Gesicherte Finanzierung für Vorlehre notwendig

Belangsendung der WKÖ am 25.5.99 um 5:52 Uhr auf Ö1

PWK - Mehr als 40.000 Jugendliche stellen sich in den nächsten Wochen die Frage nach ihrem künftigen Beruf. Wieder werden mit großer Wahrscheinlichkeit einige tausend von ihnen keinen Lehrplatz finden, wie schon in den vergangenen Jahren. Und unter diesen viele Jugendliche, deren Ausbildungsstand am Ende der Schulzeit für eine Lehre nicht genügt. Für sie hat der Bildungsreferent der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Georg Piskaty, derzeit wenig Hoffnung. ****

Piskaty: "Wir haben also jetzt doch fast ein Jahr Erfahrung mit den Maßnahmen des NAP, dieses Nationalen Aktionsplans für Beschäftigung, für schwierigere Jugendliche in Lehrlingsstiftungen und Lehrgängen. Und wir sehen, daß diese Maßnahmen zu kurzgeschnitten sind und nicht voll greifen".

Vom Vorschlag, diese Jugendlichen, welche die Schule ohne Erfolg beendet haben, eben noch einmal in die Schule zu schicken, hält der Praktiker Piskaty gar nichts. Er arbeitet mit den Wirtschaftsförderungsinstituten zusammen und hat dort erlebt, wie schwierige Jugendliche in der Praxis plötzlich viel mehr Interesse zeigen und lernen als in der Schule und daher sagt er:

"Also wir glauben von der Wirtschaft, daß diese Gruppe schwieriger Jugendlicher nicht im Regen stehen gelassen werden kann. Daß wir diese Jugendlichen vielfach mit einem Angebot mehr Schulausbildung, längere Schule nicht ansprechen. Das widerspricht ganz genau dem, was sie wollen. Daß wir sie aber mit einem Angebot einer praxisnahen Ausbildung in Betrieben unter Umständen so qualifizieren können, daß sie vielleicht "lehrvertragsreif" werden und später eine normale Lehre beginnen können oder aber als "qualifizierter Helfer" in der Wirtschaft einen Arbeitsplatz finden".

Zwei Hindernisse stehen den Plänen Piskatys entgegen. Bisher zahlt niemand etwas dafür und vor allem die Gewerkschaft war der Ansicht, diese Vorlehre wie man sie nennt, sei mit einer Behaltepflicht für den Unternehmer dem Vorlehrling gegenüber verbunden. Zumindest dieser Grund fällt jetzt weg, betont Wirtschaftskammer-Ausbildungchef Piskaty: "Hier gibt es "Gott sei Dank" ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. Es gibt keine Behaltezeit nach der Vorlehre, sodaß Betriebe hier auf einem rechtlich gesicherten Fundament starten können".

Bleibt die Kostenfrage.

Piskaty: "Wir verlangen, daß die Vorlehre genauso wie die Lehrlingsstiftungen und Berufslehrgänge auch im Rahmen dieses Auffangnetzes für Jugendliche gefördert wird".

In Vorarlberg sind Anlehren schon praktiziert worden. Der Erfolg macht sie zum Beispiel für ganz Österreich. Eine gesicherte Finanzierung würde die Vorlehre neben den Stiftungen und Berufslehrgängen zum Teil einer effizienten und dauerhaften Lösung des Jugendausbildungsproblems machen.
(Schluß) pt

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