Verzetnitsch: Arbeitsplätze sichern und schaffen!

Gerechte Verteilung von menschenwürdiger Arbeit bleibt vorrangigstes Ziel des ÖGB

Wien (ÖGB). "Die gerechte Verteilung von Arbeit und Einkommen, von denen man auch menschenwürdig leben kann, sind nach wie vor die wichtigsten Ziele des ÖGB unmittelbar vor der Jahrtausendwende." Das erklärt ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch in seiner heurigen Maibotschaft. ++++

"Wir kämpfen für eine Welt, in der menschenwürdige Arbeit gerecht verteilt ist. Wir wehren uns gegen eine Welt, in der nur mehr dem Aktienkult gehuldigt wird und diesem jede Menschlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung geopfert werden", so Verzetnitsch. Der ÖGB Präsident warnt davor, dass soziale Unzufriedenheit oft zu gesellschaftlichen Spannungen und Ausgrenzungen von sozial Schwächeren führe.

Aktiengewinnsucht

Die hemmungslose Gewinnsucht der Aktionäre hat auch Österreich erfasst: Immer mehr Unternehmen investieren ihre Gewinne nicht
mehr in die Weiterentwicklung ihres Unternehmens, die Ausbildung ihrer Mitarbeiter und Schaffung sowie Sicherung von
Arbeitsplätzen. Die einzigen, die davon profitieren, sind Aktienbesitzer, die saftige Dividenden beziehen und dafür oft weniger Steuern bezahlen als ArbeitnehmerInnen mit kleinem Einkommen.

"Diese Trends beweisen eindeutig, dass die Behauptung ,nur Wirtschaft schafft Arbeit’ leere Worthülsen sind", sagt Verzetnitsch. Niemand könne diese Herausforderung alleine bewältigen. "Wir tragen alle dazu bei, weil mit den Steuergeldern von allen die Infrastruktur und die Ausbildung der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezahlt werden." Gerade in
Zeiten des Wandels - wie wir ihn derzeit erleben - ist die Politik mehr denn je gefordert, diese Rahmenbedingungen zu gestalten und dabei ihren Schwerpunkt auf die Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik zu legen.

Arbeitszeitverkürzung

Arbeitszeitverkürzung ist ein wesentliches Instrument, um Arbeit gerechter zu verteilen. Schon allein der Abbau von permanenten Überstunden würde in Österreich Tausende neue Arbeitsplätze schaffen. Verzetnitsch weist darauf hin, dass es viele Varianten
von Arbeitszeitverkürzung gäbe. So sei etwa die geplante Altersteilzeit genauso eine Form der Arbeitszeitverkürzung wie
etwa die Bildungskarenz. "Es darf nicht zur Regel werden, dass man mehrere Jobs braucht, um genug zum Leben zu verdienen", so der ÖGB-Präsident. "Daher fordern wir eine ehrliche Diskussion sowie klare Regelungen und Maßnahmen zur Arbeitszeitverkürzung wie sie auch vom Wirtschafts- und Sozialbeirat mehrfach vorgeschlagen wurde."

Auch Maßnahmen gegen die gewerbsmäßige illegale Beschäftigung würden neue Arbeitsplätze bringen. Der ÖGB fordert daher, dass die bereits im Ministerrat beschlossene Gesetzesvorlage, die eine wirksame Bekämpfung der organisierten illegalen Beschäftigung ermöglichen würde, noch in dieser Legislaturperiode vom Parlament verabschiedet wird.

EU-Wahl-Aufruf

Der ÖGB-Präsident nimmt die Mai-Botschaft auch zum Anlaß, die Österreicherinnen und Österreicher zur Teilnahme an den EU-Wahlen am 13. Juni aufzurufen. "Immer mehr Entscheidungen, die uns tagtäglich betreffen, werden in Brüssel gefällt. Es ist daher wichtig, dass Brüssel unsere Stimme deutlich hört." Gerade für die ArbeitnehmerInnen stehe in den kommenden Jahren viel auf dem
Spiel: Es gehe um den Weg Europas: "Wollen wir einen neoliberalen Weg, der rein geldorientiert ist oder wollen wir eine positive Wirtschaftsentwicklung mit sozialer Verantwortung?"
Es gehe auch um die Sicherung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze und um eine EU-Erweiterung, die Rücksicht auf die soziale und wirtschaftliche Lage der beitrittswilligen Staaten
sowie den österreichischen Arbeitsmarkt nimmt.

Die EU sei aber nicht nur ein Wirtschafts- und Sozialprojekt, sondern vor allem ein Friedensprojekt. Verzetnitsch: "Es braucht gerade in Zeiten, in denen vor unserer Tür ein Krieg tobt und
ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt werden, unser aller Unterstützung." (kr)

ÖGB, 29. April 1999 Nr. 190

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