Ärzte ohne Grenzen - die ersten die kommen, die letzten die gehen Ärzte ohne Grenzen Österreich zieht Bilanz über den Kosovo-Einsatz und das Jahr 1998

Wien (OTS) - Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen war die letzte, die den Kosovo verließ, als schon die Bomben fielen - und eine der ersten, um die Flüchtlinge zu betreuen.

Heute, 70 Tage nach Kriegsbeginn im Kosovo zieht Ärzte ohne Grenzen bei der ersten Pressekonferenz in Österreich Bilanz: 540 Mitarbeiter sind derzeit in Mazedonien, Montenegro und Albanien im Einsatz. Sie bauen und betreiben ganze Flüchtlingslager, leiten Krankenstationen, sorgen für Wasser- und Sanitätsversorgung und starten psychologische Programme zur Aufarbeitung der Kriegstraumata. Mit nur 70 Millionen Schilling konnte bisher über 100.000 Flüchtlingen geholfen werden.

Vor wenigen Tagen kamen die ersten zwei Östereicher von ihrem Kosovo-Einsatz zurück. Der Wiener Arzt Dr. Robert Mosser hat u.a. in Cegrane, dem größten Flüchtlingslager überhaupt mit derzeit 45.000 Flüchtlingen gearbeitet. Er berichtet "Wir haben täglich bis zu 1000 Konsultationen in unserer Krankenstation durchgeführt - nur mit dem Stethoskop, einigen Medikamenten, ohne jegliche diagnostische Hilfsmittel. Und das Erstaunliche daran: Man braucht sie gar nicht, man braucht keine hochtechnisierten Spitäler, sondern beim Großteil der Fälle reicht das aus was wir haben. Es ist eine hochsensible, hochspezifische Medizin, die wir in den Flüchtlingslagern praktizieren."

Die häufigsten Diagnosen waren Atemwegserkrankungen, Durchfälle, chronische Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes und psychische Auswirkungen wie Schlafstörungen, Angstzustände, Flashbacks (das Wiedererleben der traumatischen Ereignisse) und bei Kindern Bettnässen.

Corinne Grafl, Krankenschwester mit Ärzte ohne Grenzen im Flüchtlingslager Brazda /Mazedonien war am "Mental Health Programm", dem psychologischen Aufbauprogramm von Ärzte ohne Grenzen beteiligt. "Wir schulen lokales Personal in der psychologischen Betreuung der Menschen ein und führen mit den Flüchtlingen Gesprächstherapien durch. Bei Kindern ist es schwieriger. Da arbeiten wir sehr viel mit Zeichnungen, die sie allein oder auch mit ihren Eltern gemeinsam machen. Dadurch können sie die Traumata ventilieren und besser verarbeiten. Die Ergebnisse dieser Maltherapie sind alle gleich:
zerbombte und brennende Häuser, Panzer und Gewehre, und überall Blut", so Corinne Grafl, selber Mutter von zwei Kindern.

Der Kosovo-Einsatz war bisher einer der größten von Ärzte ohne Grenzen in der 28jährigen Geschichte der Organisation. Dr. Clemens Vlasich, Obmann von Ärzte ohne Grenzen Österreich zieht über die Entwicklung im Jahr 1998 Bilanz: "Wir haben über 400 Hilfseinsätze durchgeführt - manche kurze aber intensive Noteinsätze wie nach dem Hurrikan Mitch in Zentralamerika, aber auch viele Langzeitprojekte wie die Tuberkulose-Bekämpfung in Kasachstan oder AIDS-Prävention in Thailand.

Auch in Österreich steigt der Bekanntheitsgrad und das Interesse an der Organisation rapide an. "Im Jahr 1998 waren 22 mal Österreicher mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz, heuer ist diese Zahl bereits Ende Mai erreicht. Und das, obwohl die Ärzte, Krankenschwestern und Logistiker nur eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten", so Dr. Vlasich. "Unser Prinzip ist, daß die Mitarbeiter einen Teil ihrer Zeit und ihrer teuren Ausbildung für Völker in Not zur Verfügung stellen. Es ist schön zu sehen, daß auch in Österreich dieser Gedanke immer mehr Interesse findet."

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