Wiener Drogenkonzept 1999 mit Schwerpunkt Prävention

Rieder und Laska: "Setzen auf Prävention und Zusammenarbeit"

Wien, (OTS) Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder, Vizebürgermeisterin Grete Laska und Gemeinderat Gerhard Pfeiffer präsentierten am Donnerstag das neue Wiener Drogenkonzept 1999.
Die Schwerpunkte des neuen Konzeptes liegen bei Maßnahmen gegen
den Mißbrauch von Designerdrogen, verstärkter Präventionsarbeit -vor allem mit Lehrlingen - sowie der Qualitätssicherung bei den schon bisher erfolgreich durchgeführten Aktivitäten. Ein neuer Schwerpunkt wird auf die Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und Suchterkrankung gelegt. Im Rahmen des Projektes "Fix & Fertig" werden zusätzliche Arbeitsplätze für Drogenkranke geschaffen. Ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Hepatitis bei Suchtkranken läuft an.

Nach dem ersten Wiener Drogenkonzept aus dem Jahr 1992 war im Jahr 1997 eine Aktualisierung aufgrund geänderter
Rahmenbedingungen (z. B. neu auftretende Probleme wie Exctasy-Konsum) notwendig geworden. Das Wiener Drogenkonzept 1999 legt die Ziele und Handlungsfelder der Wiener Drogenpolitik für die nächsten Jahre fest.****

An der Präsentation des Wiener Drogenkonzeptes 1999 nahmen weiters der Wiener Drogenbeauftragte, Dr. Alexander David, und der Wiener Drogenkoordinator, Peter Hacker, teil.

"Mit dem neuen Wiener Drogenkonzept setzen wir den erfolgreichen Wiener Weg in der Drogenarbeit fort", betonte Rieder im Rahmen des Mediengespräches. "In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die Drogensituation in Wien zu stabilisieren und die Qualität der Betreuung für Drogenkranke zu steigern. Jetzt reagieren wir auf neue Herausforderungen wie den verstärkten Einsatz von Designerdrogen und setzen auch neue Initiativen im Bereich der Prävention und Qualitätssicherung."

Präventionsprojekt mit Lehrlingen - Kooperation mit großem österreichischem Unternehmen

Eine der ersten Maßnahmen wird ein Präventionsprojekt sein, das gemeinsam mit einem großen österreichischen Unternehmen ab dem Herbst 1999 durchgeführt werden wird. Dabei werden Expertinnen und Experten der Informationsstelle für Suchtprävention – ISP in diesem Betrieb eingesetzt, um Lehrlinge für das Thema Sucht im allgemeinen und Sucht am Arbeitsplatz im speziellen zu sensibilisieren. Dabei wird nicht nur der Mißbrauch von illegalen Drogen, sondern auch von legalen Substanzen wie Alkohol oder Medikamenten im Mittelpunkt stehen.

Ein weiteres Präventionsprojekt ist die Initiative "Eltern von Volksschulkindern". Aufbauend auf den Erfahrungen des Präventionsprojektes "Der spielzeugfreie Kindergarten" und eines Projektes für Volksschulen stehen dabei die Eltern von
Schulkindern im Mittelpunkt. Diese sollen zur Entstehung und zu
den Hintergründen der Suchtproblematik sensibilisiert werden, mögliche Gegenstrategien werden aufgezeigt.

Ausbau des Arbeitsprojektes "Fix & Fertig"

Das Arbeitsangebot für Drogenkranke der offenen Szene im Rahmen des Projektes "Fix & Fertig" wird ausgebaut. Die derzeitige Kapazität von 25 Arbeitsplätzen wird ab dem Sommer durch zusätzliche Förderung aus dem nationalen Beschäftigungsplan um über 30 Prozent erweitert. Die Drogenkranken arbeiten dabei in verschiedenen Projekten (Versand, Renovierung, etc.). Die Reintegration in den Arbeitsprozeß und somit in ein geregeltes Leben ohne Drogen wird damit gefördert.

Rieder: "Demaskierung von Designerdrogen" - Einrichtung einer Beratungsstelle

Ein weiterer Schwerpunkt des neuen Wiener Drogenkonzeptes
sind die Maßnahmen gegen den in den letzten Jahren verstärkt registrierten Gebrauch von Designerdrogen wie Ecstasy. Da sich die Konsumenten dieser Drogen in der Regel nicht als Drogenkonsumenten verstehen und sozial unauffällig leben, sind neue Strategien und Maßnahmen notwendig.

Eine der Maßnahmen ist die Einrichtung einer Beratungsstelle zu Designerdrogen. Dort können Betroffen oder Angehörige allgemeine Informationen erhalten und im Bedarfsfall zu Betreuungseinrichtungen vermittelt werden.

