Verzetnitsch: Fünf Punkte für mehr Arbeitsplätze

Absage an niederländisches "Beschäftigungswunder"

Wien (FSG). Ein "Fünf-Punkte-Programm" für mehr Arbeitsplätze in Europa in Anlehnung an die fünf Kriterien zur Einführung des Euro präsendierte ÖGB und EGB Präsident Fritz Verzetnitsch heute, Montag, bei der Wiener Landeskonferenz der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen im ÖGB (FSG). Verzetnitsch: "Wenn die fünf Euro-Kriterien schon als Erfolgsgeschichte verkauft werden, dann kann es nur recht sein,
das auch für mehr Arbeitsplätze zu versuchen". ++++

Für Verzetnitsch gibt es niemanden, der die Staats- und Regierungschefs beim kommenden EU-Gipfel in Köln daran hindert, "die Erfolgsgeschichte des Euro im Bereich der Arbeitsplätze zu wiederholen". Der EGB-präsident kündigte an, dieses Programm beim Treffen der EU-Troika mit den Sozialpartnern kommenden Mittwoch
"auf den Tisch zu legen".

Das Programm:
o Berufsinformation und Jobbörse
Es muss ständig über die Berufsentwicklung informiert werden. Die neuen Technologien dürfen nicht dazu führen, dass einerseits über die Schaffung neuer Arbeitsplätze gejubelt werde, gleichzeitig in anderen Bereichen mehr Arbeitsplätze verloren gehen.

o Aus- und Weiterbildung
Mehr und sichere Arbeitsplätze gibt es vor allem auch dann, wenn
es eine fundierte Aus- und Weiterbildung gibt. In Österreich würden ohne das von Gewerkschaft und Arbeiterkammer durchgesetzte Auffangnetz für Jugendliche rund 10.000 junge Menschen auf der Straße stehen. Die Unternehmer fordern zwar ständig qualifizierte Arbeitskräfte, wollen aber in die Aus- und Weiterbildung nichts investieren.

o Beschäftigung allgemein
Als guter Manager gilt heute der, welcher möglichst viele Arbeitsplätze abbaut. Dieser Trend muss umgekehrt werden.

o Soziale Rahmenbedingungen
Keine Deregulierung im Bereich des Sozial- und Arbeitsrechtes. Unternehmer wollen beispielsweise den Urlaub verkürzen oder für den ersten Krankenstandstag keine Lohnfortzahlung leisten. Manager großer Konzerne kündigen an, sich eine Lohnerhöhung für die Beschäftigten von drei Prozent nicht "leisten zu können" und erhöhen sich ihr Gehalt gleichzeitig auf mehr als das Doppelte.

o Einkommen, mit denen man sich auch was leisten kann
Um die Kaufkraft der ArbeitnehmerInnen zu erhalten, muss es Einkommen geben, mit denen man sich auch was leisten kann. Verzetnitsch: "Mit Lohnzurückhaltung können wir die Zukunft nicht meistern".

Eine klare Absage erteilte er dem niederländischen Beschäftigungsmodell. Verzetnitsch: "Das niederländische ‘Beschäftigungswunder’ hat zu einer Teilzeitgesellschaft geführt. Gleichzeitig finden sich die Hälfte der über 50-jährigen nicht mehr am Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist die Vollzeitbeschäftigung. Teilzeit ist zwar manchmal erwünscht, doch nur mit einer gleichwertigen sozialen Absicherung. Vor allem Frauen werden in
die Teilzeit gezwungen."(ff)

FSG, 31. Mai 1999 Nr. 34

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