Bau-Enquete (Teil 2): Prävention ist humanste Form der Kostensenkung

5,7 Milliarden Schilling Krankenstandskosten von Bauarbeitern

Wien (GBH/BAK/ÖGB). In der von der SRZ Stadt- und Regionalforschungsgesellschaft im Auftrag der Gewerkschaft Bau-
Holz und der Bundesarbeitskammer erstellten Studie wurden die volkswirtschaftlichen Folgekosten von Gesundheitsgefahren am Bau ermittelt und bewertet. Das Aufzeigen der Folgekosten sollen aber keineswegs dazu missbraucht werden, die Bauarbeiter auf einen Kostenfaktor zu reduzieren, sondern ist eine Aufforderung an die Träger dieser Kosten, in erster Linie die Bauunternehmen, stärker präventiv und gesundheitsfördernd tätig zu werden. Prävention ist nicht nur eine Möglichkeit, mit der menschliches Leid verringert wird, sondern rechnet sich auch für den Unternehmer und macht volkswirtschaftlichen Sinn. ++++

Invaliditätsrisiko und Krankenstandshäufigkeit bei Bauarbeitern deutlich höher
Laut Studie ist das Invaliditätsrisiko der Bauarbeiter um rund 50 Prozent höher als bei anderen Arbeitern. Auffallend an den Kostenelementen der "medizinischen Behandlung" ist der hohe Anteil der arbeitsbedingten Ambulanzbehandlungen, was mit dem hohen
Anteil der Verletzungsfolgen an den Gesundheitsschäden der Bauarbeiter zusammenhängen dürfte.

Auch die Krankenstandshäufigkeit von Bauarbeitern ist um 10
Prozent höher als bei anderen Arbeitern. Besonders drastisch
liegen die Verhältnisse bei tödlichen Arbeitsunfällen, hier entfallen auf 100.000 Bauarbeiter etwa 24 Tote, im Vergleich zu etwa neun Toten pro 100.000 Arbeiter in anderen
Wirtschaftsklassen.

5,7 Milliarden Krankenstandskosten
Aus der Studie geht hervor, dass die Kosten des Arbeitsausfalls durch Krankenstände im Bauwesen auf Basis der ausgewiesenen Krankenstandstage und der durchschnittlichen Bruttoentgelte im
Jahr 1997 mit ca. 5,7 Milliarden Schilling beziffert werden. Annähernd 20 Prozent der Krankenstandskosten der Bauarbeiter entfielen auf Arbeitsunfälle, 15 Prozent auf Privatunfälle und rund zwei Drittel auf Krankheiten.

Kosten der Krankenstände von Bauarbeitern 1997
Krankheitskosten Mio S Kosten pro Versichertem S
Kostenelement Bauarbeiter Bauarbeiter Sonstiger Arbeiter

Angestellter
Krankenstandstage 5.651 28.684 23.035 16.520
davon durch:
Krankheit 3.786 19.219 17.277 13.711
Arbeitsunfall 1.017 5.163 2.764 826
Privatunfall 848 4.303 2.995 1.982

Die Krankenstandskosten pro Bauarbeiter liegen nach dieser Schätzung bei ca. 29.000 Schilling pro Jahr. Sie sind somit um ca. 5.000 Schilling höher als bei "sonstigen Arbeitern" und um ca. 12.000 Schilling höher als bei "Angestellten".

Angesichts der Fakten die aus der SRZ-Studie hervorgehen, darf Arbeitsmedizin kein Nebenjob sein. Man sollte gemeinsam mit allen Betroffenen und den Kostenträgern in Zukunft verstärkte Prävention betreiben. (Bac-)
(Fortsetzung)
ÖGB, 12. April 1999 Nr. 159

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