TODESFALLE KRAFTWERK SCHÜTT Jährliches Huchen-Sterben am Kraftwerk Schütt a.d. Gail WWF fordert ausreichend Restwasser

Villach (OTS) - Eine Naturtragödie ereignet sich derzeit am KELAG-Kraftwerk Schütt an der Gail: Zahlreiche Huchen werden auf ihrem Weg zu den Laichplätzen von der Staumauer aufgehalten und müssen notlaichen. Nach der Schneeschmelze dreht die KELAG das Wasser ab, viele der weltweit gefährdeten Fische und der gesamte Laich sterben im trockenen Flußbett - und das Jahr für Jahr. "Was hier passiert, ist ein ökologisches Verbrechen ersten Ranges und außerdem Tierquälerei! Es zeigt sich wieder, daß die KELAG für Natur nichts übrig hat - und die zuständige Abteilung der Landesregierung sieht tatenlos zu", stellt Mag. Markus Schneidergruber, Biologe beim WWF, anläßlich eines Lokalaugenscheins empört fest.

Veraltete Kraftwerks-Genehmigung aus 1906 bis heute gültig!

Verantwortung bei KELAG und Landesregierung

Die Verantwortung für das jährliche Huchensterben an der Gail liegt für den WWF sowohl bei der KELAG, die keine Bereitschaft zu einem freiwilligen Umbau des Kraftwerks zeigt, als auch bei der zuständigen Stelle der Landesregierung. Die hoffnungslos veraltete Bewilligung, die kein Restwasser vorsieht, stammt aus dem Jahr 1906 und ist immer noch unverändert gültig. So ist es möglich, daß das Kraftwerk Schütt die Gail auf über vier Kilometer völlig ausleitet und den Fluß fast das ganze Jahr über in ein trockenes Schotterbett verwandelt. "Dabei hat die Landesregierung sehr wohl die Möglichkeit, das veraltete Kraftwerk an moderne ökologische Standards anzupassen und Restwasser vorzuschreiben - und zwar mit der Einleitung eines §21a-Verfahrens nach dem Wasserrecht", erklärt Mag. Markus Schneidergruber vom WWF. Gefordert ist hier der zuständige Umwelt-Landesrat Helmut Schiller.

WWF fordert Restwasser und Umgehungsgerinne

"Für das Fortbestehen der Huchen in Kärnten ist es unumgänglich, das Kraftwerk Schütt mit ausreichend Restwasser zu dotieren und ein funktionierendes Umgehungsgerinne für die Fische zu bauen", fordert Mag. Schneidergruber. Andere Bundesländer gehen diesen Weg bereits:
In Niederösterreich werden heuer mit Hilfe der EU 50 Millionen ausgegeben und 13 Wehre umgebaut, damit Huchen und andere Fischarten wieder ungehindert zum Laichen zu ihren Geburtsorten an den Oberläufen der Flüsse wandern können. "Hier genügt es, ein einziges Kraftwerk umzubauen, um 100 km fisch-durchlässige Flußstrecken zu schaffen", erläutert Mag. Markus Schneidergruber und fügt hinzu: "Es ist unverständlich, daß die KELAG und ihre ,Kraftwerk-Dinosaurier" immer noch ungehindert und in diesem Ausmaß Natur zerstören dürfen."

Weltweit gefährdet, an der Gail zum Tode verurteilt: Der Huchen

Der Huchen oder Donaulachs ist einer der größten europäischen Süßwasserfische und kann eine Länge von 1,8 Metern und ein Gewicht von 70 kg erreichen. Er kommt nur im Einzugsgebiet der Donau vor und zählt heute nach Angaben der IUCN (International Union for Conservation of Nature) zu den weltweit gefährdeten Fischarten: Nur mehr 5% der ursprünglichen Population leben heute noch! Auch nach den Naturschutzrichtlinien der EU ist der Huchen prioritär zu schützen -die Kärntner Landesregierung ist daher verpflichtet, das Untere Gailtal als Europaschutzgebiet Natura 2000 zu nennen. Verantwortlich für den drastischen Rückgang der Huchen sind vor allem Gewässerverschmutzung, Flußregulierung und Wasserkraftwerke, die für den Huchen unüberwindbare Hindernisse auf dem Weg zu den Laichplätzen darstellen.

Naturjuwel Unteres Gailtal - trockengelegt von der KELAG

Die ökologischen Auswirkungen des Kraftwerks Schütt gehen aber weit über das lnagsame Verschwinden der Huchen und anderen wandernder Fischarten wie Äsche, Barbe oder Nase hinaus. Das Kraftwerk Schütt legt die Gail ausgerechnet in einer spektakulären Naturstrecke im Bergsturzgebiet Dobrasch trocken. Zahlreiche Tiere und Pflanzen verlieren hier ihren Lebensraum, der Grundwasserspiegel sinkt, der Erholungswert wird beeinträchtigt. Dabei stellt das Untere Gailtal eigentlich ein Naturjuwel ersten Ranges dar und wurde vom WWF in die Liste der 200 wichtigsten Naturgebiete Österreichs aufgenommen. Mit der Kampagne "Netz des Lebens" setzt sich der WWF für die Nennung des Gebiets als Europaschutzgebiet Natura 2000 ein.

Die Forderungen des WWF:

1. Wasser für die Gail: Restwasserdotation für die Ausleitungsstrecke von mindestens 10m3 / s.

2. Durchgängigkeit: Errichtung eines funktionierenden Umgehungsgerinnes, damit die Gail für Fische wieder passierbar wird.

3. Schutz für das Naturjuwel Unteres Gailtal: Nominierung als Europaschutzgebiet Natura 2000.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 48817-280 od. 0664/3023729

WWF Österreich, Corinna Milborn,

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WWF/OTS