Flemming: Verhältnis zwischen den Generationen ist keine schiefe Ebene

Seniorenbeauftragte des Familienministeriums bei EURAG- Kongreß

Wien/Graz (OTS) - "In den Familien zeigt sich, daß das
Verhältnis zwischen den Generationen keine schiefe Ebene ist. Eine Studie des Familienministeriums hat gezeigt, daß bei den Leistungen, die Jüngere und Ältere füreinander erbringen, ein Gleichgewicht herrscht. Während die Jüngeren Solidaritätsleistungen in der Altenpflege und durch Pensionsbeiträge erbringen, helfen die älteren Menschen durch Kinderbetreuung, Angehörigenpflege und materielle Zuwendungen."
Das sagte die Seniorenbeauftragte des Familienministeriums, EU-Abgeordnete Dr. Marilies Flemming, heute, Donnerstag, bei einem Kongreß des Bundes der älteren Generation Europas (EURAG) in Graz.

Finanzielle Transfers innerhalb der Familien laufen dieser
Studie zufolge überwiegend von den Älteren zu den Jüngeren. 30 Prozent der Älteren geben bis zu 5.000 Schilling, 10 Prozent über 40.000 Schilling pro Jahr an Kinder oder Enkel weiter. Vier
Fünftel der Großeltern versorgen ihre Enkel mit Taschengeld, davon geben 13 Prozent mehr als 15.000 Schilling pro Jahr. Darüber
hinaus spart die ältere Generation für die jüngere, meist in Form eines Sparbuches, eines Bausparvertrages oder einer Lebensversicherung. Vier Fünftel der Jüngeren erwarten ein Erbe. "Von einer schiefen Ebene hin zu den Senioren in Form der Pensionsfinanzierung kann also nicht die Rede sein", hielt
Flemming fest.

Auch ein hohes Solidaritätspotential in den Familien hat die Studie zutage gefördert. Nur 0,5 Prozent können niemand angeben, auf den sie sich in kleineren Notlagen stützen könnten. Auf die Mutter könnten 40 Prozent aller Befragten zählen, wenn sie in solchen Situationen Hilfe benötigen. Auch in schwereren Fällen gibt es nur wenige, die ihrer Einschätzung nach ohne jede Unterstützung durch Verwandte oder Freunde dastünden, nämlich 1,7 Prozent. Jene, die (noch) eine Mutter haben, können hier zu 67 Prozent mit ihrer Hilfe rechnen.

"Diese wechselseitigen Leistungen der Generationen müssen sichtbarer gemacht werden", ist Flemming überzeugt. "Familien
haben Modellcharakter für das Miteinander der Generationen. Sie sind Plattformen der Generationensolidarität, die alle
Altergruppen umfassen. Ihr solidarisches Handeln reicht von der Betreuung kleiner Kinder bis zur Pflege der Hochbetagten."

Einen neuen Stellenwert brauche auch die Seniorenpolitik, forderte Flemming. Diese sei als Politikfeld in Österreich institutionell nicht verankert. Weder gebe es einen Minister für Senioren- oder Generationenpolitik, noch spiele diese als Querschnittsmaterie eine entscheidende Rolle. Eine "neue" Seniorenpolitik müsse Flemming zufolge drei Merkmale aufweisen:
sich gegen jede Diskriminierung aufgrund des Alters zu wenden, das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen zu fördern und das weitverbreitete Bild von älteren Menschen als "Last" zu korrigieren und das Altern als Gewinn und Chance zu verstehen.

Besonderes Gewicht komme einer neuen Kultur des Ehrenamtes zu. Diese solle Wert und Bedeutung älterer Menschen für das Gemeinwohl thematisieren und sichtbar machen. Das Familienministerium hat
daher begonnen, in österreichischen Gemeinden "Bürgerbüros für Jung und Alt" zu fördern. Diese bilden Drehscheiben für ältere wie jüngere Menschen, um sich für das Gemeinwohl ehrenamtlich zu engagieren. Zehn Bürgerbüros haben ihre Arbeit mittlerweile aufgenommen.

"So können Senioren ihr Recht, an Gesellschaft und Öffentlichkeit im Alter selbstbestimmt mitzuwirken, in neuer Form verwirklichen", betonte Flemming. Diese gesellschaftliche Teilhabe sei im Informations- und Medienzeitalter wichtiger als je zuvor. Ältere Menschen müßten nicht nur mehr Zugang zu den Medien haben, sondern auch in den Medien selbst anders repräsentiert sein. "Fernsehen, Printmedien und Werbung sollten achten, den Wert aller Lebensalter realistisch darzustellen. Auch die Mitsprache bei der Programmgestaltung muß gewährleistet sein. Das gilt in erster Linie für die öffentlich-rechtlichen Medien, die sich der Programmlogik privater Medienangebote - deren Werbe-Zielgruppen bekanntlich oft bei einem Alter von 49 Jahren enden - nicht
anpassen dürfen", bekräftigte Flemming. Nicht zuletzt müsse der Zugang älterer Menschen zu den neuen elektronischen Medien wie lokalen Netzwerken oder dem Internet gefördert werden, etwa durch Senioren-Netzwerke oder Website-Projekte.
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