Verzetnitsch: "Dem Frieden eine Chance geben"

Nationaler Gedenktag: Demokratie und Menschenwürde müssen täglich aufs Neue verteidigt weden.

Wien (ÖGB).: "Der nationale Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus ist nicht nur ein klares Bekenntnis zu der Verantwortung, die wir Österreicher gegenüber den Opfern des Naziregimes haben, sondern auch ein dringender Appell an unsere Solidarität und Toleranz -jetzt und in der Zukunft." Das erklärt ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch anlässlich des nationalen Gedenktages gegen Gewalt
und Rassismus, der heute zum zweiten Mal in Österreich begangen wird. ++++

Der jüngste Krieg und die ethnischen Vertreibungen vor unserer Haustüre zeigen, wie schnell Vorurteile, Intoleranz, Entsolidarisierung und Ausgrenzungen in grausamste kriegerische Auseinandersetzungen ausarten können. "Niemand hätte sich vorstellen können, dass so etwas am Ende des 20. Jahrhunderts -
nur ein paar hundert Kilometer von Österreich entfernt - möglich wäre", so Verzetnitsch. "Es beweist, dass Demokratie und Menschenwürde nichts Selbstverständliches sind, sondern von uns allen täglich aufs Neue verteidigt und weiterentwickelt werden müssen."

Das ist auch ein grundsätzliches Ziel des ÖGB. Verzetnitsch betont, dass sich der ÖGB in seinen Statuten "zur Bekämpfung des Faschismus, jeder Reaktion und aller totalitären Bestrebungen und zur Mitarbeit an der Sicherung des Weltfriedens" verpflichtet hat. "Gerade im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist es unsere Pflicht, alles zu tun, um dem Gräuel am Balkan so schnell wie möglich ein Ende zu setzen. Und es ist unsere Pflicht, alles
zu unternehmen, dass die Saat jeglicher Gewalt und politischen Extremismus in Österreich nie wieder aufgeht."

Tausende österreichische ArbeitnehmerInnen haben während des Naziregimes ihr Engagement für Demokratie und Menschenwürde mit ihrem Leben bezahlt. "Das werden wir nie vergessen. Ihr Einsatz
ist unser Auftrag, unsere Jugend zu aufgeschlossenen, kritischen Menschen mit Zivilcourage zu erziehen. Zu Menschen, die
rechtzeitig die Gefahren von Ausgrenzung und Intoleranz erkennen
und dagegen kämpfen. Nur so geben wir dem Frieden eine Chance."

Diese Herausforderung könne am besten in einem Klima der sozialen Sicherheit bewältigt werden. Denn Angst um den Arbeitsplatz und
den Verlust des Lebenstandards verleiten zur Entsolidarisierung
und politischen Extremismen. Verzetnitsch: "Hoffnungslosigkeit
ist der fruchtbarste Nährboden für Radikalität und Gewalt." Daher müssen sich alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam dafür einsetzen, den Menschen genügend Arbeitsplätze, bei denen man genug zum Leben verdient, und sozialen Schutz zu garantieren.

Dieses Engagement müsse sowohl auf nationaler wie auch internationaler Ebene im Mittelpunkt stehen. Der ÖGB-Präsident weist darauf hin, dass die Europäische Union nicht nur ein Wirtschafts- sondern auch ein Friedensprojekt sei. "Aus diesem
Grund müssen wir die EU mit Institutionen ausstatten, mit denen
sie Frieden, politische Stabilität und Demokratie gewährleisten kann", so Verzetnitsch. (kr)

ÖGB, 5. Mai 1999 Nr. 205

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