Verzweiflung, Tränen, Apathie Bericht von Caritasmitarbeiter Josef Worm aus Albanien

Wien, 19.4.99 (car-pd)
äDie Lage der Flüchtlinge ist so verzweifelt, ihre Apathie so bestür-zend, daß wir in den Gesprächen immer wieder unterbrechen mußten, um nicht selbst in Tränen auszubrechen", berichtet der soeben aus Al-banien zurückgekehrte Caritasmitarbeiter Josef Worm. äEin Lichtblick ist die überwältigende Hilfsbereitschaft der Albaner. Ich schätze, daß 20 Prozent der Flüchtlinge in albanischen Familien untergekommen sind. Trotzdem sind rund die Hälfte der Flüchtlinge überhaupt nicht versorgt und deren Elend ist unbeschreiblich. Da versagen einem Worte und Stimme."

Auch in Albanien könne die Caritas auf Ehrenamtliche aus Pfarren und Orden zurückgreifen berichtete Worm. So wie in Mazedonien gebe es tausend Ehrenamtliche, die gleichsam rund um die Uhr für die Betreu-ung der Vertriebenen im Einsatz seien. Doch die Grenzen der Hilfsbe-reitschaft zeichneten sich ab, die Belastung werde immer unerträglicher. äDie Schulen sind geschlossen, alle staatlichen Institutionen sind mit Flüchtlingen überfüllt. Wenn es Regen gibt und noch mehr Menschen erkranken, wäre das eine Katastrophe mit unvorhersehbarem Ausmaß. Denn die Menschen sind unglaublich geschwächt. Ich sah Flüchtlings-familien, die 14 Tage in einem Traktor gelebt haben und als sie endlich in Sicherheit waren, keinen Bissen zu sich nehmen konnten. Und das, obwohl sie völlig ausgehungert waren."

Es gelte, neue Wege zur Versorgung der Flüchtlinge zu erschließen, denn die Fähren und der Flughafen erwiesen sich als regelrechte Nadel-öhre, die selbst die großzügigste Hilfe in enge Schranken verweise. äEs müßte doch möglich sein, den Landweg über Griechenland verstärkt zu nützen", fordert Caritasmitarbeiter Josef Worm. äWenn nicht bald et-was geschieht, sind noch größere Katastrophen nicht mehr aufzuhal-ten."

Unterdessen geht die Caritashilfe weiter. Mit Hilfe von besonders fle-xiblen kirchlichen Strukturen werden derzeit 10.000 Flüchtlinge in Pfar-ren untergebracht und 20.000 betreut. Die Hilfsbereitschaft ist groß:
Schon eine Woche bevor die Hilfsorganisationen Kukes erreicht hatten, begannen deutsche Schwestern mit der Verteilung von Lebensmitteln
an die Flüchtlinge.

Die Caritas betreibt mit der Caritas Albanien ein Flüchtlingslager für rund 16.000 Vertriebene in Shkodra und beliefert das Österreich-Camp mit Lebensmitteln. 13 Caritas Transporte sind schon in Albanien einge-troffen und fast täglich werden neue abgefertigt. Im Rahmen der Aktion äNachbar in Not" hat die Caritas sieben Lkws nach Albanien und acht Lkws nach Mazedonien geschickt. Morgen, 20. April werden zwei
Lkws das Caritas-Lager in Wien Floridsdorf Richtung Struga, unweit der mazedonisch/albanischen Grenze verlassen.

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