Gemeinnützige Organisationen fordern Spenden - Entlastungspaket

Pressekonfernez am 17.4.1999 86 Prozent der Österreicher für Entlastung von Spendenorganisationen IÖGV erwartet Erhöhung des Wertes der Spenden um ein Viertel

Wien (OTS) - Ohne die hohe Spendenbereitschaft der Österreicher
und ohne den Einsatz der Hilfsorganisationen wären die vielfältigen Hilfsmaßnahmen für die Menschen im Kriegsgebiet in Jugoslawien nicht möglich. Davon ist eine überwältigende Mehrheit von 82 Prozent der Österreicher überzeugt. Noch mehr, nämlich 86 Prozent der Österreicher, vertreten die Auffassung, die Tätigkeit spendensammelnder Organisationen müsse durch steuerliche Entlastungen erleichtert werden. Nach Schätzungen der Interessensvertretung österreichischer gemeinnütziger Vereine, IÖGV, kann das Spendenaufkommen um ein Viertel gesteigert werden - einfach durch steuerliche Maßnahmen, ohne daß die Österreicher mehr spenden müßten.

Ein Teil dessen, was sich der Staat erspart, weil Hilfsorganisationen tätig werden und nicht der Staat, muß an die Organisationen zurückfließen. Dies forderte die IÖGV heute in Wien. Die IÖGV legte ein sechs Punkte umfassendes Spenden -Entlastungspaket vor und fordert von der Bundesregierung die sofortige Umsetzung.

Basis für das Forderungspaket ist eine aktuelle repräsentative, österreichweite ISMA-Umfrage. Demnach wäre rund ein Fünftel der Österreicher bereit mehr zu spenden, wenn Spenden absetzbar wären. Bei den Bestverdienern steigt dieser Anteil sogar auf rund ein Drittel. Hier besteht ein großes Potential, das Spendenaufkommen zu steigern.

"Auch die Krise im Kosovo, ihre Auswirkungen und die schnelle Hilfe zeigen täglich, wozu die Österreicher und die Hilfsorganisationen in der Lage sind. Die Bundesregierung unterstützt die Hilfsmaßnahmen. Die jetzige Form der Kooperation darf nicht nur aus einem tragischen Anlaß einer Krise heraus praktiziert werden, sondern muß zum Muster einer durchgängigen Politik gegenüber gemeinnützigen Organisationen werden. 86 Prozent der Österreicher vertreten diese Auffassung - ein klares Votum", so Robert Francan von der IÖGV.

Die ISMA-Umfrage spiegelt auch die überwältigende Spendenbereitschaft der Österreicher wider: Ein Viertel der Bevölkerung spendet regelmäßig, jeder zweite Österreicher zumindest gelegentlich, 20 Prozent geben an, selten zu spenden. Am größten ist die Hilfsbereitschaft durch Spenden bei den Alten und bei den Beziehern von kleinen und mittleren Einkommen. Je weniger jemand selbst hat, desto höher ist die Bereitschaft zu spenden.

Der Gesamtbetrag, den die Österreicher spenden, wäre durch einfache, schnelle Maßnahmen um bis zu 25 Prozent mehr wert: Das Spendenaufkommen würde von derzeit rund 4 Milliarden auf 5 Milliarden Schilling pro Jahr steigen, schätzt die IÖGV auf Basis der aktuellen Umfrage. Der Effekt wäre die dringend erforderliche Stärkung gemeinnütziger Tätigkeit, ohne daß die Spender tiefer in die Tasche greifen müßten. "Es geht nicht, daß die Steuerreform keinerlei Begünstigungen für gemeinnützige Organisationen bringt. Aber es ist noch nicht zu spät. Bis zur Beschlußfassung der entsprechenden Gesetze Mitte Juni durch den Nationalrat können leicht noch Ergänzungen vorgenommen werden", forderte Francan namens der Organisationen.

Der finanzielle Spielraum der gemeinnützigen Organisationen könnte durch Umsetzung zusätzlicher einfacher steuerlicher Maßnahmen zugunsten der Organisationen kurzfristig noch weiter gesteigert werden.

In sechs Bereichen verlangen gemeinnützige Organisationen Entlastungsmaßnahmen für Spender und Spendenorganisationen:
Absetzbarkeit von privaten Spenden; Absetzbarkeit von Firmenspenden; einen zeitgemäßen Sponsoringerlaß; Befreiung von der Mehrwertsteuer und Vorsteuerabzugsberechtigung; Finanzierung einer großangelegten Kampagne durch die Regierung, um durch die Umstellung von Schilling auf den EURO bedingte Spendeneinbrüche zu verhindern; Befreiung von der Werbesteuer.

