High Tech aus Wien für Wiener Linien

Wiener Firma weltweit Technologieführer bei Funksystem

Wien, (OTS) Der digitale Sprech- und Datenfunk für das neue Verkehrsleitsystem der Wiener Linien wird von der Wiener Firma Frequentis zugeliefert. Dieses Unternehmen bringt hier sein Know-how aus der Flugsicherung ein.

Wirtschaftsstadträtin Mag. Brigitte Ederer, der Direktor der Wiener Linien, Dipl.-Ing. Günther Grois, und Frequentis-Geschäftsführer und Eigentümer Dipl.-Ing. Hannes Bardach stellten Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz das System vor, das essentieller Bestandteil des im Aufbau befindlichen Betriebsleitsystems ist.

Eine der modernsten Funkleitzentralen Europas in Erdberg

Mehr als 1.200 Fahrzeuge sind auf den insgesamt 119 U-Bahn-, Straßenbahn- und Autobuslinien unterwegs. 2.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fahrdienst sorgen – in mehreren Schichten – rund um die Uhr dafür, daß täglich mehr als 1,9 Millionen Fahrgäste in einem Netz mit mehr als 4.300 Haltestellen und einer Gesamtlinienlänge von mehr als 920 Kilometer rasch und sicher an ihr Ziel kommen.

Zwei Funkleitzentralen - eine für Straßenbahn und Autobus, eine für die U-Bahn – koordinieren den Betriebsablauf. Ein rechnergesteuertes Betriebsleitsystem (RBL) – das sich derzeit im Aufbau befindet – wird in Zukunft für noch mehr Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit, Zuverlässigkeit sowie gesicherte Anschlüsse und aktuelle Fahrgastinformation sorgen.

Die Wiener Linien leisten auf dem Gebiet der
Nachrichtentechnik Pionierarbeit und haben gemeinsam mit der
Wiener Firma FREQUENTIS ein europaweit einzigartiges Kommunikationssystem für den öffentlichen Verkehr auf die Beine gestellt.

Leistungsfähiger Betriebsfunk für koordinierten und sicheren Betriebsablauf unentbehrlich

Einen Vorläufer der heutigen Betriebsleitzentrale gab es bereits kurz nach der Jahrhundertwende. Der Kontakt zur "Betriebsinspektion” bestand vorerst lange Zeit nur über Telefonleitungen. Im Falle eines Unfalls, Gebrechens oder bei der Erkrankung eines Fahrgastes ging der Schaffner einfach zum nächstgelegenen Telefon, um von dort aus Hilfe anzufordern.
1961 wurde der erste Funkwagen in den Dienst gestellt und mit Einführung des "Einmannbetriebes" im Jahre 1971 ergab sich dann immer mehr die Notwenigkeit eines Betriebsfunksystems. Denn gerade in einer Notsituation darf der Fahrer die ihm anvertrauten Fahrgäste nicht verlassen und benötigt daher ein Medium, um seine Zentrale anzurufen oder auch selbst gerufen werden zu können: den Sprechfunk über einen Betriebsfunkkanal.

Als ab 1978 - teils anstelle der in die Jahre gekommenen Stadtbahn, teils auf neuer Strecke - der U-Bahn-Betrieb in Wien aufgenommen wurde, war es ohnedies keine Frage mehr: Die zum
großen Teil im Tunnel verkehrende U-Bahn benötigte eine Sprechverbindung zur zentralen Leitstelle. Die U-Bahn-Garnituren wurden daher von Anbeginn mit Betriebsfunk ausgestattet. Die U-Bahn-Leitstelle am Karlsplatz entwickelte sich mit
fortschreitendem Ausbau des U-Bahn-Netzes sehr rasch zum Herzstück des U-Bahn-Betriebes, in dem alle "Fäden" zusammenlaufen.

Nur "maßgeschneidertes” Vermittlungssystem wird allen Anforderungen gerecht

Da sukzessive immer mehr Fahrzeuge mit Funk ausgestattet
wurden und immer mehr drahtlose Kommunikationsmittel (z.B. Handsprechfunkgeräte) verwendet wurden, kam die Funkanlage der alten Leitstelle für Straßenbahn und Autobus allmählich an ihre Leistungsgrenze. Die Übersiedlung der Wiener Linien von der Favoritenstraße nach Erdberg und der Beginn des Aufbaues des rechnergesteuerten Betriebsleitsystems waren eine gute
Gelegenheit, die Anlagen auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Da sich serienmäßige Vermittlungen für die speziellen Anforderungen der Wiener Linien nicht eigneten, suchten die Wiener Linien per Ausschreibung einen geeigneten Lieferanten. Die Firma FREQUENTIS erhielt den Zuschlag aufgrund ihrer Erfahrungen im Sprechverkehr von Flugplatzausrüstungen. Außerdem konnte FREQUENTIS eine durchgehend digitale Sprachübertragung anbieten, die ein Maximum an Sprachverständlichkeit ohne Nebengeräusche der Vermittlungsanlage sicherstellt.

