Treffen der EU-Troika-Gewerkschaftspräsidenten in Brüssel

Verzetnitsch: Man muss die Wirtschaftspolitik mit der Sozialpolitik verbinden

Brüssel/Wien (ÖGB). "Die Europäische Gewerkschaftsbewegung auf den Weg ins Neue Jahrtausend". Zu diesem Anlass trafen sich fünf Gewerkschaftspräsidenten der EU-Trojka und besprachen ihren Wunschkatalog für das Jahr 2000. Fritz Verzetnitsch, Präsident des ÖGB und EGB, forderte dabei auf, eine Verbindung zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik in Europa herzustellen.++++

"Wer die Wiese will, der muss die Quelle pflegen. Es gibt keine einseitigen Wechselbeziehungen, sondern das Verhältnis muss in seiner Gesamtheit genutzt werden", so Verzetnitsch. "Europa ist heute wettbewerbsfähiger denn je, das sehe man an der positiven Leistungsbilanz und in den steigenden Gewinnquoten europäischer Unternehmen. "Das europäische Sozialmodell produziert etwas sehr Wesentliches für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft – Sicherheit und Stabilität", betonte Verzetnitsch.

Sehe man sich den beschäftigungsintensivsten Dienstleistungssektor der Vereinigten Staaten an, wird der Wert dieses Europäischen Sozialmodells bewusst. In den USA fehlt ein primäres soziales Sicherheitsnetz. Die Auswirkungen sind zwei Prozent der männlichen Erwerbsbevölkerung, die hinter Gittern sitzen, 2,7 Prozent der Erwerbspersonen im Sicherheitsdienst und als Rechtsanwälte sowie ein hoher Anteil bei Polizei, Richtern und Justizwachebeamten. Gewiss dürfen vernünftige Geld- und Umverteilungspolitik der Clinton-Administration bei diesem amerikanischen Beschäftigungswunder nicht vergessen werden. Doch die soziale Ungleichheit in Amerika ist für europäische Verhältnisse nicht vorstellbar.

Für den ÖGB- und EGB-Präsidenten ist eine Strategie völlig klar. Man müsse auf den europäischen Binnenmarkt und einen Dialog zwischen EZB, Euro-11 und Sozialpartnern setzen. "Was wir aber auf keinen Fall akzeptieren können, ist eine einseitige Inpflichtnahme der Sozialpartner. Wenn wir für ein diszipliniertes Lohnverhalten, Deregulierung und Flexibilisierung einstehen sollen, dann müssen auch Regierungen und Unternehmen für Investitionen in die Beschäftigung und in die Sozialpolitik gerade stehen", so Verzetnitsch. (Bac-)

ÖGB, 21. Mai 1999 Nr. 228

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: 0664/412 50 39

Annemarie Kramser

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB