Bohunice-Weiterbetrieb: Slowakei will internationale Sicherheitsstandards selbst festlegen

Greenpeace fordert klare Antwort der EU sowie der österreichischen Bundesregierung.

Wien (OTS) - Ob die slowakischen Atomkraftwerke, die unter anderem von der EU für den EU-Beitritt geforderten internationalen Sicherheitsstandards erfüllen, wird in Hinkunft von der slowakischen Atomaufsichtsbehörde UJD entschieden. Dies ist ein wichtiger Teil des Beschlusses der slowakischen Regierung in ihrer gestrigen Ministerratssitzung, die beiden V1- Hochrisikoreaktoren des Atomkraftwerkes Bohunice über das Jahr 2000 hinaus zu betreiben. Für Greenpeace ist dies Vorgangsweise vollkommen inakzeptabel. ”Die Frage, ob ein Atomkraftwerk internationale Sicherheitsstandards hat, kann nicht durch eine nationale Atomausichtsbehörde beantwortet werden. Grundlage kann nur eine Sicherheitsüberprüfung von neutraler Seite sein. Sei es durch eine unabhängige Expertenkommission oder durch Kontrollbehörden der EU. Die IAEO, als per Statut der Förderung der Atomenergie verpflichtet, scheidet für eine objektive Überprüfung ebenso aus wie die UJD. Denn in beiden Fällen gilt: Damit würde der Bock zum Gärtner gemacht”, sagte Greenpeace-Sprecher Alexander Egit. Bei Bohunice ist die Frage der Sicherheitsstandards allerdings ohnehin irrelevant. In der Agenda 2000 hat die EU die beiden Bohunice V1-Reaktoren unter die sogenannten Hochrisiko-Reaktoren gereiht, bei denen Sicherheitsverbesserungen keinesfalls zu einem international akzeptablen Sicherheitsniveau führen können. Daher wird von der EU für Bohunice, ebenso wie beim litauischen AKW Ignalina und dem bulgarischen AKW Kosloduj, eindeutig eine Abschaltung gefordert.

Die UJD hat dem AKW Bohunice in einem Bericht verbesserte Sicherheitsstandards attestitert. Auf dieser Grundlage geht die slowakische Rgierung laut ihrem Ministerratsbeschluß davon aus, daß mit der zur Zeit vorgenommenen sicherheitstechnischen Nachrüstung der beiden V1-Reaktoren von Bohunice das von der EU geforderte internationale Sicherheitsniveau erreicht wird. Diese Nachrüstung unter Federführung von Siemens-KWU (Kraftwerksunion) wird 1999 abgeschlossen sein. Der slowakische Wirtschaftsminister Cernak, einer der glühendsten Atombefürworter in der slowakischen Regierung, ist in dem Beschluß weiters aufgefordert worden Ende 2000 zu überprüfen, ob Bohunice zu diesem Zeitpunkt internationale Sicherheitsstandards erreicht hat. ”Die slowakische Regierung hat die Flucht nach vorne angetreten. Da ihr klar ist, daß Bohunice niemals internationales Sicherheitsniveau erreichen kann, hat sie sich entschlossen, die Standards selbst zu definieren. Wir fordern die EU und vor allem den östereichischen Bundeskanzler Viktor Klima auf, einen Strich durch diese Rechnung zu machen”, sagte Egit abschließend.

Weitere Informationen: Mag. Alexander Egit, Greenpeace Österreich, Tel.: 5454580-25 oder: 0664/3262555 Bettina Tasser, Pressesprecherin Greenpeace Österreich, Tel.: 5454580- 29 oder: 0664/2407075

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP/OTS