Technologie aus der Flugsicherung für die Funkleitstelle der Wiener Linien

Weil die Vermittlungsanlage gerade im Notfall sicher funktionieren muß, benötigt man eine Anlage mit mannigfacher Redundanz, mehrfachen Verbindungen über verschiedene Wege und vieles andere an Sicherheit mehr. Durch den Transfer des Know-hows aus der Flugsicherung gelang es, eine Vermittlungsanlage zu konzipieren, die eine extrem ausfallssichere und störungsfreie Kommunikation garantiert. Die Wiener Linien verfügen nunmehr über ein Verkehrsleit-Kommunikationssystem, das in seinem
Leistungsumfang einzigartig und richtungsweisend für ganz Europa ist.

Datenkommunikation im Rahmen des rechnergesteuerten Betriebs-Leitsystems (RBL)

Über das Funksystem der Wiener Linien wird nicht nur Sprache transportiert. Die Anlage wird auch zur Datenkommunikation für das rechnergesteuerte Betriebsleitsystem (RBL) verwendet. Das rechnergesteuerte Betriebsleitsystem, das derzeit die Linien 7A,
67 und 31 in einem ersten Realisierungsschritt erfaßt und in den nächsten Jahren flächendeckend ausgebaut wird, basiert auf der automatischen Standorterfassung der Straßenbahnen und Autobusse über Datenfunk.

Jedes RBL-Fahrzeug besitzt einen Bordrechner, der ständig mit einem stationären Leitrechner über Datenfunk in Verbindung steht. Dabei werden alle Fahrzeuge zyklisch (etwa alle 15 Sekunden) nach ihrem Standort abgefragt. Durch den Vergleich des tatsächlichen Standortes mit dem laut Fahrplan vorgesehenen werden Fahrplanabweichungen sofort festgestellt und sowohl dem
Disponenten als auch dem Fahrer angezeigt. Da das RBL schon sehr kleine Fahrplanabweichungen registriert, können allmählich sich einschleichende Unregelmäßigkeiten sehr frühzeitig erkannt werden. Es bleibt daher ausreichend Zeit zu disponieren, um größere Störungen zu verhindern.

Attraktivtätsschub durch Einführung des RBL

Das RBL soll die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs für den Fahrgast weiter steigern.

Grundsätzlich gilt: Regelmäßige Intervalle in den Hauptverkehrszeiten und Pünktlichkeit in jenen Zeiten, wo größere Intervalle ab ca. 10 Minuten gefahren werden.

Neben diesen eigentlich selbstverständlichen Zielen sollen
mit dem RBL-Wien Störungen nicht nur frühzeitig erkannt werden, sondern das System soll Maßnahmen vorschlagen, um einen gestörten Betrieb möglichst rasch wieder in den Regelbetrieb überzuführen. Bei der Standortabfrage werden auch gleichzeitig noch weitere Meldungen automatisch übermittelt. Die im RBL verpackte geballte Technik macht es möglich, sowohl Fahrzeugdaten wie Linie, Wagennummer, Wagentype oder technische Daten wie Störungsanzeigen etc. als auch den jeweiligen Besetzungsgrad der Fahrzeuge (der Fahrzeugrechner ist mit Gewichtssensoren gekoppelt) sowie die Dienstnummern des Fahrpersonals und Pausenzeiten der Mitarbeiter
zu erfassen.

Aus diesen Abfragedaten und den im Zentralrechner
gespeicherten Informationen erzeugt das System automatisch Dispositionshilfen (z.B. Zusammenstellung der Maßnahmen zur Störungsbehebung, Übersicht über die Reservezüge auf der Strecke und im Betriebsbahnhof etc.), die der Disponent abfragen kann. Dadurch wird es möglich, die Störung rasch in den Griff zu bekommen und dabei obendrein auch noch auf Anschlüsse, aber auch auf Ablösen und Pausen der Fahrer Rücksicht zu nehmen.

Verbesserte Kommunikation zwischen Leitstelle und Fahrer durch "codierte Meldungen”

Über Datenfunk können nicht nur die Fahrplanabweichungen, sondern auch "codierte Anweisungen” in die Fahrzeuge übertragen werden, die als Text in ein Display eingeblendet werden und so
lange sichtbar bleiben, bis die Anweisung vom Fahrer per
Tastendruck quittiert wird. Selbstverständlich können vom Fahrzeug nicht nur Standorttelegramme, sondern auch codierte Meldungen zu
den RBL-Arbeitsplätzen geschickt werden. Dadurch wird einerseits der Sprechfunk entlastet, andererseits kommt man mit codierten Meldungen sofort durch. Leitstelle oder Expedit können bei
mehreren anstehenden Meldungen nach ihrer Wichtigkeit
unterscheiden.

Gezielte Fahrgastinformation

Aufgrund der automatischen Standortbestimmung kann auch eine gezielte Fahrgastinformation erfolgen. Als einzige für den
Fahrgast wirklich "sichtbare” Auswirkung des RBL wird an besonders stark frequentierten Haltestellen (geplant ist die Versorgung von 200 bis 250 Haltestellen; ein Testbetrieb an 5 Standorten läuft bereits) die Abfahrtszeit und das Fahrziel des nächsten Fahrzeuges einer Linie auf Anzeigen dargestellt, ähnlich wie auf Flughäfen üblich. (Schluß) wstw

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