- 20.05.1999, 13:24:33
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Österreichischer Werberat feiert 25. "Geburtstag"
Schuster: "Werbung darf nicht durch ein Gestrüpp von Gesetzen reguliert werden"
PWK - Mit einer hochkarätig besetzten internationalen
Fachkonferenz feiert der Österreichische Werberat, das
Selbstbeschränkungsorgang der österreichischen Werbewirtschaft, heute
seinen 25. "Geburtstag". "Wir achten darauf, daß der Ruf nach
Werbezensur mit gesetzlichen Regelungen nicht durch Fehltritte
einiger weniger Außenseiter zu laut wird", brachte Präsident Heinrich
Schuster in einer Pressekonferenz eine der wichtigsten Aufgaben des
Werberates auf den Punkt. Ziel der freiwilligen Selbstkontrolle ist
es, die Informations- und Meinungsfreiheit aufrechtzuerhalten, die
untrennbar mit der Freiheit und Würde des Publikums verbunden ist.
Gerade im Werbebereich sei daher das Maßhalten besonders wichtig,
untertrich Schuster. ****
Angesichts einer extrem dynamischen Entwicklung des
gesellschaftlichen Konsenses als Schlüssel für "das Rechte Maß" sei
eine Deregulierung der Werbung mit der Stärkung gesellschaftlicher
Eigenverantwortung das Gebot der Stunde. Jede gesetzliche Regelung
würde eine unüberblickbare Fülle von Einzelvorschriften nach sich
ziehen, um das breite Spektrum der Werbung legistisch in den Griff zu
bekommen, stellte Schuster fest und appellierte an alle
Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft, "nicht der Macht der
Dummheit zu erliegen und Werbung durch ein Gestrüpp von Gesetzen
regulieren zu wollen". Jedes Werbeverbot ist zugleich aber auch ein
Handelsverbot, denn es verhindert, daß junge Firmen mit neuen
Produkten in den Markt eintreten können.
Im Rahmen der Fachkonferenz, an der neben prominenten Vertretern
aus Werbung, Medien und Industrie auch zahlreiche Mitglieder des
europäischen Dachverbandes der Werbewirtschaft (European Advertising
Standards Alliance) teilnehmen, wird u.a. Oliviero Toscani, bekannt
durch seine kontroversiellen Benetton-Plakate, unter dem Motto
"Während des Todeskampf geht der Verkauf weiter" seine Sicht der
Funktion von Werbung darlegen. Bundesministerin Barbara Prammer wird
über "Frauen und Werbung" und Univ.Prof. Max Friederich über "Kinder
und Werbung" referieren. Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Aspekt der
Gewalt in der Werbung, die kompromißlos verurteilt werden muß, da sie
eines der Hauptprobleme in unserer heutigen Gesellschaft ist. Tino
Pirringer von der Agentur Lowe/GGK präsentiert die Geschichte der
Palmers-Werbung, die als geglückte Gratwanderung zwischen feiner
Erotik und gesellschaftlicher Akzeptanz gilt.
Der Österreichische Werberat wurde 1974 als
Selbstbeschränkungsorgan der österreichischen Werbewirtschaft
gegründet. Das österreichische Selbstbeschränkungssystem ist für den
Konsumenten und die Werbebranche selbst von großer Bedeutung.
Konsumenten können sich bei sozial unverträglicher Werbung an den
Österreichischen Werberat wenden. Für die Werbebranche bietet das
funktionierende Selbstbeschränkungssystem die Möglichkeit, Werbung
möglichst frei von gesetzlichen Werbebeschränkungen und -verboten zu
halten.
Die im 'Österreichischen Selbstbeschränkungskodex der Werbung'
zusammengefaßten Verhaltensregeln sind kein starres Regelwerk,
sondern werden ständig auf Aktualität und Plausibilität überprüft und
an neue gesellschaftliche Trends sowie nationale und internationale
Normen angepaßt. Schärfstes Mittel ist die Aufforderung zum Stopp
einer Kampagne.
1998 war ein Rekordjahr, was Beschwerden betrifft. Insgesamt 158
langten beim Österreichischen Werberat ein. Kritisiert wurden vor
allem sexuell anstößige Darstellungen (85 Beschwerden) und
Frauendiskriminierung (57). Heuer dürfte sich der Schwerpunkt jedoch
verschieben. Bis 15. Mai 1999 wurden insgesamt 10 Kampagnen
kritisiert, bei denen interessanterweise Irreführung der Konsumenten
und betrügerische Werbemaßnahmen im Vordergrund standen. Es bleibt
abzuwarten, ob dieser Trend im Jahresverlauf anhält.
(Schluß) MH
Rückfragehinweis: Österreichischer Werberat
Mag. Irmgard Zirkler
Tel: 50105-3760
e-mail: werbung@wk.or.at
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