Görg: Mit wenig Geld, viel auf die Beine stellen

Wien, (OTS) Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und die Projektkoordinatorin für die Mehrfachnutzung von Freiflächen, DI Jutta Kleedorfer, zogen am Mittwoch in einer Pressekonferenz
Bilanz über ihre bisherige einjährige Tätigkeit.

Vizebürgermeister Görg, der die Koordinatorin im Vorjahr gemeinsam mit Vizebürgermeisterin Grete Laska präsentiert hat, betonte, daß er die schwierige Aufgabe der Koordinatorin - "mit wenig Geld, viel auf die Beine zu stellen und zudem noch ressortübergreifend agieren zu müssen" - gut gelöst sehe. Es gebe eine Reihe von vielversprechenden Ansätzen sogenannte "Flächenengpässe" für Jugendliche in Bezirken zu lösen, und es gebe natürlich auch Erfolge, die man "auf eher unkonventionelle Weise" verbucht habe.

"In Zeiten, in denen der Sparstift zumeist zu Lasten von Gruppen und Vereinen angesetzt wird, hat sich die Stadt Wien auf ihre Ressourcen besonnen und kann so ohne große finanzielle Aufwendungen durch den Einsatz der Flächenmanagerin sogenannte brachliegende Liegenschaften an Jugendliche übergangsweise vergeben," sagte Vizebürgermeister Görg. "Diese Vorgehensweise ist, wenn man die strenge Arbeitsteilung im Magistrat kennt, sehr fortschrittlich und könnte Modell und Schule in anderen Bereichen sein," sagte Vizebürgermeister Dr. Görg.

Zur Vorgeschichte:

Am 22. April 1998, zeitlich abgestimmt mit dem Symposium im Wiener Rathaus zum Thema: "Welchen Spielraum braucht die Zukunft" wurde die Wiener Projektkoordinatorin für die Mehrfachnutzung von Freiflächen, DI Jutta Kleedorfer, im Rahmen einer Pressekonferenz der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Dabei wurde betont, daß Mehrfachnutzung kein absolut neues Programm ist. Schulturnhallen werden in Wien schon lange abends an Vereine vergeben, Schul- und Amtsgebäude sind übliche Wahl-Orte. Daneben existieren zahlreiche informell organisierte Mehrfachnutzungen: die Skaterpartie, die sonntags auf dem leeren SCS-Parkplatz intensiv trainiert; der private Innenstadtgarten,
der anrainenden Familien mit Kinder gegen geringe "Schlüsselgebühr" zeitweise überlassen wird; die Pensionistenrunde im Pfarrgarten usw.

Anlaß für die damals aktuelle Beschäftigung mit diesem Dauerbrenner-Thema waren Vorarbeiten durch eine Wiener-Bodenbereitstellungsfonds-Urban-Veranstaltung und die einjährige Arbeit eines von der Stadtplanung (Magistratsabteilung 18), Gruppe Grün- und Freiraum initiierten, interdisziplinär besetzten Arbeitskreises, der vor allem bezüglich VERSICHERUNG und HAFTUNG neue Ergebnisse erzielte. Die unbürokratische, positiv
motivierende Erweiterung der sogenannten "Gemeinde - Haftpflicht" seitens der Wiener Städtischen auf Mehrfach- und Zwischennutzungsprojekte bildete eine nicht unwesentliche Voraussetzung für die neue Phase dem Umgangs mit dem Problem immer knapper werdender Grün- und Freiräume in der Stadt.

Sowohl magistratsintern als auch extern waren die Reaktionen, vor allem in den ersten 14 Tagen nach der Pressekonferenz zur Präsentation der neuen Koordinatorin enorm. Über 200 Anrufe mit Fragen, Hinweisen, Glückwünschen, Tips für interessante Objekte -vereinzelt auch Skepsis oder Frustrationsdemonstrationen - wurden
an die Koordinatorin herangetragen.

