Chemische Industrie im konjunkturellen Abwärtstrend

Produktpreise im Tief - Gedämpfte Aussichten für 1999

PWK - Nach einem erfreulichen Jahresanfang 1998 begab sich die österreichische chemische Industrie im zweiten Halbjahr auf eine konjunkturelle Talfahrt, die sich im heurigen Jahr fortsetzt. Auch die heimischen Unternehmen bekamen in den letzten Monaten die Auswirkungen der Krisen in Asien und Rußland deutlich zu spüren, erklärte der Vorsteher des Fachverbandes der chemischen Industrie, Josef Frick, anläßlich einer Pressekonferenz in Wien. ****

Dem erfolgversprechenden ersten Halbjahr 1998 folgte ab dem Sommer ein deutlich erkennbarer Abwärtstrend, der sich gegen Ende des Jahres weiter verstärkte. An Stelle des erhofften Plus von 5 Prozent erreichten die österreichischen Chemiebetriebe lediglich ein wertmäßiges Wachstum von 3,3 Prozent bei einem Gesamt-Produktionswert von 103,7 Milliarden Schilling.

Monatlich rückläufige bzw. stagnierende Ergebnisse seit September weisen auch die jüngsten Konjunkturerhebungen des Fachverbandes auf. "In den ersten drei Quartalen 1998 konnten bei den Fragen nach Inlands- und Auslandsumsatz durchwegs positive Salden vermerkt werden, die Umfrage des vierten Quartals ergab dagegen ein zweistelliges Minus", schildert Frick die rasante Talfahrt der chemischen Industrie. Einbußen im Produktionswert verzeichneten insbesondere Kunststoffrohstoffe, Pflanzenschutzmittel, Dünger sowie Seifen-, Wasch-, Putz- und Pflegemittel. Bessere Umsätze erzielten dagegen Kautschukwaren, Pharmazeutika, Chemiefasern und technische Gase - letztere bedingt durch die Inbetriebnahme einer neuen Anlage.

Zusätzlich zur ohnehin gedämpften Entwicklung des Inlandsmarktes, der unter der Nachfrageschwäche wichtiger Abnehmerbranchen wie Baubereich, Landwirtschaft oder Papiersektor litt, verlor auch der Außenhandel an Dynamik.

Als Bremse erwiesen sich dabei die Wirtschaftskrisen in Südostasien, Rußland und Südamerika: Obwohl die direkten Exporte der österreichischen Chemiebetriebe in diese Regionen verhältnismäßig gering sind, waren die indirekten Auswirkungen auch auf den Stamm-Märkten der heimischen Unternehmen spürbar. Insbesondere durch die schwache Nachfrage aus dem asiatischen Raum wurden Lieferungen nach Europa umgelenkt und sorgten dort für einen verschärften Wettbewerbs-und Preisdruck.

Waren zu Beginn die Grundchemikalien vom deutlichen Preisverfall betroffen, so gerieten schließlich auch die Zwischen- und Finalprodukte zunehmend unter Druck und sorgten für einen Tiefstand bei den Produktpreisen zahlreicher Branchen. "Während in der Vergangenheit Preiszugeständnisse zumindest teilweise durch ebenfalls rückläufige Rohstoffpreise kompensiert werden konnten, fallen derzeit die Produktpreise noch stärker als die Rohstoffpreise", rechnet Frick mit einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage.

Für das erste Quartal 1999 meldeten 52 Prozent der befragten Chemieunternehmen sinkende Erträge. Auch der Beschäftigtenstand, der 1998 bei rund 41.900 Mitarbeitern lag, wird 1999 durch Rationalisierungen und Outsourcing-Maßnahmen der Betriebe voraussichtlich um weitere 2 bis 3 Prozent rückläufig sein.

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