3. Mai: Concordia-Preis für Pressefreiheit an Radio Twist/Bratislava

Wien (OTS) - Der vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) dotierte Concordia-Preis für Pressefreiheit, der heuer erstmals ausgeschrieben wurde, wird am 3. Mai 1999 im Presseclub Concordia in Wien an den privaten slowakischen Sender Radio Twist/Bratislava überreicht. Der Sender hat, so die Jury in ihrer Entscheidung, persönlichen Mut bewiesen und in schwierigen Zeiten einen wesentlichen Beitrag zur freien Berichterstattung geleistet.

Gleichzeitig erfolgt am 3. Mai, dem Tag der Pressefreiheit, auch die erstmalige Überreichung des Ehrenpreises der Concordia an George Tabori, dessen Lebenswerk damit geehrt werden soll. Bereits zum zweiten Mal wird heuer der Concordia-Preis für hervorragende publizistische Leistungen für Menschenrechte und Demokratie vergeben, der heuer der freien Journalistin Judith Brandner insbesondere für ihre ORF-Hörfunkreihe über 50 Jahre Menschenrechte zuerkannt wurde.

"Frequenz des menschlichen Herzschlages"

Radio Twist wurde in der zweiten Jahreshälfte 1992 von Andrej Hryc, dem Generaldirektor der Station, und seinem Schwager, dem Rundfunkjournalisten Lubos Machaj, der heute Programmdirektor des Senders ist, gegründet. Bereits am 1. Februar 1993 hat Radio Twist den Sendebetrieb aufgenommen, zuerst auf den Westen der Slowakei beschränkt, zwischenzeitlich erstreckt sich das Sendegebiet auf die gesamte Slowakei.

Vom ersten Tag an verschrieb sich die "Frequenz des menschlichen Herzschlages" - und in direktem Konkurrenzverhältnis mit dem staatlichen Slowakischen Radio - der Idee, auch meinungsbildendes Radio zu machen, das auf Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit baut. Dementsprechend ist auch der Programm-Mix: 60 bis 65 Prozent entfallen auf Musik und Unterhaltung, 35 bis 40 Prozent sind der Information gewidmet. Damit ist Radio Twist der einzige slowakische Privatsender, der nicht ausschließlich auf Musik setzt.

In der Meciar-Ära von 1994 bis 1998 wurde die Pressefreiheit in der Slowakei weitreichenden Einschränkungen unterworfen. Der staatliche Rundfunk und das Slowakische Fernsehen wurden als regimetreue Propagandamedien instrumentalisiert, und die privaten Medien wurden vielfach schikaniert. Die Opposition hatte praktisch keinen Zugang zu elektronischen Medien.

In dieser kritischen Situation bot Radio Twist, das sich von Beginn an in seiner Berichterstattung dem Pluralismus und der Demokratie verpflichtet sah, die einzige Alternative im Land. Aber die Reaktion des Meciar-Regimes ließ nicht lange auf sich warten. Allen Unternehmen im staatlichen Einflußbereich wurde verboten, überhaupt mit Radio Twist Kontakt zu halten, erst recht wurde ihnen untersagt, in Radio Twist zu werben, um den Sender auszuhungern. Außerdem wurden die Angriffe immer gezielter und direkter, was unter anderem im Herbst 1997 darin gipfelte, daß der Sender im Gebiet von Bratislava 24 Stunden lang abgeschaltet wurde. Ein anderes Mal wurde wiederum versucht, einfach die Energieversorgung lahmzulegen.

Die Verantwortlichen und Mitarbeiter von Radio Twist waren aber auch vielfältigen Bespitzelungen und Bedrohungen seitens der slowakischen Geheimpolizei ausgesetzt. Andrej Hryc etwa wurde gezielt hinterbracht, daß der Geheimdienst für ihn einen Verkehrsunfall zu "organisieren" plane.

Aber dank Unterstützung seitens der Öffentlichkeit und unabhängiger Presse blieb Radio Twist auch unter diesen widrigen Umständen auf Kurs. Mit großem Engagement und Einfallsreichtum wurde in der Vorphase der Wahlen 1998 die Bedeutung dieser demokratischen Entscheidung popularisiert. In einer "Black Box" genannten Sendung wurde zum Beispiel Hörern die Möglichkeit geboten, frei ihre politische Meinung zum Ausdruck zu bringen – die oft im krassen Widerspruch zur Meciar-Linie stand. Zu Wort kamen jedoch alle – vom extrem linken bis zum extrem rechten Spektrum –, womit sich Radio Twist in dieser Zeit als das einzige offene und pluralistische elektronische Medium in der Slowakei profilierte.

Dem Sender selbst aber waren in seiner Informationsaufgabe per Gesetz die Hände gebunden. Deshalb wurde etwa Wochen hindurch am Beginn der Nachrichtensendungen eine Mitteilung von Andrej Hryc ausgestrahlt, in der er darauf hinwies, daß es durch die restriktiven Wahlgesetze rechtlich verboten sei, den Hörern ein umfassendes Bild der politischen Entwicklung zu bieten. Mit dem Ersuchen um Verständnis und Entschuldigung versprach Hryc jedoch dem Publikum, die ungeschminkte Wahrheit nach dem Wahltag zu berichten - der den Zeitpunkt darstelle, um die Restriktionen aufzuheben ...

VÖZ als Sponsor des Concordia-Preises für Pressefreiheit

Der VÖZ hat aus Anlaß des 50. Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen im Dezember des Vorjahres beschlossen, den Concordia-Preis um die Kategorie Pressefreiheit zu erweitern und jährlich mit ATS 50.000,-- zu dotieren, "um sich dieses wertvollen Grundrechtes in seiner ganzen Bandbreite zu besinnen". Für diesen Preis können Personen eingereicht werden, die entweder durch ein hervorragendes persönliches Verhalten oder durch hervorragende publizistische - verlegerische oder journalistische - Leistungen in dem der Verleihung vorangehenden Jahr den Zielen des Preises entsprochen haben; die Leistungen bzw. publizierten Arbeiten sind dabei nicht auf das Gebiet der Republik Österreich beschränkt. Heuer hat es dafür insgesamt neun Einreichungen gegeben.

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