"Bei CARE Österreich würden diese Entlastungen zu einer Erhöhung des Spendenaufkommens um ein gutes Viertel führen. Damit wären wir endlich in der Lage, die Finanzierung langfristiger Projekte der Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig abzusichern,", so Dr. Leopold Röhrer, Mitglied der Geschäftsführung von CARE Österreich.

CARE leistet derzeit Nothilfe für Flüchtlinge aus dem Kosovo in Mazedonien und Albanien. "Nach den Strapazen ihrer Flucht geht es den Flüchtlingen ums Überleben", so Dr. Röhrer. Als Erstversorgung werden 20.000 CARE Pakete mit Babynahrung, Lebensmitteln, Medikamenten und Decken verteilt. CARE leitet zwei Flüchtlingslager und versorgt in drei albanischen Städten je eine Suppenküche mit insgesamt 50 Tonnen Nahrungsmitteln.

Auch SOS-Kinderdorf ist nach den ersten Schreckensbildern der Flüchtlingstragödie im Kosovo sofort tätig geworden. Vom bestehenden SOS-Kinderdorf in Tirana wurde umgehend ein SOS-Nothilfeprogramm gestartet, das vor 50 Jahren in Österreich gegründete Sozialwerk beteiligt sich am Österreichcamp und stellt in einer Reihe von SOS-Kinderdörfern in ganz Österreich Räumlichkeiten für die Aufnahme von Flüchtlingen bereit. Rasche und unbürokratische Soforthilfe in Krisenregionen überall auf der Welt ist nur ein Teil der laufenden Arbeit der Organisation, die in über 130 Ländern tätig ist.

Schwerpunkt von SOS-Kinderdorf ist die langfristige familiäre Betreuung junger Menschen in Not. Die Organisation ist zu mehr als 70 Prozent auf private Spenden angewiesen. Monika Franta, Geschäftsführerin SOS-Kinderdorf Wienerwald: "Wenn durch die Absetzbarkeit privater Spenden das Spendenaufkommen lediglich um 1 Prozent gesteigert werden kann, könnte mit den Mehreinnahmen ein Jahr lang der Unterhalt für alle Kinder im SOS-Kinderdorf Wienerwald gedeckt werden."

Wesentlicher noch erscheint SOS-Kinderdorf die steuerliche Absetzbarkeit von Firmen-Spenden. Wiederholt entgehen dem Sozialwerk Spenden, weil Unternehmen vermehrt nur dort spenden, wo die Absetzbarkeit anerkannt wird. Erfolgt die Spende aus dem Werbebudget, wird aus steuerlichen Gründen (Sponsoringerlaß) eine werbliche Gegenleistung verlangt. "Das ist in manchen Situationen pädagogisch sehr bedenklich. Sehr häufig werden unsere Kinder zu Werbeträgern von Firmen. Da muß es doch Alternativen geben.", fordert Monika Franta sofortige Maßnahmen von der Regierung ein.

"Zu Recht stehen die dringenden Hilfsmaßnahmen derzeit im Mittelpunkt des Interesses", so Dr. Marga Hubinek, Präsidentin des Stiftungsrats des WWF Österreich. In der Diskussion um steuerliche Erleichterungen für Spender und Spendenorganisationen müssen jedoch alle gemeinnützigen Organisationen in Österreich berücksichtigt werden. "Die Organisationen leisten mit Hilfe der Spender einen unverzichtbaren Beitrag für die österreichische Gesellschaft. Wie in anderen europäischen Ländern sollen die Spender durch die Absetzbarkeit ihrer Beiträge auch profitieren", unterstrich Dr. Hubinek.

Neben anderen Maßnahmen müsse die Bundesregierung eine Aufklärungskampagne in der Öffentlichkeit finanzieren, um die von den Organisationen befürchteten negativen Auswirkungen der von der Regierung beschlossenen EURO-Umstellung auf die Spendenbereitschaft und die Spendenhöhe verhindern zu helfen, forderte Dr. Hubinek

"Die Regierung muß handeln. 83 Prozent der Bevölkerung sind für Begünstigungen - das ist ein klarer Auftrag. Unsere Vorschläge liegen am Tisch", appellierte Robert Francan an die Bundesregierung.

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