Tag der Wirtschaft: Reale Chancen in virtuellen Märkten

Internet, E-commerce und digitale Signatur standen im Mittelpunkt der Diskussion

PWK - "Welche reale Chancen bieten sich Unternehmen, die in virtuelle Märkte einsteigen wollen?" Diese Frage erörteten Josef Öhlinger (Funworld Austria), Gerfried Stocker (Ars Electronica Center), Robert Schischka (Card Solutions) und Franz Manola (ORF-ON) am "Tag der Wirtschaft" im Rahmen eines Workshops. Im Mittelpunkt der Diskussion stand das Internet mit seiner fast unüberschaubaren Fülle an virtuellen "Marktplätzen". Aber auch Themen wie E-commerce und digitale Signatur wurden den Zuhörern transparent gemacht. ****

In einem waren sich die Diskutanten einig: Das Internet, die "Turboversion des Telefons" (Manola) ist bereits heute für viele Branchen eine lebensnotwendige Infrastruktureinrichtung, über deren Sinn und Zweck man in wenigen Jahren nicht mehr diskutieren wird. Der elektronische Marktplatz ist eine große Herausforderung für jedes Unternehmen, das bestehende Marktverhältnisse, Wirtschafts- und Vertriebssysteme radikal verändern wird und zum Teil bereits verändert hat. So haben sich beispielsweise zahlreiche Aktivitäten der Automobilzulieferer durch das Prinzip "Just in time" ins Internet verlagert (Business to Business-Kommunikation). Viele Unternehmer nützen jedoch gerade das World Wide Web lediglich als neue Werbebroschüre, kritisierte Gerfried Stocker vom Ars Electronica Center. Firmen, die sich im Internet gut verkaufen können, werden zwar immer mehr als Lieferanten bevorzugt, genaus wichtig sei jedoch der Aspekt der Logistik. So sind gerade für gewerbliche Kunden ein exklusiver Zugriff auf einen Warenkatalog sowie die Auftragsabwicklung in einem Zug per Mausklick von entscheidender Bedeutung. Stocker warnte die Unternehmer davor, beim Einstieg in E-Commerce allzu sehr auf den globalen Markt zu schielen, sondern sich zunächst auf die angestammten und bekannten Märkte im deutschsprachigen Raum zu konzentrieren. Im Netz gelte es, als Unternehmen wie bei einem richtigen Jahrmarkt zunächst die Attraktion auf sich zu ziehen und langfristig Kunden zu binden. In diesem Zusammenhang wies Robert Schischka darauf hin, daß vor allem veraltete Informationen der "Todesstoß" für jeden weiteren Kundenkontakt sind. Zahlreiche Probleme bei der Datenübermittlung und die nach wie vor unsichere Rechtslage im elektronischen Handel könnten seiner Meinung nach bald durch die digitale Signatur, einer Art elektronischem Personalausweis, gelöst werden. Der entsprechende Gesetzesentwurf liegt bereits vor, das Gesetz könnte ab 1.1.2000 in Kraft treten.

Eine faszinierende Anwendung des Internets präsentierte Josef Öhlinger. Sein Unternehmen, Funworld Austria, stellt öffentlichen Einrichtungen, Gaststätten etc. Spieleterminals zu Verfügung, die über das Internet miteinander vernetzt sind. Der Datenaustausch erfolgt "online" und das Unternehmen gewinnt somit rasch wertvolle Informationen über die Anwender, ihr Profil und ihre Wünsche.

Für Franz Manola von ORF-ON, einem der zehn größten Informationsanbieter in Europa, bietet der Einstieg in das Internet für jeden Unternehmer die große Chance, sich mit seinem Selbstverständnis auseinanderzusetzen und seine Unternehmensstrategie neu zu definieren. In welchem Geschäft befindet man sich tatsächlich? Was soll sich in den Köpfen der Kunden abspielen, wenn sie den Markennamen hören? Erst nach diesem "Moment der Besinnung" kann eine mittelfristige Internet-Strategie auf fruchtbaren Boden fallen.

Die Experten rieten den Unternehmern, sich zunächst viel Zeit für das neue Medium zu nehmen und vor allem auch die Mitarbeiter "mit dem Internet-Virus zu infizieren". Jede Strategie darf sich nicht auf reine Präsenz beschränken, sondern muß auch andere Faktoren wie Logistik, Kundendienst, Bestell- und Rechnungswesen einschließen. Vor allem aber muß das Angebot täglich aktuell sein. Nur dann steigt die Chance, daß die Kunden wiederkommen und der Strom des Interesses nicht abreißt.

Noch herrscht kein wirklich starker Andrang an den virtuellen Kassen. Kaum ein Unternehmen verdient im Internet. Technisch gesehen sind die Voraussetzungen in Österreich jedoch besser denn je. In knapp der Hälfte aller Haushalte steht mindestens ein PC, 220.000 Haushalte können bereits via Modem (Grundvoraussetzung für den Einstieg ins Internet) in die unendlichen Weiten des Internet-Universums eintauchen. Viele haben auch im Büro Zugang zum Internet, so daß sich etwa 1,5 Mio Österreicher rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr ins Netz der Netze einloggen können. Das spart Zeit und ist auch laut Market-Institut eines der größten Vorteile von "E-Commerce". Weitere Faktoren sind der bequeme Zugang, eine bedeutend größere Auswahl und der preiswerte, stressfreie Einkauf. Die Schattenseite des Einkaufs per Mausklick orten die Konsumenten hauptsächlich im Datenschutz.
(Schluß) MH

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