Kulturschaffende fordern Ende der Attacken gegen Handke

Wien (OTS) - Namhafteste Kulturschaffende wenden sich in der
morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins News gegen die Diffamierungskampagen, die dem Autor Peter Handke wegen seiner serbienfreundlichen Haltung zuteil wird.

Elfriede Jelinek (Autorin): "Ich teile seine Meinung nicht. Aber ich würde alles tun, damit er nicht angeschüttet wird. Daß man sein Werk zu disqualifizieren beginnt, empfinde ich als skandalös."

Peter Turrini (Autor): "Handke versucht jenseits der gängigen Sprachen - der Betroffenheitssprache, der Mediensprache, der Kriegssprache - eine eigene Sprache zu finden und damit eine andere Wirklichkeit. Sein Ergebnis paßt nicht in die Lage und deshalb schlagen sie auf ihn und sein Werk ein."

Gerhard Roth (Autor): "Die heiligen Zeitungen haben Handke vor die Inquisition zitiert, weil er nicht ihrer Meinung ist. In den vergangenen Jahren wurden über die sogenannten Gutmenschen Kübel von Hohn ergossen. Jetzt hält sich einer nicht an die political correctness und siehe da: Dieselben Journalisten, die in ihr noch vor kurzem eine Lachnummer erblickt haben, übernehmen die Gutmenschenfunktion, fallen über Handke her und versuchen sein Werk zu disqualifizieren. Das hat in seiner Perfidie eine gewisse Logik."

Felix Mitterer (Autor): "Handke ist immer gegen den Strom der öffentlichen Meinung geschwommen, auch wenn es die Meinung der Welt war. Wenn sich jemand den anderen Blick erhält, um in die Welt zu schauen, so ist das gut. Indiskutabel ist es, um einer Meinung willen ein Werk zu verurteilen - gleich, ob man diese Meinung teilt."

Gerard Mortier (Intendant der Salzburger Festspiele): "Ich bin überhaupt nicht seiner Meinung. Aber wir werden für die Zukunft nach diesem Krieg begreifen müssen, daß die Serben ebenso zu Europa gehören wie die Albaner, und daß man dort zwischen den Menschen wieder Vertrauen schaffen muß. Damit - und mit unser aller Mitschuld an diesem Krieg - sollten wir ausreichend ausgelastet sein, um in aller Bescheidenheit jedem seinen Haß, seine Liebe, seine Aufgewühltheit zu lassen."

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