Resolution der Hochschülerschaft an der TU-Graz zur UniStG-Novelle

Wien (OTS) Die Hochschülerschaft an der TU-Graz fordert eine Verlängerung der Diskussion über das Bachelor/Masterstudium auf möglichst breiter Basis, auf jeden Fall über den 10. Mai hinaus, um eine sinnvolle Gestaltung der Universitätsstudien im Sinne einer zukunftsweisenden universitären Ausbildung zu gewährleisten. Der derzeitige Entwurf scheint uns sehr undurchdacht, überstürzt entworfen und inkonsistent zu sein, und verfehlt sowohl die von Ihnen selbst gesteckten Ziele (siehe Anhang zum Entwurf der Novelle), als auch die in der Sorbonne-Erklärung auf europäischer Ebene gemeinsam formulierten Entwicklungsgrundsätze.

Widerspruch zum eigentlichen Sinn einer universitären Ausbildung Entsprechend §2 Abs.1 u. 2 UniStG’97 und der ergänzenden Bemerkungen dazu wurde als Ziel der Diplomstudien die wissenschaftliche Berufsvorbildung definiert. Weiters kann es demnach nicht Aufgabe der Universitäten sein, ein abschließendes, unmittelbar anwendbares Berufswissen und -können zu vermitteln. Die Universitäten nehmen ihre Bildungsaufgabe wahr durch die wissenschaftliche Berufsvorbildung in den Diplomstudien und die Heranführung zur Fähigkeit, durch selbständige Forschung zur Entwicklung der Wissenschaften beizutragen. Da das geplante Bachelorstudium ähnlich wie das Fachhochschulstudium strukturiert sein soll, nämlich mit einer verpflichtenden Abfolge von Lehrveranstaltungen und Prüfungen, in dem die Lern- und Forschungsfreiheit der Studierenden und die eigenständige Gestaltung des Studiums massiv eingeschränkt wird, und die Heranführung zur Fähigkeit, wissenschaftliche Selbständigkeit zu erlangen, als Ziel vernachlässigt wird, sehen wir diesen Bildungsauftrag als massiv gefährdet an.

Nichtberücksichtigung der Sorbonne-Erklärung
Die Ziele der Sorbonne-Erklärung sind eine verstärkte Internationalisierung und erhöhte Flexibilität der europäischen Studierenden. Diese Ziele sind durch den derzeitigen Entwurf nicht erfüllt. Zudem sehen die vier Bildungsminister vor, daß Studierende nach Abschluß des Bachelorstudiums sich entweder für die kürzere Ausbildung zum Master oder zur längeren Ausbildung zum Doktor entscheiden können. Nach dem derzeitigen Entwurf wird es in Österreich nach wie vor nur über die Absolvierung des Masterstudiums möglich sein, einen Doktorgrad zu erlangen.

Erschwerung der Internationalisierung
Durch die sehr starre Gestaltung des Bachelor-Studiums mit Prüfungsketten und Verringerung der Prüfungstermine wird vor allem die angestrebte Internationalisierung, die laut Sorbonne-Erklärung schon im Bachelorstudium für alle Studierenden angestrebt werden soll, nahezu unmöglich gemacht. In einem derart verschulten System können Auslandsaufenthalte nur dann verantwortet werden, wenn eine Anerkennung der, an den ausländischen Universitäten absolvierten, Prüfungen gewährleistet ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in puncto Internationalisierung ist die weltweite Akzeptanz der in Österreich neu definierten Titel "Bachelor of ..." und "Master of ...". Daß dieser Problematik im vorliegenden Gesetzesentwurf keinerlei Augenmerk geschenkt wird, ist offensichtlich ein weiteres Indiz dafür, daß der Gesetzesentwurf unausgegoren ist. Aus Sicht der Hochschülerschaft an der TU-Graz ist es unbedingt notwendig, vor einer endgültigen Beschlußfassung den Punkt internationale Akkreditierung der neuen Titel Bachelor und Master in den Entwurf aufzunehmen.

Garantierte Verlängerung der Studienzeit
Unserer Meinung nach ist durch ein starres Prüfungssystem mit verminderten Prüfungsterminen keineswegs eine Studienzeitverkürzung gesichert, im Gegenteil scheint die zu geringe Anzahl der Prüfungstermine vielfach der Grund für eine Studienzeitverlängerung zu sein. Da das auch im Zuge der Erstellung des UniStG 97 erkannt wurde, sieht das derzeitige UniStG eine gewisse Mindestanzahl von Prüfungsterminen, nämlich drei an der Zahl pro Semester vor. Eine Abänderung dieser Regelung, wäre also eindeutig eine Entwicklung in die falsche Richtung, zumal es sehr oft eine Begrenzung der Prüfungsplätze gibt, die durch die personellen und infrastrukturellen Ressourcen an den Universitäten bedingt sind. Darüber hinaus ist es auf keinen Fall ausreichend, das "anglo-amerikanische System" per Gesetz zu verordnen, ohne die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein verschultes System kann nur dann funktionieren, wenn auch das "Rundherum", also die Universität, sich als Schule versteht. Da das aber offensichtlich weder das Ziel noch die Absicht des Ressorts ist, und außerdem weder von uns Studierenden gewünscht noch von den UniversitätsprofessorInnen und AssistentInnen mitgetragen wird, ist die Gesetzesnovelle in diesem Punkt zum Scheitern verurteilt.

Eine Verschulung der Universitäten steht zudem in krassem Gegensatz zu §7 (2) des derzeitigen UniStG, wonach bei der Gestaltung des Lehrangebotes die besondere Situation berufstätiger Studierender (fast 80% aller Studierenden sind in irgend einer Art und Weise berufstätig) zu berücksichtigen ist. Weiters würde der derzeitige Vorschlag einen sozialen Numerus Clausus bedeuten.

Aus den oben erwähnten Gründen fordern wir eine Verlängerung der Diskussions- und Planungsphase für die Novellierung des UniStG, um auch weiterhin eine qualitativ hochwertige und im internationalen Bereich anerkannte Ausbildung an den österreichischen Universitäten zu garantier

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