Rieger-Pleite: Die OeNB stieß schon 1996 auf Spekulationen bei der CA

Ein internes Papier belegt: Die Nationalbank hätte den Betrug früher aufdecken müssen

Wien (OTS) - Der Bescheid läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Auf zwei schlanken Seiten verdonnert die Oesterreichische Nationalbank die Creditanstalt-Tochter CA Global Futures Terminkontrakte AG zur Offenlegung ihrer Geschäftsbeziehungen zu einem gewissen Wolfgang Rieger. Zitat aus dem FORMAT exklusiv vorliegenden Papier: "... wird hiemit aufgefordert, binnen drei Wochen ab Zustellung - der Oesterreichischen Nationalbank sämtliche -Handelsbücher und Belege, soweit sie die im Zeitraum ab 1.8.1994 mit der Rieger Bank AG, Wien, abgeschlossenen oder durchgeführten Geschäfte und Handlungen betreffen, vorzulegen bzw. der OeNB die Einsicht in diese Unterlagen zu gewähren." Die spröde Erklärung: "Die Rieger Bank AG hat mit der CA Global Futures im gegenständlichen Zeitraum verschiedene Geschäfte abgeschlossen. Eine Auskunftseinholung über diese Geschäfte bei der Rieger Bank war nicht möglich."

Den Bescheid ziert aus heutiger Sicht ein arger Schönheitsfehler:
das Datum. Denn die von der Nationalbank verordnete Prüfung datiert vom 16. April 1996 - also zweieinhalb Jahre vor der spektakulären Flucht und Pleite des Privatbankiers Wolfgang Rieger. Rieger steht im Verdacht, in den Monaten vor Auffliegen der Milliardenaffäre Kontostände seiner Bank bei der mittlerweile liquidierten CA Futures gefälscht zu haben. Unmittelbar nach seiner Flucht waren sogenannte Saldenbestätigungen aufgetaucht, die Guthaben in der kleinen Bank in der Höhe von mehr als dreihundert Millionen Schilling auswiesen - auf Konten, die zu diesem Zeitpunkt teilweise gar nicht mehr existierten. Zitat aus der Strafanzeige des Rieger-Interimsmanagements vom Oktober 1998: "Besonders war, daß der Verdächtige diese Unterlagen persönlich abholte. Hierauf wurden die Originalvermerke ausgelackt und mittels Schreibmaschine Zahlen, die nicht der Realität entsprachen, eingesetzt. Diese Geschäfte sind zumindest seit 1992 vom Verdächtigen durchgeführt worden." Wie weit die mutmaßlichen Malversationen zurückreichen, wird erst ein weiteres Strafverfahren gegen den bereits zu neun Jahren Haft verurteilten Bankier zeigen. Tatsache ist, daß sich die Wirtschaftsprüfer der Rieger Bank von den gefälschten Saldenbestätigungen in die Irre führen ließen und Bilanzen testierten, die jeder Grundlage entbehrten. Die Folge: Noch am Abend des 13. Oktober 1998, vier Tage nach Riegers Flucht, zog der langjährige Prüfer der Bank seine Bestätigungsvermerke für die Jahresabschlüsse 1996 und 1997 zurück. Zitat: "Mit heutigem Tag übergab uns die CA Global Bankbestätigungen über den Kontenstand für die von der Rieger Bank AG bei ihr geführten Konten, aus welchen ein Saldo ersichtlich ist, der eklatant von den in der Bilanz der Gesellschaft ausgewiesenen Beständen abweicht."

Der bisher sorgsam unter Verschluß gehaltene OeNB-Bescheid aus dem April 1996 beweist, daß es die Nationalbank in der Hand gehabt hätte, die Malversationen zwei Jahre früher aufzudecken. Im Zuge der im Frühjahr 1996 tatsächlich durchgeführten Prüfung erhielt die OeNB Einsicht in sämtliche Rieger-Konten bei der CA Global Futures. Und ließ sich mit höchst eigenwilligen Auskünften abspeisen. Der später gefeuerte CA-Global-Chef Christian Floth gab gegenüber der OeNB unter anderem zu Protokoll, daß hinter den Termingeschäften nicht die Rieger Bank, sondern eine Privatperson stünde. Erinnert sich Bruno Gruber, Leiter der OeNB-Rechtsabteilung: "Wir haben ein Ermittlungsverfahren durchgeführt. Es war von einem Asiaten die Rede, der sich nur der Rieger Bank bediene. Floth legte Kontrakte vor, es handelte sich um beträchtliche Geldbeträge. Herr Rieger hat uns allerdings keine Einsicht in die Bücher seiner Bank gewährt." Mehr geschah nicht. Es sollte bis Juli 1998 - zwei Monate vor der Pleite -dauern, ehe die Nationalbank endlich Lunte roch. In einem mit 21. Juli 1998 datierten Bericht stellte die OeNB-Abteilung für Bankenanalyse und -revision fest: "Es besteht der mehr als begründete Verdacht, daß die Ziffern des Jahresabschlusses der Rieger Bank AG als nicht mehr glaubhaft und falsch eingestuft werden müssen."

Warum die Nationalbank nicht schon im Frühjahr 1996 anläßlich der Prüfung der CA-Global-Konten auf die Widersprüche in den Rieger-Bilanzen stieß, wird noch zu klären sein. Selbst die Bankenaufsicht im Finanzministerium will nichts von einer Prüfung der Rieger-Beziehungen zur CA-Tochter gewußt haben. Bankenaufseherin Doris Radl: "Das ist mir neu." Für Tausende Anleger, die Wolfgang Rieger um ihr hart Erspartes gebracht hat, könnten sich ausgerechnet die offenkundigen Versäumnisse der Nationalbank bezahlt machen. Sogar Riegers langjähriger Wirtschaftsanwalt Rene Laurer gibt Schadenersatzansprüchen gegen die Währungshüter gute Chancen: "Die OeNB hätte doch nur die Ergebnisse der CA-Global-Prüfung mit den Monatsausweisen und Bilanzen der Rieger Bank vergleichen müssen. Da hätte sich zeigen müssen, daß da etwas nicht stimmt."

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