ÖGB-Sallmutter: Wirtschaft fördert Flucht aus sozialer Sicherheit

720.000 Menschen waren 1998 mindestens einmal arbeitslos

Wien (ÖGB). "Arbeitnehmer werden immer öfter zu Verlierern am Arbeitsmarkt", so ÖGB-Vizepräsident und Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Hans Sallmutter,
gestern abend bei der ÖGB-Veranstaltung "Konfrontation der Ideen -Arbeit statt Beschäftigung". Weitere Teilnehmer der Veranstaltung waren der Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, Günter Stummvoll, der Präsident der Caritas, Franz Küberl, sowie die Personalvertreterin Erika Christof. ++++

Kritik übte Sallmutter an neoliberalen Tendenzen, die zwangsläufig zur Folge hätten, daß ArbeitnehmerInnen verstärkt unter Druck geraten: Lohnkosten sollen gesenkt werden, Beschäftigte werden wegrationalisiert, weniger Arbeitnehmer müssen mehr leisten. Ängste unter den Beschäftigten nehmen zu.
Ziel dieser Strategie seien zweistellige Kapitalrenditen für Aktionäre - die Gewinner am Arbeitsmarkt. "Zweiprozentige Kollektivvertragserhöhungen werden jedoch kritisiert", so Sallmutter.

Verlierer des Arbeitsmarktes seien Arbeitslose und atypisch Beschäftigte. Sie beeinflussen die Qualität des Einkommens und verstärken den Druck auf die Sozialsysteme aufgrund der fehlenden Beitragsleistungen, so Sallmutter. 720.000 Menschen seien 1998 zumindest einmal arbeitslos gewesen.

Sallmutter: "Die Flucht der Wirtschaft aus Kollektivverträgen hin zu schlecht existenzsichernden Bereichen ist ein Trend, der auch rasches gesellschaftliches Umdenken erfordert."

Für Günter Stummvoll, Generalsekretär der Wirtschaftskammer, sind vier Faktoren am Arbeitsmarkt entscheidend: Qualität, Flexibilität, Innovation und Kosten. Für "geringfügige Jobs" sei offensichtlich ein Markt vorhanden; niemand werde gezwungen, so
eine Tätigkeit anzunehmen. Stummvoll: "Der Betrieb ist keine Sozialfürsorgeanstalt."

Caritas Präsident Franz Küberl bestätigte die Zunahme der "working poor", jener Menschen, die zwar arbeiten, aber davon nicht leben können. "Viele können dem Tempo der Arbeitsgesellschaft nicht mehr nachkommen, daher ist eine deutlichere Solidarleistung des Staates notwendig."

Erika Christof, Personalvertreterin, skizzierte ihre Erfahrungen
aus dem öffentlichen Bereich: "Auch hier gibt es den Trend zu Auslagerungen; man rauft um jeden Arbeitsplatz." Eine zunehmende Entsolidarisierung, durch unterschiedliche Dienstrechte, sei auch
im öffentlichen Bereich erkennbar. (bfm)

ÖGB, 11. Mai 1999 Nr. 215

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