Rieder: 476 akutgeriatrische Betten für Wien

Pflegeheimreform liegt voll im Plan

Wien, (OTS) "In Wien werden entsprechend dem Österreichischen Krankenanstaltenplan bis zum Jahr 2005 476 akutgeriatrische Betten an voraussichtlich 15 Standorten geschaffen werden", erklärte
Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen
des Pressegespräches des Bürgermeisters, an dem neben Rieder auch die Leiterin des "Österreichischen Bundesinstitutes für Gesundheitswesen" (ÖBIG), Dr. Michaela Moritz, teilnahm. Das ÖBIG hat im Auftrag des Gesundheitsministeriums den vorliegenden Österreichischen Krankenanstaltenplan (ÖKAP) erarbeitet.

Gleichzeitig, so Rieder liege aber auch die Reform der bestehenden städtischen Pflegeheime und Geriatriezentren voll im Plan. Heute arbeiten um mehr als 1.000 Pflegepersonen, das entspricht einer Zunahme von 50 Prozent, mehr in diesen Einrichtungen als 1989, gleichzeitig wurden rund 900 Betten in Pflegeheimen und Geriatriezentren abgebaut. Rieder: "Der
Schwerpunkt der städtischen Pflege- und Geriatriezentren ist die medizinische und pflegerische Rund-um-die-Uhr Betreuung der Bewohner, weshalb sie auch den Status von Sonderkrankenanstalten besitzen. Das ÖBIG hat dies bereits im Rahmen einer Studie zu den "Alten- und Pflegeheimen in Österreich" aus dem Jahr 1993 festgestellt und betont, daß aufgrund des breiten medizinischen Leistungsspektrums der Wiener städtischen Einrichtungen ein Vergleich mit anderen öffentlichen oder privaten Pflegeheimen
nicht möglich sei."

Dem hohen medizinischen und pflegerischen Niveau der städtischen Einrichtungen stünden jedoch da und dort Probleme mit der sogenannten Hotelqualität gegenüber, räumte Rieder ein. Durch den Abbau von Betten und anderen baulichen Maßnahmen gelinge es jedoch zunehmend, die Wohnqualität dem Niveau der Medizin und Pflege anzupassen.

Ein neues Wiener Geriatriekonzept

Im Gegensatz zu früher ist heute die Gruppe der "Alten"
extrem inhomogen. Österreich hat in puncto Lebenserwartung und Lebensqualität seit den siebziger Jahren eine wahre Aufholjagd hinter sich gebracht. Dementsprechend sind heute möglichst flexible, individuelle, interdisziplinäre und abgestufte Pflege-und Betreuungsformen gefragt. Ob die Pflege zu Hause, im Tageszentrum, einer akutgeriatrischen Abteilung, einem Pflegeheim oder einem Geriatriezentrum erfolgt, hängt künftig ausschließlich vom Pflegebedarf und/oder der persönlichen Situation des/der zu Betreuenden ab.

Das Drei-Stufen-Konzept

Daran orientiert sich auch das Drei-Stufen-Konzept des Neuen Wiener Geriatriekonzeptes. Im stationären Bereich wird klar festgelegt, wo welche Plfege/Behandlung/Betreuung stattfindet:

o Stufe 1: Akutgeriatrie/Remobilisation:

In den künftigen geriatrischen Abteilungen in Akutspitälern erfolgt die Kurzzeitbehandlung von alten Patienten im Zuge eines akuten Krankheitsgeschehens. Im Vordergrund steht auf jeden Fall
die Erhaltung und Wiederherstellung der Mobilitäts bzw. die Reintegration in das gewohnte Umfeld des Patienten. Für Wien sind 476 akutgeriatrische Betten in voraussichtlich 15
Spitalsabteilungen vorgesehen.

o Stufe 2:Pflegeheime:

In Pflegeheimen steht die langfristige Pflege und Betreuung alter Menschen im Vordergrund. Je nach Zustand des Patienten wird auch eine Remobilisation bzw. Wiedereingliederung ins gewohnte Umfeld angestrebt.

o Stufe 3: Geriatrische Zentren:

Hier werden - wie schon jetzt - besonders alte und besonders kranke Patienten langfristig mit geriatrischer Medizin auf
höchstem Niveau von einem multiprofessionellen Team betreut.

Neue Wege in der Finanzierung

Gleichzeitig fordert Rieder eine Reform der Finanzierung der Altenmedizin nach 2001. Der Vorschlag geht von einem dreistufigen Modell mit folgenden Finanzierungsströmen aus:

o Medizinische Behandlung: Finanzierung durch die Krankenkassen
o Pflege/Betreuung: Finanzierung durch das Pflegegeld
o "Wohnkomponente" in Pflegeheimen und Geriatriezentren:

Finanzierung durch Eigenmittel bzw. weiterhin durch Mittel der Sozialhilfe

Derzeit erfolgt die Finanzierung eines Aufenthaltes in einem Pflegeheim bzw. einem Geriatriezentrum aus dem Einkommen bzw. dem Pflegegeld des Patienten. In der Praxis "übernimmt" im Großteil der Fälle mangels Eigenmittel jedoch der Sozialhilfeträger und damit der Steuerzahler den Aufenthalt im Pflegeheim/Geriatriezentrum.

Pflegeheimreform liegt im Plan

Seit 1996 wird in den städtischen Pflegeheimen und Geriatriezentren eine neue Personalberechnung angewandt. Anhand dieser Berechnung ist für den Zeitraum vom 1997 bis 2001 eine stufenweise Anhebung von 53 Pflegepersonen/100 belegter Betten (1997) auf 63/100 (2001) vorgesehen. Für Ende 1999 wurde ein Wert von 57 Pflegepersonen/100 belegte Betten vorgesehen. Dieser Wert wurde bereits jetzt von allen städtischen Einrichtungen nahezu erreicht, ein Pflegeheim erfüllt bereits heute die für das Jahr 2001 geplante Kennzahl. Mit der Einführung der neuen Berechnungsmethode ging allein in den ersten beiden Jahren 1997
und 1998 eine Erhöhung des Personalstandes um 243 einher.

Eckdaten:
o Derzeit stehen im Bereich der Stadt Wien 5.900 Pflegeheimbetten

zur Verfügung (1989: 6.766).
o Das bedeutet einen Bettenabbau von 900 Betten seit 1989.
o Gleichzeitig arbeiten heute im Vergleich zu 1989 um mehr

1000 Pflegepersonen mehr in den städtischen Pflegeheimen und Geriatriezentren.
o Das bedeutet im Vergleich zu vor zehn Jahren ein plus an

Personal von 50 Prozent. Derzeit arbeiten rund 3.000 Pflegepersonen in städtischen Pflegeheimen und Geriatriezentren. o Heute sind 53 Prozent der Pflegepersonen diplomiert, 1989 waren

es 40 Prozent. (Schluß) nk/vo/bs

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