Bau-Enquete (Teil 1): Zeit- und Kostendruck mitverantwortlich für Gesundheitsschädigungen am Bau

Stützapparaterkrankungen an erster Stelle

Wien (GBH/BAK/ÖGB). Die vorherrschenden Rahmenbedingungen der Bauproduktion und die mangelnde Kontinuität der Auftragsvergabe verursachen am Bau einen enormen Kosten- und Zeitdruck. Daraus resultieren wesentliche Unfallgefahren und in weiterer Folge Gesundheitsschädigungen für die Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft. 95 Prozent der im Zuge der Studie befragten Bauarbeiter meinten, dass das Kernproblem im Zeitdruck liegt. ++++

Erkrankung des Stützapparates Nummer 1 der Erkrankungen

Schwere körperliche Belastungen sind die Hauptursache für Abnutzungsbeschwerden. Wie aus der Studie über die "Gesundheitsgefahren am Bau und deren volkswirtschaftliche Kosten" hervorgeht, die im Auftrag der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) und der Bundesarbeitskammer von der SRZ Stadt und Regionalforschungsgesellschaft erstellt wurde, sind diese arbeitsbedingt und unzweifelhaft belegt. Für die Experten steht
die Erkrankung des Stützapparates an vorderster Stelle, als Hauptursache werden die schweren körperlichen Belastungen genannt. Herz-Kreislauferkrankungen, Hautschäden, Stress, Zeitdruck und Lärm sind weitere gesundheitsgefährdende Ursachen am Bau.

Trotz positiver Entwicklung bei Maschinen, Werkzeugen und Arbeitshilfen ist ein Abbau der körperlichen Belastung noch immer nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Bemängelt wird vor allem, dass Verbesserungsmöglichkeiten aufgrund höherer Kosten oder aufwendiger Handhabung nicht im erforderlichen Ausmaß genutzt werden.
Die Experten bemerkten auch, dass es zwischen den industriell und gewerblich geführten Baustellen im Bereich der körperlichen Belastungen deutliche Unterschiede gibt.

Bauarbeiter müssen früher in die Invaliditätspension als andere Arbeiter
Aufgrund der höheren Krankheits- und Verletzungsgefahr müssen die Bauarbeiter deutlich öfter als andere Arbeiter in die krankheitsbedingte frühzeitige Pension gehen. Die ungünstigen Arbeitsbedingungen am Bau sind nicht nur ausschlaggebend für leistungsmindernde Beeinträchtigungen der Arbeitskraft während des aktiven Berufslebens, sondern bewirken auch einen sich in der Endphase des Arbeitslebens bemerkbar machenden vorzeitigen Verschleiß der Arbeitskraft.

Im Detail bedeutet das, dass von 1.000 versicherten Männern bei
den Bauarbeitern 19,5 Prozent in die vorzeitige Alterspension
wegen geminderter Arbeitsfähigkeit gehen müssen. Der Vergleichswert bei den übrigen Arbeitern beträgt lediglich 11,5 Prozent. Für fast zwei Drittel (65 %) der vorzeitigen
Alterspension ist die Erkrankung des Stützapparates
verantwortlich. An zweiter Stelle rangieren mit einem Anteil von
15 Prozent die Herz- und Kreislauferkrankungen. (Bac-)
(Fortsetzung)

ÖGB, 12. April 1999 Nr. 158

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