Mumaßlicher Boß des Drogenringes war afrikanischer Intellektueller und Dichter

Neuestes Buch von Charles O. sollte am 7. Juni im Parlament präsentiert werden. - Bruder bezweifelt Verwicklung in Drogengeschäfte: "Er sitzt wegen seiner politischen Aktivitäten für Marcus Omofuma im Gefängnis."

Wien (OTS) - Knalleffekt nach der Aushebung jenes Drogenringes,
den die Polizei vergangene Woche im Rahmen der 'Operation Spring' sprengte: Wie das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, war der mutmaßliche Kopf der Bande ein bekannter afrikanischer Intellektueller und Schriftsteller.

Charles O. - nach Angaben der Exekutive der 'Sir' einer über hundert Dealer umfassenden Operation - lebt seit 1993 in Österreich. In dieser Zeit hat er mehrere Bücher verfaßt. Eines davon, der Gedichtband 'The Mind's Eye', wurde von der 'Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit', die im Außenministerium angesiedelt ist, gesponsert und sollte am 7. Juni im Parlament präsentiert werden. Gegenwärtig arbeitete er an einem Roman mit dem Titel 'The Faceless Mystery'.

Der 39jährige Mann, der ein Künstlervisum besitzt, hielt Vorträge vor der UNIDO, trat als Schauspieler im Wiener 'Künstlerhaus' und im 'Theater des Augenblicks' auf.

Gleichzeitig saß er im Vorstand der Kleinpartei 'Die Bunten' und engagierte sich für Menschrechtsangelegenheiten. Bei der Mahnwache für den erstickten Schubhäftling Marcus Omofuma vor den Innenministerium stand Charles O. in der ersten Reihe, bei der Nationalsrats-Sondersitzung zum Fall Omofuma saß er mit verklebten Mund auf der Zuschauergalerie des Parlaments, um gegen die Knebelmethoden bei Schubtransporten zu demonstrieren.

Sollte Charles O. tatsächlich der Kopf des Drogenrings sein, dann hat er sich in seinen Wiener Jahren eine perfekte Doppelexistenz aufgebaut. Die Mitglieder jener Vereine, in denen er tätig war, haben nie etwas Verdächtiges an ihm bemerkt. O. trug keinen Reichtum zur Schau. Im Gegenteil: Der Mann war für seine notorische Geldnot bekannt. 'Er konnte sich nicht einmal die Telefonwertkarten leisten', erinnert sich ein Bekannter. Dem Verleger Helmuth A. Niederle, dem O. für eine Anthologie über afrikanische Migranten ein Gedicht anbot, wollte er nicht einmal seine Telefonnummer verraten. Niederle: 'Ich hätte nicht vermutet, daß er etwas mit Drogen zu tun hat. Er war ein schräger Vogel, aber absolut liebenswert.'

Okiki O. (Vorname von der Redaktion geändert), der Bruder des verdächtigen Dichters Charles O., kann sich die Anschuldigungen im Interview mit FORMAT nicht erklären: "Wenn er ein Drogenboß wäre, hätte er eine eigene Wohnung und mußten nicht jeden Tag dieselbe Hose tragen. Ich glaube, daß Charles wegen seiner politischen Aktivitäten für Marcus Omofuma im Gefängnis sitzt. Das ist typisch für ihn, er drängt sich ins Rampenlicht, und ist überall dabei. Ich habe ihn gewarnt, zu sehr aufzufallen."

In einem Interview hatte sich O. Mitte Februar gegen die Unterstellung gewehrt, alle Schwarzafrikaner würden mit Suchtgift handeln: 'Um glaubhaft als Drogendealer zu erscheinen, müßte ich bei meiner Hautfarbe gar nichts mehr tun, das hat die Kronen Zeitung schon für mich gemacht', sagte er damals dem 'Standard' gegenüber.

Das Innenministerium ist sich jedoch sicher: Charles O. soll die Aktivitäten des Drogenrings von seinem Wertkartenhandy aus dirigiert haben. Der Wiener Anwalt Andreas Fehringer, der O. vertreten wird, bestätigt, daß Charles O. von den ermittelnden Behörden die Leitung des Drogensrings vorgeworfen wird: 'Im wesentlichen wird ihm vorgeworfen, der Kopf der Organisation gewesen zu sein und nicht mit Drogen gehandelt, sondern den Verkauf koordiniert zu haben." Nach dem Strafrecht haftet ein 'Bandenboß' für die insgesamt umgesetzte Rauschgiftmenge. O. droht im Höchstfall eine 15jährige Haftstrafe.

In einem seiner Gedichte hatte der mutmaßliche Drogenboß dem Land Österreich und der Stadt Wien ein Loblied gesungen. Auszug:'Touristenland, Du erfreust Dich höchster Sicherheit und ganz geringer Kriminalität '

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