Erst nach der Phase der "Pressereaktionen" kamen die zielgerichteten Anfragen vor allem aus den Kreisen der Gebietsbetreuungen, Bezirksvertretungen und Sozialforen bzw. den verschiedenen in der Jugendarbeit tätigen Branchen wie Sozialarbeit, Lehrerschaft, Sozialpädagogik, Parkbetreuung, Streetwork, etc. Diese Stellen, vor allem jene, die mobile Jugendarbeit betreiben, sind natürlich am meisten von fehlenden oder nicht passenden Freizeitangeboten betroffen. Sie brauchen insofern dringend Unterstützung, als sie aufgrund ihrer Tätigkeit und Ausbildung überwiegend klientenzentriert argumentieren, während räumlich-technische Anforderungen zu formulieren und "verhandeln" offensichtlich schwer fällt.

Die Erfahrung von nun fast einem Jahr Projektkoordination zeigt, daß mit diesem Programm offensichtlich gerade zur richtigen Zeit begonnen wurde. Die Ressourcen sind knapp, der Mitteleinsatz soll effizient sein, Teilen und Improvisieren ist angesagt. Stadtraum ist auch Bühne für Selbstdarstellung bzw. Trends und Moden. Flexibles Reagieren auf konkrete Anforderungen und Mängel ist einfach notwendig, allerdings kein Ersatz für
Langfristaufgaben wie Grünflächensicherung, Umweltstandards, Infrastrukturprogramme, etc..

Noch einmal zur Erinnerung:

Mehrfachnutzung bedeutet für die Stadt Wien, alle eigenen Areale und Potentiale zu sichten und interessierten Gruppen zur Verfügung zu stellen (ganz besonders nachgefragt sind Schulspiel-und Sportanlagen) bzw. auch von anderen Grundbesitzern Flächen
oder Räume anzupachten (z.B. Baulücken - Zwischennutzungen).

Zitat des Erlasses zur Installierung der Projektkoordinatorin vom Februar 1998:

"Angesichts steigender Nutzungsansprüche an begrenztem Raum und der Notwendigkeit des ressourcenschonenden und sparsamen Einsatzes von Mitteln hält die Stadt Wien Mehrfachnutzung für ein geeignetes Mittel zur Vergrößerung sozialer Aktionsräume in der Stadt. Gedacht ist an eine stufenweise Erweiterung vom derzeitigen Schwerpunkt-städtische Grün- und Freiräume - auf umbaute Räume (Gebäude) und andere Grundeigentümer (Gebietskörperschaften, Institutionen, Bauträger, Private, etc.) ..."

Die Hauptaufgaben der Projektkoordinatorin sind daher:

o die Abwicklung von Modellprojekten
Derzeit laufen über 50 Projekte in fast allen Wiener Bezirken mit selbstverständlich ganz unterschiedlichen Dimensionen. Relativ "einfache" Schulhof- bzw. Schulsportplatzöffnungen an Wochenenden und in den Sommerferien gehören genauso dazu wie sehr robuste Ballspielanlagen auf Baulücken, Mehrfachnutzungen von Kinderfreibädern außerhalb der Saison, ergänzende Jugendeinrichtungen für Stadterweiterungsgebiete (die Brünnerstraße z.B. aber auch den Leberberg), ein Mädchenprojekt im Garten der Szene Wien-Simmering, Überlegungen zur interimen Freiraumnutzung der Aspanggründe, ein (bereits übergebener) bespielbarer Bereich im Arsenal von der Bundesgebäudeverwaltung, multifunktional gestaltete Höfe in Sanierungsobjekten mit Kindertagesheimen, Jugendinfrastrukturergänzungen in "sozialen Brennpunkten", dem Projekt "Äktschn-Park" in Hirschstetten sowie die Totalerhebung aller Potentiale im 5. und 7. Bezirk als
Beispiel systematischer Suche im Auftrag der Bezirksvertretung,
mit dem Ziel, ein Netz von konkreten wohnumfeldverbessernden Aktionspunkten in dicht bebauten Bezirken zu schaffen, etc..