Maßnahmenpaket Hepatitis

Hepatitis stellt die häufigste Folgeerkrankung bei
Konsumenten von harten Drogen dar. Mit mehr Aufklärung und Bewußtseinsschaffung unter den Drogenkonsumenten, dem Angebot der Impfung und der langfristigen Behandlung von bereits erkrankten Personen wird dem Problem Hepatitis begegnet.

Grundsätze der Wiener Drogenpolitik

Die Wiener Drogenpolitik versteht sich als integrierte Drogenpolitik. Das bedeutet, daß Suchtkranke vor
gesellschaftlicher Ausgrenzung geschützt werden. Kranke werden im Rahmen der sozialen und medizinischen Angebote der Stadt Wien behandelt und betreut. Der Grundsatz "Therapie statt Strafe" ist wesentliches Element. Kranke werden betreut, der Handel von Drogen wird verfolgt. Entscheidend für den Erfolg der Wiener Drogenarbeit der letzten Jahre ist auch, daß diese Grundsätze konsequent umgesetzt wurden.

Die vier grundsätzlichen Handlungsbereiche der Wiener Drogenpolitik sind

o Prävention
o Gesundheitsbezogene Maßnahmen
o Soziale Maßnahmen
o Sicherheit

Die 7 Ziele des Wiener Drogenkonzeptes

Oberstes Ziel des Wiener Drogenkonzeptes ist es, daß so
wenige Menschen wie möglich Drogen konsumieren und daß jene, die nicht davon abzuhalten sind, so wenig Schaden wie möglich nehmen.

Im Wiener Drogenkonzept wurden 7 Ziele festgeschrieben:

o Gesundheit fördern – Suchtentwicklung verhindern
o Suchtgefahren früh erkennen – rechtzeitig intervenieren
o Kranke behandeln – Schaden begrenzen
o Hilfe und Beratung – angstfreies Klima für Konsumenten schaffen o Beratung – Behandlung – Betreuung vernetzen
o Soziale Integration und Rehabilitation fördern
o Sicherheit gewährleisten

Strukturänderung in der Drogenarbeit

Da die Drogenszene von sehr schnellen Änderungen geprägt ist, sind sowohl eine enge Vernetzung als auch eine gut funktionierende Zusammenarbeit unbedingt notwendig. Die Strukturen der kommenden Jahre müssen rasche Reaktionen auf neue Problemstellungen ermöglichen. Die Beratungen der Wiener Drogenkommission haben in einigen Bereichen der Information, der Prävention und auch der Behandlung und Betreuung strukturelle Probleme aufgezeigt. Diese sollen durch eine Verbesserung des Managements und eine
strukturelle Umgestaltung der Wiener Drogenkoordination gelöst werden.

Entstehung des neuen Wiener Drogenkonzeptes

Das neue Wiener Drogenkonzept 1999 wurde auf der Grundlage
der Beratungen der Wiener Drogenkommission, die auf Beschluß des Wiener Gemeinderates vom 24. April 1997 eingesetzt wurde,
erstellt. 92 Experten und Delegierte aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen diskutierten in 13 Sitzungen Strategien
gegen jene individuellen und gesellschaftlichen Probleme, die
durch den Konsum und die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen und Suchtmitteln entstehen. Das Wiener Drogenkonzept 1999 ist eine Fortsetzung des 1992 beschlossenen ersten Wiener Drogenkonzeptes.

Situation in der Wiener Drogenszene

o Zur Zeit gibt es in Wien etwa 5.000 – 6.000 akut Opiatabhängige,

die in der Regel politoxikomanes Suchtverhalten haben (Mißbrauch von Opiaten, Kokain in Kombination mit Alkohol, Medikamenten
oder anderen psychotropen Substanzen)

o Etwa 2.400 Patienten standen zum Jahreswechsel 1998/1999 in

Substitutionsbehandlung (70 Prozent davon erhalten Methadon,
30 Prozent andere Substitutionsmittel) Etwa zwei Drittel
(ca. 1.600) davon sind bei niedergelassenen Ärzten in Betreuung. Etwa 800 sind in Betreuung von Drogenambulanzen oder Drogenberatungsstellen

o Insgesamt sind 1998 in den Drogenambulanzen oder

Drogenberatungsstellen etwa 4.500 Behandlungen durchgeführt worden

o Im Bereich der niederschwelligen Drogeneinrichtungen konnten die

Kontakte in die Szene intensiviert werden. 1998 wurden 114.000 Kontakte gezählt.

o Die Zahl der Rettungseinsätze wegen Drogennotfällen ist im Jahr

1998 auf 360 (1997: 400) zurückgegangen.

o 1998 wurden etwa 560 stationäre körperliche Entzugsbehandlungen

in Spezialeinrichtungen durchgeführt.

o 264 Patienten wurden in stationäre Langzeittherapie aufgenommen (Schluß) mmr

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