem Zusammenhang fällt auf, daß die jetzt ausgelöste Sicherheitsdebatte sich ausschließlich auf Straßentunnel beschränkt und Tunnelbauwerke der Bahn ausklammert. Will man etwa damit von latenten Sicherheitrisiken im Zugverkehr ablenken, um diverse einröhrig geplante Bahntunnel leichter durchzusetzen? Liefern nicht schwere Zugunfälle - auch im Tunnel - laufend Beweise gravierender Betriebsmängel? Kann man Waggonentgleisungen - siehe Eschede '98 oder den europaweit desolaten Güterfuhrpark! - und ein Flammeninferno im Tunnel praktisch ausschließen, wie uns gewisse Beschwichtigungsexperten immer noch einreden wollen?

Als Paradebeispiel hohen Sicherheitsrisikos ist der von der HL-AG geplante, 15 km lange Lainzer Tunnel ("Wildschweintunnel") zu sehen:
Oft nur wenige Meter unter Wiener Wohngebieten soll er West- und Südbahn (trotz bestehender Verbindungsbahn) miteinander verbinden und darüber hinaus Teil eines insgesamt 29 km langen Tunnels (Weltrekord!) in Richtung St. Pölten werden. Zugkatastrophen und ein Flammeninferno würden sich im Lainzer Tunnel nicht wirklich verhindern lassen, zumal das steuerfinanzierte 16 Mrd.-Projekt entgegen eindringlichen Expertenwarnungen wie folgt geplant ist: ß

  • einröhrig mit zwei Gleisen (Gegenverkehr bei 160 Km/h!)
  • mit zahlreichen Weichengruppen (riskante Überschneidungen)
  • mit Tiefpunkt geländebedingt auf halber Strecke (Hietzing); ein notfalls antriebsloses Ausrollen der Züge ins Freie wäre nicht möglich!
  • ohne parallelen Rettungstunnel (wie etwa beim Semmering), sondern mit engen, bis zu 90 (!) Meter tiefen Stiegenschächten zur Selbst-und Fremdrettung der Fahrgäste, vorgesehen alle 600 Meter.

Erfolglose Rettungseinsätze bei Tunnelbränden lassen für den Lainzer Tunnel den Schluß zu, daß durch enorme Hitze sowie Gift- und Rauchgaswolken Beleuchtung, Belüftungs- und Sicherheitssysteme ausfallen, Selbstrettung nicht zuletzt durch Panik zur Illusion wird und Rettungsmannschaften am Unfallort nicht (rechtzeitig) eintreffen können.

Hinzu kommt, daß infolge deformierter Tunnelwände die Sicherheit oft nur wenige Meter darüber stehender Häuser einschließlich ihrer Einwohner nicht mehr gewährleistet werden könnte. Desgleichen würden die aus den Rettungsschächten herauschießenden Gift- und Rauchgaswolken ganze Wohngebiete gefährden.

Weiß man nun einerseits um diese Sicherheitsrisiken und weitere Probleme des kostenexplodierenden Projekts Lainzer Tunnel (z.B. Trassenführung, Lärm, Erschütterungen, Grundwasserentzug, Setzungsschäden an Häusern), andererseits um bessere Alternativen (z.B. Tieflegung und Eindeckung der bestehenden Verbindungsbahn), dann versteht man die Wut tausender Anrainer auf zuständige Planer und Politiker. Grob fahrlässig - so hört man vielerorts - sei ihr Umgang mit der Sicherheit der Betroffenen und dem Geld der Steuerzahler. Sollten sie auch weiterhin an diesem Wahnsinnsprojekt festhalten, werde man sie gegebenenfalls zur Rechenschaft ziehen. ß

Daher unsere Forderung an die Herren Klima, Einem, Häupl und Görg:
* nicht länger die Interessen der Bauindustrie, sondern die des Volkes zu vertreten;
* einen sofortigen Projektstop zum Lainzer Tunnel anzuordnen;
* endlich Alternativen seriös ausarbeiten und von unabhängigen Experten prüfen zu lassen.

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