71.000 Arbeitslose WienerInnen sind um 71.000 zu viel

Häupl, Tumpel und Csörgits verlangen Umsetzung der Beschäftigungsprojekte

Wien (FSG). Bei der Diskussionsrunde "Beschäftigungsprojekte umsetzen" mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl, AK-Präsident Herbert Tumpel und Renate Csörgits von den GPA-Frauen bei der Wiener Landeskonferenz der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) im
ÖGB, sagte Häupl, "dass 71.000 arbeitslose WienerInnen genau um 71.000 zu viel sind."++++

"Es mag altmodisch sein, aber in dieser Frage bin ich gerne altmodisch", sagte Wiens Bürgermeister Dr. Häupl, als er meinte, dass 71.000 arbeitslose WienerInnen genau um 71.000 zu viel sind, "denn wir machen uns um jeden einzelnen Arbeitslosen Sorgen".
Daher wurde der Nationale Aktionsplan für Beschäftigung entwickelt, der eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit entsprechenden Strukturmaßnahmen beinhaltet, sagte Häupl. Dazu gehören die Aktivitäten des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF) ebenso wie technologiepolitische Maßnahmen und der Ausbau der Infrastruktur. Häupl: "Der derzeitige Zustand unseres Straßen- und Schienennetzes ist für den Standort Wien schädigend. Der Ausbau der Straßen, Schienen und der Eisenbahn ist dringend notwendig -der Wiener Raum und der Osten Österreichs müssen raschest infrastrukturmäßig ausgebaut werden." Der Wiener Bürgermeister forderte auch eine verstärkte Offensive bei der Qualifikation und Weiterbildung. Häupl: "Auch für die Qualifikation muss ähnliches wie für die Lehrlinge gelten: Die nichts dafür tun, müssen dafür bezahlen."

Zum WAFF merkte Häupl an, dass es schön wäre, wenn er ein "Auslaufmodell" wäre, "denn dann hätten wir keine Arbeitslosen". Der WAFF werde noch effizienter arbeiten und neue Projekte im "Non-Profit-Bereich" verstärken. "Ich bin froh, dass es den WAFF gibt, der in den vergangenen vier Jahren 15.000 Menschen betreut
und damit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geleistet hat", sagte Häupl abschließend.

Tumpel: "Viel versprochen - wenig gehalten"

AK-Präsident Mag. Herbert Tumpel sagte, dass sich AK und ÖGB zu einer gemeinsamen Währung der EU bekannt haben, gleichzeitig aber auch Beschäftigungsprogramme gefordert haben. "Wir haben beim NAP Druck gemacht und unsere Zielsetzungen durchgesetzt", sagte
Tumpel. Die Stadt Wien habe Bereitschaft zur Jugendausbildung und zum Beschäftigungsplan gezeigt, er, Tumpel, wünsche sich, dass, wie in Wien, auch auf Bundesebene - und zwar in allen Ministerien
- die gleiche Bereitschaft gezeigt werde. Zur Lehrlingsausbildung sagte der AK-Präsident, dass Wien dringend FacharbeiterInnen benötige, dass die Wirtschaftskammer zwar viel versprochen, aber wenig gehalten habe und erinnerte an die Erhöhung des Investitionsbetrages für Lehrlinge von 20.000 auf 60.000 S. Tumpel abschließend: "Das Wasser ist bereitgestellt, trinken müssen sie es aber selbst."

Renate Csörgits von den GPA-Frauen, die beim kommenden Frauen-Bundeskongress die Nachfolge von Irmgard Schmidleithner als ÖGB-Frauenvorsitzende antreten wird, zeigte sich über die seit 1997 wieder negativ verlaufende Einkommenskurve zwischen Frauen und Männern besorgt. Bei Angestellten betrage der Unterschied bis zu 14.200 S, bei Arbeiterinnen 8.900 S. Csörgits kritisierte auch die Überstunden, die Frauen wesentlich weniger leisten können als Männer. "Wenn viele Menschen ohne Arbeit dastehen, stellt sich überhaupt die Frage, ob wir uns diese vielen Überstunden noch leisten können", sagte Csörgits. Einen Kinderbetreuungsscheck lehnte sie strikt ab - dies würde bedeuten "zurück an den Herd", vielmehr seien familienergänzende Einrichtungen notwendig, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Neben gleichem Lohn für gleiche Arbeit forderte Csörgits, dass die Familienpflicht nicht nur Aufgabe der Frauen sein dürfe und dass Frauen verstärkt in den Gremien der Gewerkschaften,
Arbeiterkammern und Parteien vertreten sein müssen. (ew)

FSG, 31. Mai 1999

Nr. 35

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