Behördenskandal um Abschiebung von Markus 0. NEWS dokumentiert: Der Nigerianer wurde fünf Tage vor Ablauf der behördlichen Frist und damit illegal abgeschoben.

- Ein Zeuge belastet die Beamten schwer: Ein Mitpassagier der Balkan Air: "Ich sagte den Polizisten: Laßt ihn doch atmen!" Vorausmeldung zu NEWS Nr. 18 / 6.5.99

Wien (OTS) - Ein Dokument, das NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe veröffentlicht, belastet die Behörden im Fall des verstorbenen nigerianischen Schubhäftlings Markus Omafuma schwer.

Am 21. April war Omafuma ein Schreiben der Fremdenpolizei übermittelt worden, das ihm noch eine Frist von zwei Wochen gewährt hätte. Der Nigerianer wurde dann von der Ablehnung seines Asylantrages verständigt (Aktenzahl IV-914.869/FrB/99), gleichzeitig wurde dem Mann die Möglichkeit einer "Stellungnahme binnen zwei Wochen" eingeräumt. Die Frist wäre also erst heute, am 5.5., ausgelaufen. Für Montag, den 3.5., hatte Omafuma deshalb auch einen Termin mit seiner Anwältin Susanne Pelzlbauer vereinbart, um einen neuen Einspruch zu verfassen. An diesem Tag war Omafuma aber bereits tot. Er wurde fünf Tage vor Ende der behördlich eingeräumten Frist abgeschoben. Die Abschiebung war also illegal. Der Chef der Wiener Fremdenpolizei, Stefan Stortecky, rechtfertigt dennoch das Vorgehen der Fremdenpolizei: "Das Gesetz schreibt uns vor, die Schubhaft so kurz wie möglich zu halten, damit die Häftlinge wieder in Freiheit kommen. Deshalb schieben wir sie oft vor Ablauf der Einspruchsfrist ab." Nachsatz: "Würden wir immer bis zum letzten Tag der Frist warten, hätten wir nur noch Einsprüche und könnten niemanden mehr abschieben. Es gibt nämlich Anwälte, die schöpfen jedes Rechtsmittel aus."

In NEWS meldet sich auch ein Zeuge des Todeskampfes von Markus Omafuma zu Wort. Vasil Iliev, Cheffunker bei der Balkan Air, saß direkt in der Reihe neben den drei Polizeibeamten und Omafuma. Seine Zeugenaussage belastet die Beamten massiv: "Der Schwarze hat sich wild bewegt und immer wieder verzweifelt nach Luft gerungen. Doch die Beamten haben nichts gemacht. Schließlich habe ich diese Situation nicht mehr länger ertragen. Der Mann schien tatsächlich um sein Leben zu kämpfen."

Etwa 15 Minuten vor der Landung in Sofia hätte Iliev die Beamten aufgefordert, ihrem Gefangenen endlich den Klebestreifen abzunehmen. Der Zeuge wörtlich: "Give him breath!", also "Laßt ihn atmen!". Die einzige Reaktion der Beamten und laut Darstellung des Zeugen Iliev:
"Sie haben ihm den Puls gefühlt und gemeint, daß alles in Ordnung sei. Sein Mund blieb weiter verklebt. Kurz daruf ist er immer ruhiger geworden und war schließlich still."

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