LR Bauer: Natura 2000 - Ausblicke im Naturschutz Niederösterreichs

St. Pölten, (SPI) - Niederösterreich hat mit 31,2 Prozent der Landesfläche unter allen Bundesländern mit Abstand den größten Anteil an NATURA 2000 Gebieten mit Regierungsbeschluß nach Brüssel gemeldet. Die seit der Meldung sich aufbauende, ablehnende Haltung aus Kreisen der Land- und Forstwirtschaft münden in die Forderung einer deutlichen Flächenreduktion. "Als verantwortlicher Naturschutzreferent nehme ich diese Meinungsbildung sehr ernst und möchte daher zu diesem wichtigen Thema eindeutig Stellung beziehen", so Naturschutz-Landesrat Dr. Hannes Bauer.****

Zahlreiche bewußt oder unbewußt herbeigeredete Mißverständnisse haben zu einer Verunsicherung weiter Bevölkerungskreise geführt, was die möglichen Auswirkungen der NATURA 2000 Gebietsmeldung betrifft. Berufsjäger fürchten ein Verbot der Wildfütterung, Bauernkammer-Funktionäre eine Einschränkung bei Feld-Beregnungsanlagen und eine Gefahr für die Intensiv-Landwirtschaft insgesamt. "So wie dies manche darstellen, stimmt das sicher nicht. Die Flächenabgrenzung ist vor meiner Zeit als Naturschutzlandesrat im Einvernehmen erfolgt und es war immer meine Absicht, im Sinne einer neuerlichen Diskussion eine allgemein akzeptierte Gebietsabgrenzung zu finden. Ein unüberbrückbarer Zielkonflikt mit den Interessen der Land- und Forstwirtschaft kann schon allein deshalb nicht vorliegen", argumentiert Landesrat Dr. Bauer.

Wie geht es weiter mit NATURA 2000?
Die Meldungen des Landes Niederösterreich betreffend der Natura 2000-Gebiete basieren auf einem Schreiben vom Juni 1995, das lediglich bereits bestehende Naturschutzgebiete betroffen hat, sowie auf drei Nachnominierungen, welche alle durch die NÖ Landesregierung (24. September 1996; 10. Juni 1997; 9. Dezember 1997) beschlossen wurden. Damit wurden nach mehreren Ergänzungen und Überarbeitungen 19 Gebiete gemeldet, die eine Fläche von 608.302 Hektar, das sind 31,6 % der Landesfläche Niederösterreichs, umfassen. Dieses Procedere betracht ich als Grobmeldung an die EU, wobei Möglichkeiten der genauen Flächenabgrenzung auf der Grundlage exakter neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse bestehen. Sofort nach Übernahme der Regierungsverantwortung für den Naturschutz durch Dr. Hannes Bauer im April 1998 wurde auf Ebene der Landesregierung eine eigene Kommission gebildet, die diese exakte Flächenabgrenzung der gemeldeten Gebiete vornehmen soll.

In den bisher vorgeschlagenen Natura 2000-Gebieten sind derzeit noch Siedlungsräume, Betriebsgebiete und Verkehrsflächen enthalten, die eine Flächenreduktion von rund 10 bis 15 Prozent (in Bezug auf die gesamte Landesfläche Niederösterreichs) bringen sollten und damit auf jeden Fall ausgeschieden werden. Weiters verfolgt Landesrat Dr. Hannes Bauer das Vorhaben einer "parzellengenauen" Abgrenzung, die ebenfalls eine Reduktion bringen wird. Bei Berücksichtigung aller Maßnahmen ist eine Flächenreduktion von 40 bis 60 Prozent zu erwarten, was bedeutet, daß nach erfolgter Bereinigung etwa 10 bis 15 Prozent der Landesfläche Niederösterreichs als endgültig verpflichtende Natura-2000-Gebiete bestehen blieben, ohne dabei ein naturschutzrelevantes Gebiet zu verlieren.

Zusammenfassung und Ausblick

Landesrat Dr. Hannes BAUER: "Die Aufregung um NATURA 2000 ist in hohem Maße unbegründet, sie entspringt einer tief verwurzelten Angst breiter Bevölkerungskreise vor Naturschutzmaßnahmen. Wir haben heute moderne Instrumente wie den NÖ Landschaftsfonds zur Hand, der als Vertragsnaturschutz sehr erfolgreich, weil konsensorientiert, arbeiten kann. Es gibt also überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln, daß wir mit den Möglichkeiten des Landschaftsfonds - in Verbindung mit den fließenden EU-Fördergeldern, z.B. LIFE-Mittel -, den Großteil der Aufgabenstellung von NATURA 2000 bewältigen können."

Für die Landwirtschaft ergeben sich dadurch vermehrt Förderungsmöglichkeiten für die bisher wenig einkommenswirksamen, ökologisch aber um so wertvolleren, extensiv genutzten Betriebsflächen (Flächendeckende Bewirtschaftung, wie z.B. durch das Ökopunktesystem in Niederösterreich).

Für die Forstwirtschaft ergibt sich erstmalig die Chance, für die Erhaltung der Lebensraum- und Artenvielfalt der Wälder als überwirtschaftliche Waldfunktion - analog zur Landwirtschaft - einen finanziellen Ausgleich über Bewirtschaftungsprämien zu erlangen und potentielle Waldgesellschaften im Sinne natürlicher Standortgegebenheiten zu schaffen.

Die Jägerschaft, die sich auch durch NATURA 2000 beeinträchtigt sieht, weiß über ihre Verantwortung im allgemeinen und im besonderen im Rahmen des europäischen Schutzgebungssystems und damit für den Schutz ganzjährig geschonter jagdbarer Wildarten (z.B. Großtrappe) -wie diese zahlreich in den Anhängen der EU-Richtlinien vertreten sind (Positives Schutzsystem).

Niederösterreich als selbstbewußtes und in einer dynamischen Entwicklung befindliches Bundesland muß einen ernsthaften, ökologisch überzeugenden Beitrag für das europäische Schutzgebietssystem -NATURA 2000 - leisten, was letztlich auch eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Bewirtschaftung darstellt.

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