Generalversammlung der Oesterreichischen Nationalbank

Wien (OTS) - Anläßlich der heutigen Generalversammlung der Oesterreichischen Nationalbank erörterte Präsident Adolf Wala die wichtigsten Ergebnisse des Jahresabschlusses.

Die Erfolgsrechnung 1998 erbrachte ein geschäftliches Ergebnis von 19,2 Mrd S (1,4 Mrd Euro). Daraus errechnet sich die 34%ige Körperschaftssteuer im Ausmaß von 6,5 Mrd S (474 Mio Euro). Der satzungsgemäße Gewinnanteil des Bundes in der Höhe von 90% des versteuerten Ergebnisses beträgt 10,3 Mrd S (746 Mio Euro). Unter Berücksichtigung der Körperschaftssteuer und der Dividende erhält der Bund einen Anteil am Geschäftsergebnis von 16,8 Mrd S
(1,2 Mrd Euro; 1997: 18,5 Mrd S, d.s. 1,3 Mrd Euro). Die Bank
konnte damit im Jahr 1998 - trotz des gesunkenen Zinsniveaus - das zweithöchste Ergebnis ihrer Geschichte erreichen. Von ihrem verbleibenden Gewinnanteil stellt die OeNB der Forschungsförderung Mittel zur Verfügung, davon allein 700 Mio S (51 Mio Euro) für die Förderung wirtschaftsnaher Forschungsprojekte.

Die OeNB hat ihren Weg zu einem modernen Dienstleistungs-unternehmen fortgesetzt. Mit der Ausgliederung der Druckerei für Wertpapiere in ein selbständiges Unternehmen steht im Bereich der Zahlungsmittelproduktion eine effiziente Organisationsstruktur zur Verfügung, mit der die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewährung im internationalen Wettbewerb geschaffen wurde.

Der Präsident betonte, daß die österreichische Wirtschaftspolitik mit einem Wirtschaftswachstum, das deutlich
über dem des Eurowährungsgebiets lag, der niedrigsten Inflationsrate seit 1955 und einer im internationalen Vergleich
nach wie vor niedrigen Arbeitslosenquote die beste Erfolgsbilanz seit Jahren verzeichnete. Die im Stabilitätsprogramm für 1998 angestrebten Budgetziele für Defizit und Verschuldung der öffentlichen Haushalte konnten - nicht zuletzt aufgrund der guten Konjunkturlage - erreicht werden. Die Verpflichtungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes erfordern aber in den kommenden Jahren vermehrte Konsolidierungsbemühungen, vor allem auch im Interesse eines ausreichenden konjunkturpolitischen Spielraumes.

Aus währungspolitischer Sicht stand das Jahr 1998 ganz im Zeichen der Vorbereitungen auf die Teilnahme am ESZB, die mit der reibungslosen Euro-Umstellung erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die OeNB zählte dabei zu den effizientesten Notenbanken
des Eurowährungsgebiets. Mit der Einführung des Euro war ein Wendepunkt in der österreichischen Währungspolitik verbunden. Der Präsident unterstrich jedoch, daß die Stabilitätspolitik ihre logische Fortsetzung im fest am Stabilitätsziel orientierten ESZB findet.

Nach dem gelungenen Start - hob der Präsident hervor - steht
die Währungsunion erst vor ihrer großen Herausforderung, nämlich ein effizientes und konsistentes Zusammenspiel zwischen einheitlicher Geldpolitik und nationaler Wirtschaftspolitik zu erreichen. Dabei werden vor allem eine produktivitätsorientierte Lohnpolitik gefragt und die Fortsetzung der Konsolidierungsbemühungen im Staatshaushalt erforderlich sein.

Abschließend wies der Präsident darauf hin, daß mit der heutigen Generalversammlung das Mandat von Herrn Generalrat

Dr.Norbert Beinkofer abgelaufen ist. An seiner Stelle hat die Generalversammlung einstimmig Herrn Vizepräsident Generaldirektor Dkfm. R. Engelbert Wenckheim für eine Funktionsperiode von fünf Jahren zum Mitglied des Generalrates gewählt.

Gouverneur Dr. Liebscher betonte, daß nach dem erfolgreichen Start der Währungsunion und nach der jüngsten Zinssenkung des EZB-Rates am 8. April 1999 nun die in nationaler Autonomie verbliebene Wirtschaftspolitik dafür Sorge tragen müsse, daß der Euroraum sein wirtschaftliches Potential im internationalen Wettbewerb entsprechend nutzen kann. Dazu gehören u.a. ein entschlossenes Festhalten am Stabilitäts- und Wachstumspakt, eine wettbewerbsorientierte Strukturpolitik, insbesondere im Bereich
der Arbeitsmärkte, und eine produktivitätsorientierte Einkommenspolitik.

Die seit Jahresbeginn zu beobachtende Wechselkursentwicklung
des Euro, insbesondere im Verhältnis zum US-Dollar, sei geldpolitisch nicht besorgniserregend und solle nicht dramatisiert werden. Es gibt jedoch im Rahmen einer preisstabilitäts-orientierten Geldpolitik auch für den Wechselkurs des Euro - so
wie für jeden anderen geldpolitischen Indikator - einen wirtschaftspolitisch tolerierbaren Bewegungsspielraum.

Der Euro stehe nun, so der Gouverneur, vor historischen Herausforderungen, Identitätsstifter und stabiler Anker für das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Europa zu
werden, als wichtiger Impulsgeber und Katalysator für ein anpassungs- und wettbewerbsfähiges Europa zu fungieren und sich langfristig zu einer dem US-Dollar vergleichbaren Weltwährung zu entwickeln.

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