Gehrer: Hilfe für Kosovo-Flüchtlingskinder in Österreich

Schulen nehmen Kinder auf

Wien (OTS) "Die EU hätte jetzt die Chance zu beweisen, dass Europa eine gelebte Gemeinschaft ist, die auch bei Krisen funktioniert. Die Hilfe muss vor Ort, aber auch in den mittel,-nord- und westeuropäischen Ländern selbst geleistet werden. Eine Rollbalkenpolitik wäre das falsche Signal." Das sagte heute, Freitag, Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer anlässlich der Vorstellung eines Maßnahmenpakets des Unterrichtsministeriums für Flüchtlingskinder aus dem Kosovo. ****

Bei den 5.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo, die Österreich in den nächsten Tagen aufnimmt, ist mit zirka 2.000 Kindern im Schulalter zu rechnen. Für sie hat die Unterrichtsministerin Vorbereitungen für Hilfsmaßnahmen und Betreuungsangebote unternommen. Gehrer:
"Die Kinder sollen in die österreichischen Schulen integriert und in ihrem schulischen Lernprozess unterstützt werden." ****

Das Maßnahmenpaket im Detail:

INTEGRATION DER KOSOVO-ALBANISCHEN KINDER

Je nach Aufteilung der Flüchtlinge nach dem Länderschlüssel werden auch die Kinder als außerordentliche Schüler in die Schulen aufgenommen und in bestehende Klassen integriert. Wo es organisatorisch nicht anders möglich ist, werden eigene Klassen gebildet. Zur Betreuung stehen bereits vorhandene und speziell ausgebildete Begleitlehrer zur Verfügung. Sie betreuen die Kinder im Unterricht und unterstützen sie beim Deutschlernen.

BERATUNGSTELEFON DES UNTERRICHTSMINISTERIUMS

Ab Montag, 12. April 1999, steht im Unterrichtsministerium ein Beratungstelefon zur Verfügung. Es ist an Werktagen von 9.00 bis 12.00 Uhr mit zwei Expertinnen besetzt. Geplant ist auch, an zwei Tagen pro Woche einen albanisch-sprechenden Pädagogen für Auskünfte einzusetzen. Die Telefonnummer: 01/53120-2552DW. Das Fachreferat für interkulturelles Lernen des Ministeriums koordiniert die österreichweiten Maßnahmen und ist auch Anlaufstelle für Hilfsorganisationen und Privatpersonen, die Flüchtlingskinder aufnehmen.

BERATUNGSSTELLEN IN DEN LANDESSCHULRÄTEN

In den Landesschulräten/Stadtschulrat stehen Beratungsstellen für ausländische Kinder und Migranten als erste Anlaufstellen für die Koordination in den Bundesländern zur Verfügung. Sie bieten Hilfe bei Fragen der Einschulung, bei rechtlichen Fragen, bei der Unterstützung mit Lernmaterialien und bei lern- und schulpsychologischen Problemen.

LEHRERFORTBILDUNG

Die Pädagogischen Institute wurden vom Unterrichtsministerium aufgefordert, Einschulungskurse für die beteiligten Lehrer vorzubereiten und anzubieten. Viele Pädagogen wurden bereits für diese Arbeit in mehrsprachigen Klassen fortgebildet.

DEUTSCH-FÖRDERKURSE

Um den Flüchtlingskindern das schnelle Erlernen der deutschen Sprache zu erleichtern, wird in den Schulen entweder im
Teamteaching oder in Kursform Deutschförderunterricht angeboten. Welches Angebot gemacht wird, hängt von den Möglichkeiten des jeweiligen Schulstandortes ab.

MUTTERSPRACHLICHER UNTERRICHT

Der muttersprachliche Unterricht, für den bereits Lehrpläne bestehen, wird auch für die albanisch-sprechenden Kinder eingerichtet. Dabei lernen sie Lesen, Schreiben und z.B. Sachkunde in der eigenen Muttersprache. Derzeit gibt es in Österreich 14 Lehrer für den muttersprachlichen Unterricht in Albanisch. Sie werden, wie die Begleitlehrer, insbesondere für das Teamteaching eingesetzt. Für den weiteren Bedarf werden in den nächsten Wochen Flüchtlinge, die in ihrer Heimat als Lehrer gearbeitet haben, gesucht. Derzeit erhalten bereits rund 700 Kinder in den österreichischen Schulen muttersprachlichen Unterricht auf Albanisch.

ZWEISPRACHIGE UNTERRICHTSMATERIALIEN

Für die Flüchtlingskinder stellt das Unterrichtsministerium ein deutsch/albanisches Wörterbuch zur Verfügung. Für die Lehrer und Schüler gibt es eigene Arbeitsmappen für den Unterricht auf Deutsch und Albanisch.

ALBANISCHE LEHRPLÄNE

Für die Hauptschulen und AHS werden im Unterrichtsministerium Lehrpläne für den Albanischunterricht erarbeitet. Er unterstützt die zweisprachige Ausbildung.
Das schulische Angebot in Österreich soll den albanischen Kindern eine möglichst kontinuierliche Schulbildung erleichtern, damit sie nach einer Rückkehr in die Heimat ohne großen Zeitverlust wieder in die entsprechenden Schulstufen einsteigen können.

PROJEKT ZUR FLÜCHTLINGSINTEGRATION IM KLASSENZIMMER

Gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR ist im Sommersemester ein Gemeinschaftsprojekt angelaufen, das an den Schulen die Bewusstseinsarbeit und das Verständnis im Umgang mit Flüchtlingskindern fördern soll. Unter dem Titel ”In der neuen Heimat” enthält die kostenlose Medienmappe Unterrichtsmaterialien und zeitgemäße Lehrbehelfe für die Lehrer und ein Video.

FINANZIERUNG

Die vorhandenen Planstellen für diese Zusatzangebote im Rahmen des Maßnahmenpakets für die Kosovo-Flüchtlingskinder werden voll ausgeschöpft. Aus derzeitiger Sicht (Integration von ca. 2.000 Schülern) sind diese aus dem laufenden Budget des Unterrichtsministeriums finanzierbar.

”NACHBAR IN NOT”

Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer dankt dem ORF, dem Roten Kreuz und der Caritas für den Neustart der Hilfsaktion ”Nachbar in Not”, mit der die Österreicher bereits während der Bosnienkrise bewiesen haben (damals wurde mehr als 1 Milliarde Schilling gespendet), dass sie bereit sind zu helfen. Die Schulen haben mit zahlreichen Aktionen rund 30 Millionen Schilling dafür gesammelt. Auch jetzt haben bereits Schüler und Lehrer Hilfsinitiativen gestartet.Das Österreichische Jugendrotkreuz plant in Kooperation mit seinen Referenten an den österreichischen Schulen ein Projekt, mit dem die Flüchtlingskinder im Österreich-Camp in Albanien unterstützt werden sollen.
(Schluss)

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