GPA-Frauen für einkommensabhängiges Karenzgeld

Mehr Chancengleichheit für Männer durch Karenz

Wien (GPA/ÖGB). Die Frauen der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) unterstützen die Forderung nach einem einkommensabhängigen Karenzgeld. Das "Karenzmodell für alle" der ÖVP wird als Giesskannenprinzip und die Kinderbetreuungsschecks der FPÖ als sozial unvertretbar abgelehnt.++++

Renate Csörgits, Frauensekretärin der GPA, betont, dass das einkommensabhängige Karenzgeld schon lange eine beschlossene Forderung der GPA-Frauen ist. "Seit 1996 wurde das Karenzgeld von 5.565 Schilling im Monat nicht mehr erhöht. Das ist angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten ein untragbarer Zustand", stellt Csörgits fest.

Die GPA-Frauen fordern, dass auch mehr Männer sich der Kindererziehung widmen. "Wir haben immer gesagt, dass das
derzeitige Karenzmodell für Männer kaum Anreize bietet, sich auch um die Kinderbetreuung zu kümmern, weil Männer in der Regel mehr verdienen". Beruf und Familie muss für Frauen vereinbar sein,
daher müssen auch Männer zunehmend in Karenz gehen können. Die Karenz muss für Männer attraktiver gemacht und finanzielle Anreize geboten werden. "Der Karenzanspruch darf nicht von der Mutter abgeleitet sein, sondern es muss ein eigenständiger Karenzurlaubsanspruch für Väter geschaffen werden", meint Csörgits. Die GPA-Frauensekretärin spricht sich zusätzlich für eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für die Väterkarenz aus. "Derzeit sind es nur rund 1000 Männer, die pro Jahr in Österreich in Karenz gehen, das sind gerade ein Prozent aller KarenzgeldbezieherInnen. In Schweden sind dies bereits zehn
Prozent. Das muss sich im Interesse der Gleichberechtigung der Frauen bald ändern", fordert Csörgits.

Weiters ist die Ausdehnung der Behaltefrist von vier Wochen auf 26 Wochen nach Ende der Karenzzeit für die GPA-Frauen eine dringende Forderung, um den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben zu garantieren. "Unser Frauenbild ist ein selbständiges und emanzipiertes. Beruf und Familie muss für Männer und für Frauen stärker vereinbar und auch wirklich lebbar sein. Das ist unser wichtigstes Anliegen", betont Csörgits.

Das ÖVP-Modell "Karenzgeld für alle" lehnt Csörgits ab: "Das Karenzgeld ist eine Versicherungsleistung, ein Ersatz für entfallenes Einkommen und keine Sozialhilfe". Zur Finanzierung des SPÖ-Modells meint sie, dass "wenn das ÖVP-Giesskannenmodell finanziert werden kann, muss auch das einkommensabhängige Karenzgeld finanziert werden können". Der Kinderbetreuungsscheck der FPÖ ist für Csörgits völlig indiskutabel: "Diese Experimente bringen enorme Nachteile für die Frauen und verdrängen sie vom Arbeitsmarkt."

Die GPA-Frauensekretärin stellt klar: "Für uns ist die Familie nicht ein starres Konzept wie in der ÖVP und FPÖ, wo noch das Konzept der bürgerlichen Versorgungsfamilie vorherrscht. Das Familienbild unterliegt dem Wandel der Zeiten. Für uns gelten auch Einelternfamilien, Stieffamilien und partnerschaftlich selbstbestimmte neue Formen von Lebensgemeinschaften als Familie".

ÖGB, 12. Mai 1999 Nr. 220

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri
Tel. (01) 313 93/511 Dw.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB