Die Zahlungsbilanz im Jahr 1998

Wien (OTS) - Die Oesterreichische Nationalbank hat heute im
Rahmen einer Pressekonferenz die Ergebnisse der
österreichischen Zahlungsbilanz für das Jahr 1998 präsentiert. OeNB- Gouverneur und EZB-Rats-Mitglied Dr. Klaus Liebscher
verwies dabei auf die große Bedeutung, die statistische Informationen im Rahmen der geldpolitischen Strategie des Eurosystems haben. "Geldpolitische Entscheidungen", so
Gouverneur Dr. Liebscher, bedürfen "einer soliden
statistischen Basis". Das Eurosystem sei bei der notwendigen Datenharmonisierung bereits weit fortgeschritten. Die
Zahlungsbilanz des Eurosystems ist dabei Teil der Palette von relevanten Wirtschaftsindikatoren für die einheitliche
europäische Geldpolitik. Aber auch die nationalen
Zahlungsbilanzen bleiben im Rahmen der WWU wichtige wirtschaftpolitische Kenngrößen. Gouverneur Dr. Liebscher hob dabei insbesondere die Rolle der nationalen Zahlungsbilanz für
die Berechnung des Außenbeitrags des Bruttoinlandsproduktes
hervor. Aber auch unter dem Gesichtspunkt der Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und für Zwecke der Strukturpolitik benötigt die Wirtschaftspolitik weiterhin verläßliche nationale Zahlungsbilanzinformationen.

In der Folge präsentierte Direktor Dr. Peter Zöllner, das
für Statistik zuständige Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, die österreichische
Zahlungsbilanz 1998 auf Transaktionsbasis (mit Jänner 1998
wurde die Systematik der österreichischen Zahlungsbilanz umgestellt. Im Zuge dieser Umstellung wurden auch die Daten
der davorliegenden Jahre nach dem neuen Konzept rückgerechnet. Gegenüber den monatlichen Cashbilanzen bieten die Jahresdaten
auf Transaktionsbasis die Grundlage für eine detailliertere
und verbesserte Einschätzung der Zahlungsbilanzsituation Österreichs. Da die monatlichen Cashbilanzen Zahlungsströme messen, ist die bereits im Februar dieses Jahres
veröffentlichte Summe der Monate Jänner bis Dezember 1998
nicht direkt mit der periodenrichtigen Transaktionsbilanz für
das Jahr 1998 vergleichbar.) Mit einem Leistungsbilanzdefizit
von 54 1/2 Mrd S (2,1% des BIP) sei es 1998 gelungen, in einem weltwirtschaftlich schwierigen Umfeld eine Verbesserung um
7 Mrd S zu erreichen. "Motor dieser Verbesserung", so Direktor
Dr. Zöllner, "war die Dienstleistungsbilanz und dabei
insbesondere der Reiseverkehr, der sich nach fünf Jahren der Rückgänge um 10 Mrd S verbesserte."

Direktor Dr. Zöllner hob in seinen Ausführungen die
regionale Struktur der österreichischen Außenhandels-
verflechtung hervor. Während Österreich gegenüber den anderen zehn Ländern des Euroraums im Jahr 1998 ein Leistungsbilanz-defizit von 77 1/2 Mrd S hat, weist es gegenüber dem Rest der
Welt einen Überschuß von rd. 23 Mrd S auf.

Die anhaltende Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich - die zuletzt wieder in einer Studie einer internationalen Beratungsfirma bestätigt wurde - wie auch die stark zunehmende Integration unseres Landes in die
internationale Arbeitsteilung spiegelten sich 1998 - laut
Direktor Dr. Zöllner - in Rekordwerten sowohl bei der
Exportquote als auch bei den Direktinvestitionen und den Portfolioinvestitionen von Ausländern in Österreich wider. So erreichte die Exportquote mit 29,3% des BIP einen historischen Höchstwert. Die neuen Direktinvestitionen ausländischer Firmen in Österreich stiegen mit netto 73 Mrd S auf ein Niveau, das
gut 50% über dem bisherigen Höchstwert lag. Somit wurden seit
dem EU-Beitritt fast 170 Mrd S von Ausländern in Firmen in Österreich investiert, rd. 80% davon aus anderen EU-Ländern.
Bei den Käufen inländischer - insbesondere festverzinslicher -Wertpapiere durch Ausländer wurde mit 204 ½ Mrd S ein Wert erreicht, der den bereits sehr hohen Vorjahreswert um 50%
übertraf. Ebenfalls als ein positives Signal für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft bewertete Direktor Dr. Zöllner, daß die starke Verbesserung des Saldos
aus Gütern und Dienstleistungen um 22 Mrd S zwar zur Hälfte
aus dem Reiseverkehr stammt, aber auch aus einer Reihe anderer Dienstleistungskategorien resultiert.

Im Detail stellt sich das Zahlungsbilanzergebnis 1998 folgendermaßen dar:

Der Negativsaldo der Güter laut Zahlungsbilanz verminderte
sich im Jahr 1998 um rund 1 Mrd S auf 51 Mrd S, wobei die
Exporte mit knapp 8 % etwas stärker stiegen als die Importe
mit etwas über 7 %. Gegenüber dem Jahr 1997 hat die Dynamik
des Außenhandels zwar deutlich nachgelassen, sie lag aber
dennoch über dem westeuropäischen Durchschnitt. Auch innerhalb
des Jahres 1998 läßt sich die nachlassende Dynamik deutlich ablesen. In den ersten Monaten des Jahres 1998 waren z.T. noch 2-stellige Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahr zu
verzeichnen, gegen Jahresende jedoch kam das
Außenhandelswachstum praktisch zum Stillstand.

War diese seit 1996 anhaltende Außenhandelskonjunktur
anfangs von überdurchschnittlichen Zuwächsen des Warenverkehrs
mit Drittländern getragen, wurde sie 1998 im wesentlichen
durch den Warenverkehr mit der EU gestützt. Der vom ÖSTAT publizierte Außenhandelssaldo mit der EU verbesserte sich 1998
um 8 1/2 Mrd S, wogegen sich der traditionell stark positive
Saldo gegenüber Mittel- und Osteuropa um 7 1/2 Mrd S
verringerte.

Der Überschuß der Dienstleistungen erhöhte sich im Jahr
1998 um 21 Mrd S auf 33 1/2 Mrd S, wozu der Reiseverkehr fast
die Hälfte beitrug. Der Reiseverkehrsüberschuß erhöhte sich
auf 20 1/2 Mrd S, wobei die Eingänge um 4 % zu- und die
Ausgaben der Österreicher für Auslandsreisen in gleichem
Ausmaß abnahmen. Der Reiseverkehr profitierte 1998 von den fortgesetzten Bemühungen um die Verbesserung der
Angebotsstruktur und den stabilen Preisen in Österreich. So
konnte der Marktanteil am weltweiten Tourismus bei rd. 4% stabilisiert werden. Des weiteren entwickelten sich
insbesondere der Transport (Verbesserung: 3 Mrd S) sowie die sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen (z. B.
operational leasing und technische Beratung; Verbesserung:
2 Mrd S) sehr positiv.

Das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen war im Jahr 1998
mit fast 13 Mrd S um rund 11 1/2 Mrd S höher als im Jahr 1997.
Das Erwerbseinkommen zeigt aus Sicht Österreichs einen
positiven Nettobetrag von ca. 7 Mrd S. Die Teilposition Vermögenseinkommen weist dagegen - v.a. aufgrund der Nettoschuldnerposition Österreichs und dem Status eines Nettokapitalimporteurs aus Direktinvestitionen - ein Defizit
von rund 20 Mrd ATS auf.

Der Abgang unter dem Titel laufende Transfers betrug im
Jahr 1998 annähernd 24 Mrd S gegenüber 20 1/2 Mrd S im Jahr
1997. Darin enthalten ist auch der Großteil der Transaktionen Österreichs mit der EU. Die Beiträge Österreichs beliefen sich 1998 auf rund 29 Mrd S und die gesamten Rückflüsse auf rund
17 1/2 Mrd S. In dem letztgenannten Betrag sind auch jene
Zuschüsse zu Infrastrukturmaßnahmen inkludiert, die in der Teilbilanz Vermögensübertragungen enthaltenen sind. Netto hat damit Österreich 1998 - so wie 1997 - rund 11 1/2 Mrd S zum EU-Budget beigetragen.

Die Vermögensübertragungen insgesamt schlossen im
Berichtsjahr mit einem Abgang von 2 Mrd S, während sie im Jahr
1997 ausgeglichen waren.

Die Kapitalbilanz zeigte 1998 sowie im Jahr davor einen Nettokapitalimport in Höhe von 55 Mrd S.

Sowohl aktive als auch passive Direktinvestitionsströme erreichten im Jahr 1998 historische Höchstmarken. Die Direktinvestitionen des Auslandes in Österreich lagen im Jahr
1998 bei netto 73 Mrd S nach 29 Mrd S im Jahr davor. Den signifikantesten Beitrag leisteten 1998, wie schon im Jahr
zuvor, die ausländischen Beteiligungen im nunmehr
liberalisierten, technologisch anspruchsvollen Bereich Telekommunikation. Die Investitionen Österreichs im Ausland
nahmen gleichzeitig netto um 13 Mrd S auf 37 Mrd S zu und
stiegen damit zum dritten Mal in Folge an.

Im Bereich der Portfolioinvestitionen war nach dem
Rekordjahr 1997 im Berichtsjahr eine weitere Steigerung der grenzüberschreitenden Wertpapiertransaktionen zu verzeichnen. Ausländer erwarben 1998 per saldo österreichische Wertpapiere
in Höhe von 204 1/2 Mrd S gegenüber 134 1/2 Mrd S im davorliegenden Jahr. Einen wesentlichen Anteil machten dabei
die Nettokäufe von inländischen langfristigen Anleihen,
emittiert von öffentlichen Stellen, aus. Gleichzeitig kauften Österreicher ausländische Wertpapiere im Ausmaß von
146 1/2 Mrd S (Jahr 1997: 121 Mrd S). Der überwiegende Teil
dieser Investitionen wurde von den Investmentfonds und den
Banken getätigt.

Die sonstigen Investitionen - v.a. Kredite und Einlagen -schlossen im Berichtsjahr mit einem Nettokapitalimport von
8 Mrd S, während sie 1997 ausgeglichen waren. Die Banken, die
in den vergangenen Jahren die sonstigen Investitionen
dominierten, reduzierten 1998 sogar ihre grenzüberschreitenden Engagements auf der Aktivseite um 2 Mrd S und bauten
gleichzeitig ihre Verpflichtungen nur um rund 28 Mrd ATS aus, während im Berichtsjahr 1997 sowohl die Forderungen als auch
die Verpflichtungen stark gestiegen waren (47 Mrd ATS bzw.
66 Mrd S).

Finanzderivate, die bis vor kurzem Teil der Position Portfolioinvestitionen waren, werden aufgrund einer
internationalen Anforderung seit Jänner dieses Jahres als
eigene Position in der Kapitalbilanz ausgewiesen.
Finanzderivate mit Zinsen als Basiswert bleiben jedoch wie
bisher Teil des Einkommens. Die Position "Finanzderivate"
zeigte 1998 einen Nettokapitalexport von 7 Mrd S gegenüber
einem Nettokapitalimport von 1/2 Mrd S im Jahr 1997.

Die offiziellen Währungsreserven erhöhten sich 1998 transaktionsbedingt um 40 Mrd S. Im Jahr zuvor waren sie noch
um rund 36 Mrd S zurückgegangen.

Transaktionenbilanz
Jahr
1997
Credit Debet Netto
in Mrd S
LEISTUNGSBILANZ ............... 1.238,5 1.299,9 -61,4 ------------------------------------------------------------- Güter, Dienstleist.u.Einkommen 1.203,1 1.243,8 -40,7 Güter und Dienstleistungen .... 1.077,5 1.116,7 -39,2

Güter ...................... 716,1 768,0 -52,0 Dienstleistungen ........... 361,4 348,6 12,7
davon:
Transport ............... 49,5 35,7 13,9 Reiseverkehr ............ 134,1 123,2 10,8 Bauleistungen ........... 9,3 6,0 3,3 Finanzdienstleistungen .. 7,2 7,1 0,1 Patente und Lizenzen .... 2,3 8,4 -6,1 Sonstige unternehmensbez.
Dienstleistungen ........ 58,8 45,0 13,9 Regierungsleistungen .... 4,7 1,7 3,0
Nicht aufteilb.Leistungen 80,1 102,5 -22,4 Einkommen ................. 125,7 127,1 -1,4 Laufende Transfers ........ 35,4 56,2 -20,7 ------------------------------------------------------------- VERMÖGENSÜBERTRAGUNGEN
UND KAPITALBILANZ ............ 55,2 ------------------------------------------------------------- Vermögensübertragungen ....... 0,3 Kapitalbilanz ................ 54,9

Direktinvestitionen ....... 5,3
im Ausland ............. 147,7 171,4 -23,8
in Österreich .......... 44,9 15,8 29,1 Portfolioinvestitionen .... 13,4 ausländische Wertpapiere -121,2 österreich. Wertpapiere 134,6 Sonstige Investitionen .... -0,3 Forderungen ............ -63,3 Verpflichtungen ........ 63,0 Finanzderivate ............ 0,5 Forderungen ............ -2,3 Verpflichtungen ........ 2,8 Offizielle Währungsreserven 1) 35,9 ------------------------------------------------------------- Statistische Differenz ....... 6,2 -------------------------------------------------------------
1) Zunahme: -; Abnahme: +.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben.-

Transaktionenbilanz
Jahr
1998
Credit Debet Netto
in Mrd S
LEISTUNGSBILANZ ............... 1.346,3 1.400,7 -54,5 ------------------------------------------------------------- Güter, Dienstleist.u.Einkommen 1.310,4 1.340,8 -30,4 Güter und Dienstleistungen .... 1.178,4 1.195,7 -17,3

Güter ...................... 772,0 822,8 -50,8 Dienstleistungen ........... 406,4 372,9 33,5
davon:
Transport ............... 55,8 38,8 17,1 Reiseverkehr ............ 139,2 118,5 20,7 Bauleistungen ........... 8,7 5,7 3,0 Finanzdienstleistungen .. 9,5 8,8 0,6 Patente und Lizenzen .... 1,2 9,9 -8,7 Sonstige unternehmensbez.
Dienstleistungen ........ 62,6 46,4 16,1 Regierungsleistungen .... 6,5 1,6 4,9
Nicht aufteilb.Leistungen 104,3 120,0 -15,7 Einkommen ................. 132,0 145,1 -13,1 Laufende Transfers ........ 35,9 59,9 -24,0 ------------------------------------------------------------- VERMÖGENSÜBERTRAGUNGEN
UND KAPITALBILANZ ............ 53,1 ------------------------------------------------------------- Vermögensübertragungen ....... -2,0 Kapitalbilanz ................ 55,1

Direktinvestitionen ....... 35,9
im Ausland ............. 17,8 55,1 -37,3
in Österreich .......... 83,4 10,2 73,2 Portfolioinvestitionen .... 57,8 ausländische Wertpapiere -146,7 österreich. Wertpapiere 204,6 Sonstige Investitionen .... 8,2 Forderungen ............ -22,1 Verpflichtungen ........ 30,4 Finanzderivate ............ -6,8 Forderungen ............ -5,6 Verpflichtungen ........ -1,1 Offizielle Währungsreserven 1) -40,1 ------------------------------------------------------------- Statistische Differenz ....... 1,3 -------------------------------------------------------------
1) Zunahme: -; Abnahme: +.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben.-

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