Kranke Blutgefäße: Venenerkrankungen und "Schaufensterkrankheit" 1

Allein bis zu 600.000 Menschen in Österreich leiden an der peripheren Verschlußkrankheit - Moderne Diagnostik verhilft zu besserer Therapie

Wien (OTS) - Venen und Arterien - vor allem in den Beinen - als "Schauplatz" echter Massenerkrankungen: 40 Prozent der 30 bis 70jährigen haben Krampfadern, 15 Prozent leiden an einer ausgeprägten sogenannten Varikose. Bis zu 600.000 Österreicher haben eine periphere arterielle Verschlußkrankheit (Verengungen vor allem der Beinarterien, Anm.), bis zu 200.000 davon leiden unter Symptomen. Das stellte Univ. Prof. Dr. Johannes Lammer von der Wiener Universitätsklinik für Radiodiagnostik aus Anlaß der Ärztetage in Grado (30. Mai bis 5. Juni) fest.

Allein die chronische Funktionsstörung der Beinvenen - die chronische venöse Insuffizienz - kostet laut Berechnungen von Gesundheitsökonomen 1,5 bis zwei Prozent des Gesundheitsbudgets. Am Ende der Probleme steht das Beingeschwür (Ulcus cruris), vor allem ein schwerwiegendes, lästiges und in der Versorgung aufwendiges Problem betagter Menschen: bis zu ein Prozent der 60jährigen leiden darunter, bei den 60 bis 70jährigen sind es schon bis zu zehn Prozent, ab dem 75. Lebensjahr gar schon bis zu 20 Prozent.

Atherosklerose der Beinarterien

Quälend schmerzhaft, die Mobilität des Betroffenen zum Teil drastisch beeinflussend und im Grunde als Symptom einer ausgedehnten Atherosklerose buchstäblich lebensgefährlich ist die arterielle periphere Verschlußkrankheit, bei der sich die Verengung einer Arterie eben nicht primär bei einer Koronararterie (Angina pectoris, Infarkt) oder beispielsweise an den Halsschlagadern (Schlaganfall) äußert, sondern die Beinarterien betrifft.

Lammer über das mitunter tödliche Risiko: "Patienten mit den Symptomen einer peripheren arteriellen Verschlußkrankheit haben eine um zehn Jahre verringerte Lebenserwartung." Während 72 Prozent der Todesfälle unter diesen Personen auf Herz-Kreislauferkrankungen inklusive Schlaganfall zurückzuführen sind, liegt diese Gefährdung bei über 40jährigen ohne solche Symptome mit 52 Prozent wesentlich darunter.

Paradebeispiel für diese Leiden ist die "Claudicatio intermittens", also die durch Verengungen der Beinarterien und durch den Sauerstoffmangel bei körperlicher Belastung (Gehen) hervorgerufenen Schmerzzustände. Wer von "Schaufenster zu Schaufenster" geht, stoppt, wieder geht, dem Schmerz nicht "entgehen" kann, wenn er beispielsweise nur 200 Meter zurücklegen will, der ist sozusagen der "klassische" Patient.

Risikofaktoren

Die Risikofaktoren sind klar, genauso klar wie bei der Verkalkung der Herzkranzgefäße: Rauchen, Bluthochdruck, Cholesterin, Übergewicht, Diabetes. Die Beseitigung der Lebensstilfaktoren wie Nikotin etc. kann schon eine Besserung bringen. Hinzu kommt ein Belastungs- und Bewegungstraining.

Doch sowohl durch moderne Operationsverfahren (Bypass, also das Anlegen eines "neuen" Gefäßes) als auch durch die Methoden der interventionellen Angiologie haben sich in den vergangenen Jahren die Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten deutlich verbessert. Lammer: "Bei kürzeren Verengungen einer Arterie wird zunehmend ein Ballonkatheter zur Aufdehnung verwendet." Ist die verengte Gefäßstrecke aber länger als zehn Zentimeter, bietet die Operation die besseren Möglichkeiten.

Hinzu kommt - immer häufiger und genau wie in der interventionellen Kadiologie - die Implantierung von Drahtnetz-Röhren (Stents), die nach dem Eingriff das betroffene Gefäß langfristig offen halten. Bei der Verhinderung der Bildung von Blutgerinnseln kommen die Acetylsalicylsäure (ASS) sowie auch neuere Substanzen, die einen etwas anderen Wirkungsmechanismus haben (z.B. Clopidogrel) neben anderen Medikamenten zum Einsatz.

Neue Diagnosemethode

Ein Durchbruch kündigt sich bei der Diagnose solcher Erkrankungen an. Bisher war für die bildliche Darstellung der betroffenen Arterien eine Angiographie notwendig. Dabei mußte über einen Zugang zur Beinarterie in der Leistengegend eine vergleichsweise große Menge Kontrastmittel gespritzt werden, dann erfolgte die Untersuchung per Röntgen. Insgesamt war damit der Patient rund zwei Tage "außer Gefecht" gesetzt.

Völlig ohne Röntgenstrahlen, bloß mit der Injektion einer kleinen Menge Kontrastmittel und einem Zeitaufwand von weniger als einer Stunde verbunden ist eine Bilddarstellung der Gefäße des gesamtes Beines per - auch am Wiener AKH - entwickelter Magnetresonanz-Angiographie. Dabei werden alle Blutgefäße unterhalb der Körperhauptschlagader in einem Untersuchungsgang abgebildet.

Lammer: "Diese Methode bedeutet einen wesentlichen Fortschritt. Sie birgt auch ein geringeres Risiko für die Patienten in sich." - Im Vergleich zur herkömmlichen Angiographie (Röntgen) reduzieren sich auch die Kosten von 15.000 bis 17.000 Schilling pro Untersuchung auf weniger als 10.000 Schilling. (Fortsetzung)

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