o Servicestelle für Betroffene und Interessenten, bereits

bestehende Initiativen, Jugendbetreuungsteams, Regionalforen, GrundeigentümerInnen sowie Bezirke bzw. Bezirksvertretungsmitglieder und Integrationsfonds, Jugendanwaltschaft, etc.. Die Fragen Haftung, Versicherung, Gestaltung, Organisation, Kostenaufteilung, "technische" Voraussetzungen, etc., nehmen hierbei einen großen Platz ein.

o Organisationskonzeption und Vernetzungsarbeit
Für die Koordinatorin bedeutet dies, neben konkreten Arbeiten für die einzelnen Projekte, große Kommunikationsbereitschaft und Präsenz vor Ort, in Bezirksgremien, mit Institutionen und Betroffeneninitiativen wie auch innerhalb des Magistrats bzw. mit privaten Grundeigentümern, Gebietskörperschaften, ÖBB, Kirchen, etc.. Die Klärung der konkreten Fragen muß ständig unterstützt werden durch positiv motivierende Argumentation und Vermittlung. Dies ganz besonders, da die Koordinationsfunktion nicht unter der Voraussetzung von Weisungsrechten und "Macht" vergeben wurde, sondern mit der Zielsetzung durch positive Beispiele Anreize zu schaffen und die Umsetzung auf dem Konsenswege zu bewirken.
o Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit
o Auswertung der Erfahrungen im Hinblick auf Strukturanforderungen

für die Zukunft als Grundlage von Vorschlägen für magistratsinterne und externe Verbesserung der Rahmenbedingungen für ressourcensparende Kooperationen und Kostenbeteiligung verschiedener Abteilungen bzw. Ressorts. Zuständigkeitsfragen
und Aufgabenteilung unter den verschiedenen
Magistratsabteilungen der einzelnen Ressorts nehmen nach wie vor großen Raum ein. Als echte Querschnittsmaterie sind die notwendigen magistratsinternen Kooperationsmodelle erst zu entwickeln und Vernetzung und Synergieeffekte jedesmal neu zu kreieren, um dann als Modell zur Verfügung zu stehen.
o Jahreszeitlich bedingt ist bereits jetzt eine dringende

Ausweitung der Koordinationstätigkeit auf die Vermittlung umbauter Räume, Sportangebote - auch indoor-notwendig geworden und an ersten Beispielen ausprobiert (Brünnerstraße, z.B. Übernahme des ehem. Bürgerservicebüros). Möglichkeiten des Sponsorings werden ausgelotet, Beschäftigungsprojekte für Jugendliche angedacht.....

Zusammenfassend kann man jetzt schon sagen, daß über die bereits erfolgreich laufenden Projekte hinaus, die Idee "Mehrfachnutzung" nachweislich an Bedeutung und Selbstverständnis gewonnen hat. Bei Einstellung, Ambition und Engagement gibt es natürlich Unterschiede sowohl unter den verschiedenen Magistratsabteilungen (bis hin zu den einzelnen MitarbeiterInnen) wie auch den Bezirken.

Insgesamt kann gesagt werden: Wie überall macht jedes gelungene Beispiel Skeptikern Mut und erleichtert die Gesprächsbasis bei neuen Projekten.

Gerade für die grundverwaltenden Dienststellen (bisher v.a.
MA 42, MA 49, MA 56) bedeutet Mehrfachnutzung deutlich mehr
Aufwand, da ihre Betreuungsleistung Voraussetzung ist der Haftpflicht zu genügen und um den Vorwurf der Fahrlässigkeit nicht entstehen zu lassen. Für die Bezirke ist Mehrfachnutzung vor allem mit Kosten verbunden, die sich durch vermehrt notwendige Erhaltungsarbeiten aufgrund von mehr Beanspruchung bzw. durch den Aufwand für pädagogisches Personal vor Ort ergeben. (Schluß) lei

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