Verzetnitsch: Verständnis für Beschäftigung wächst im Euroland

Reduzierung der Arbeitslosigkeit muß gleichsam als sechstes Maastricht-Kriterium mitschwingen

Vorgang - "Auf europäischer Ebene reift allmählich das Verständnis, daß Geldmarktpolitik nicht vollkommenen losgelöst von Beschäftigungspolitik betrachtet und betrieben werden kann. Denn eine Abnahme bei der Beschäftigung wirkt sich auch negativ auf die Staatshaushalte aus", erklärte der Präsident des Österreichischen und des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Fritz Verzetnitsch, bei der "Club Euro"-Veranstaltung in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Die Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union ist auf 17 Mio Menschen angestiegen. Als Staat zusammengefaßt würde das Arbeitslosenheer das sechst-größte EU-Land ergeben. Dies stellt einen gewaltigen Markt dar, ein riesiges Potential, das nicht genützt wird und somit eine der größten Vergeudungen für Europa bedeutet, zeigte sich Verzetnitsch überzeugt.

Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) wurde und wird von den Gewerkschaften voll unterstützt. Eine gemeinsame Währung ist durchaus sinnvoll und notwendig. Dramatische Abwertungen in einzelnen Ländern des Euro-Raums, die in der Vergangenheit eine existenzielle Gefahr für Unternehmen und Arbeitnehmer bedeuteten, sind damit ausgeschlossen, so Verzetnitsch. "Doch einen Blanko-Scheck haben wir Gewerkschaften mit der Befürwortung des Euro nicht ausgestellt. Der Euro ist nur ein gutes Fundament für die Zukunft, nun kommt es darauf an, was darauf gebaut wird."

Die EWWU hat Potential für mehr Wohlstand und mehr Beschäftigung, doch um dies zu erreichen, muß die Reduzierung der Arbeitslosigkeit gleichsam als 6. Maastricht-Kriterium in die Diskussion und Wirtschaftspolitik Europas miteinfließen, betonte der ÖGB-Präsident. "Ich würde mir bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die gleiche beachtenswerte Konsequenz wünschen, die bei der Einführung des Euro von allen Beteiligten an den Tag gelegt wurde, dann bin ich überzeugt, daß wir uns auf dem richtigen Weg zu einem wirtschaftlich und sozial gesunden Europa befinden", sagte Verzetnitsch.

Ein Hebel müßte auch bei der Lohnentwicklung angesetzt werden, die eindeutig hinter der Produktivitätsentwicklung herhinkt. Keine Wirtschaft könne funktionieren, wenn nur exportiert wird, eine schrumpfende Inlandsnachfrage sei daher sehr gefährlich. "Darum ist es ebenfalls sehr wichtig, den Binnen-Nachfragesektor zu steigern", erklärte Verzetnitsch und schlug vor, den Ausbau von Infrastruktureinrichtungen und Wohnbau zu forcieren und strategisch wichtige Eigentümerstrukturen zu sichern. Bei der Mittelvergabe müsse mehr auf Multiplikator-Effekte gesetzt werden. "Wenn man transeuropäische Netze ausbaut, erreicht man eine Modernisierung der Infrastruktur und setzt gleichzeitig einen großen Impuls für die Beschäftigung", meinte Verzetnitsch.

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